Er soll vor der Urlaubspleite schützen, tut es aber nicht in jedem Fall. Worauf Sie achten sollten.

Ein Ende mit Schrecken, für einige sogar ein Schrecken ohne Ende: So dürfte wohl die Bilanz mancher der rund 1 000 Antalya-Urlauber aussehen, die wegen der Pleite ihres Reiseveranstalters in ihrem Urlaubsland Türkei festsaßen. Ihr Flug nach Hause wurde ersatzlos gestrichen: Während sie ahnungslos in der Sonne lagen, ist ihr Reiseveranstalter Interflug Bankrott gegangen. Bis zu vier Tage lang mussten manche auf dem Flughafen campieren. Für die anschließende Rückflugaktion zahlten viele zusätzlich 200 Euro. Das Geld werden sie voraussichtlich nie wiedersehen, weil sie keinen gültigen Sicherungsschein hatten.

Warum ist der Schein so wichtig?

Seit 1994 sind Veranstalter von Pauschal­reisen laut Paragraf 651k BGB verpflichtet, die Kundengelder mit einer Insolvenzversicherung abzusichern. Ein Sicherungsschein ist der Nachweis, dass die Versicherung bei Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz die gezahlten Beträge erstattet und gegebenenfalls die Rückflugkosten übernimmt. Im Fall Interflug hatte der Reiseveranstalter die Versicherungspolice jedoch nicht bezahlt. Somit waren die Dokumente ungültig. Der Sicherungsschein ist nicht zu verwechseln mit einer Reise­rücktritts­ver­sicherung. Das ist eine private Versicherung, die zusätzlich abgeschlossen werden kann. Sie trägt die Stornogebühren, wenn eine gebuchte Reise wegen Krankheit oder wichtiger privater Gründe nicht angetreten werden kann.

Tipp: Unter www.tip.de können Sie im Reiseveran­stalterregister die freiwilligen Angaben der Versicherer einsehen. Sicherer ist es, sich vor Reisebeginn direkt beim Insolvenzversicherer nach der Gültigkeit des Versicherungsschutzes zu erkundigen – am besten bevor Sie den vollen Preis bezahlt haben. Es besteht Auskunftspflicht. Adresse und Telefonnummer finden Sie auf dem Sicherungsschein.

Wo gibt es den Sicherungsschein?

Reisebüros haben die Pflicht, ihren Kunden vor Beginn der Reise den Schein mit allen anderen Unterlagen auszuhändigen. Das gilt auch bei Last-Minute-Reisen. Ist das nicht der Fall, sollte der Reisende unbedingt darauf bestehen, da er sonst keinen Anspruch auf Rückzahlung hat. Oft ist der Sicherungsschein auf der Rückseite der Reisebestätigung abgedruckt. Ausgegeben wird er aber nur für Pauschalreisen ab einem Preis von 75 Euro und einer Reisedauer von mindestens 24 Stunden.

Tipp: Bezahlen Sie die Reise erst, wenn der Originalsicherungsschein ausge­händigt wurde. Akzeptieren Sie keine Kopien.

Was muss auf dem Schein stehen?

Um später Ansprüche anmelden zu können, muss der Sicherungsschein den formalen Anforderungen eines Vertrags genügen. Entsprechend sollten Name und Adresse des Veranstalters und des Versicherers vermerkt sein, ebenso der Versicherungsfall (Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit) und die Insolvenzschäden, deren Erstattung verlangt werden kann, sowie die Dauer der Haftung.

Tipp: Wenn Sie das Dokument erhalten, prüfen Sie unmittelbar alle Angaben. Sollten Daten fehlen, reklamieren Sie gleich.

Was tun, wenn der Pleitefall eintritt?

Bei einer Insolvenz des Reiseveranstalters ist der Insolvenzversicherer trotz des Sicherungsscheins nicht verpflichtet, organisatorische Hilfe zu leisten. Im Zweifelsfall müssen Reisende den Rückflug selbst organisieren, haben hinterher aber einen Zahlungsanspruch. Sie können im Nachhinein die Rückflug- und zusätzlichen Übernachtungskosten von der Insolvenzversicherung zurückverlangen. Dazu schicken Sie ihr einfach den Sicherungsschein, die Buchungsbestätigung des Reiseveranstalters, den Nachweis über geleistete Zahlungen an den Veranstalter und Quittungen über eigene Auslagen.

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