Reiseschnäppchen Meldung

Sonderaktionen und Rabatte locken Urlauber in die Ferne. Doch Schnäppchenjäger müssen vor allem bei Pauschalreisen und bei Billigflügen genau hinsehen.

Marija Linnhoff aus Iserlohn hat die Abwrackprämie in der Tourismusbranche eingeführt. „Infolge der Finanzkrise musste ich mir etwas einfallen lassen“, sagt die Inhaberin eines Reisebüros im Sauerland. Und so erhalten Urlauber für einen alten Koffer eine Gutschrift in Höhe von 6 Prozent des Reisepreises, wenn sie bei ihr buchen und einen Koffer dalassen.

Für eine Reise im Wert von 1 000 Euro gibt es also 60 Euro. Andere Reisebüros sind der Idee gefolgt und bieten ähnliche Aktionen an.

Die Urlaubsbuchungen gehen seit Ende vergangenen Jahres zurück. Durch die Abwrackprämie ließen sich zumindest einige verlocken, Fernreisen in die Karibik oder eine Hochsee-Kreuzfahrt zu buchen.

„Der Gag kam bei vielen gut an. Die meisten brauchten einfach einen Anreiz“, vermutet Linnhoff, die schon 50 Koffer beisammenhat.

Frühe Buchung nicht immer billiger

Reiseschnäppchen Meldung

Marija Linnhoff zahlt in ihrem Reisebüro in Iserlohn eine Abwrackprämie für Koffer. Jetzt wurden die ersten 50 versteigert – von Sponsoren mit Überraschungen wie Reisen, Föhn oder Reisebügeleisen gefüllt. Erlös: 5 883 Euro für einen guten Zweck.

Preisnachlässe sind auch bei den Reiseveranstaltern ein beliebtes Werbemittel – nicht nur in Krisenzeiten. In dieser Saison werben Tui, Thomas Cook und Neckermann allerdings besonders stark mit verlängerten Frühbucherrabatten.

Der Klassiker, eine Pauschalreise nach Spanien oder in die Türkei, liegt bei den Deutschen nach wie vor im Trend, berichtet der Deutsche Reiseverband. Aber auch Italien, Portugal und Griechenland sind weiter beliebt.

Viele buchen gleich einen All-inclusive-Urlaub. Dann sind im Preis nicht nur Hotel, Flug und Transfer, sondern auch alle Mahlzeiten, Reiseleitung und Extras enthalten. Ob der Preis dafür ein Schnäppchen ist, können die Kunden jedoch kaum bewerten, weil sie nicht wissen, wie teuer die Einzelleistungen sind.

Längst nicht alle Frühbucher verreisen billig, hat unsere Schwesterzeitschrift test in einer Untersuchung von 85 Pauschalreisen festgestellt. Die Frühbucherangebote waren nur für knapp die Hälfte der Reisen günstiger als der Preis zwei Wochen vor Abflug (siehe Test Billigflüge 8/2007).

Einige Fernreisende zahlten bei früher Buchung sogar drauf. Fast alle Reisen waren 14 Tage vor dem Start noch verfügbar.

Die Reiserechtsexpertin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg rät Urlaubern, stets mehrere Angebote zu vergleichen: „Werbeangebote sagen nichts über das Preis-Leistungs-Verhältnis einer Reise aus“.

Kleine Preise für Kinder

Wer einen Familienurlaub mit Kindern bucht, schont die Urlaubskasse, wenn er hohe Rabatte für Kinder oder Kinderfestpreise nutzen kann. Familien sollten jedoch genau auf die Altersgrenzen für die Kindervorteile achten. Je nach Anbieter, Zielgebiet und Unterkunft können sie bei sechs, elf oder vierzehn Jahren liegen.

Einige Vorteile gibt es nur für ein Kind, nicht für mehrere. Außerdem garantieren günstige Kinderpreise nicht automatisch niedrige Erwachsenenpreise. Da hilft nur: Kataloge wälzen, im Internet recherchieren, Reisebüros aufsuchen und die Gesamtpreise für die Familie vergleichen.

Nur mit Reisesicherungsschein

Urlauber setzen sich immer wieder unnötigen Pleiterisiken aus, beobachtet Sabine Fischer-Volk. Sie lassen sich den Reisesicherungsschein nicht geben, auf den sie auch bei Onlinebuchungen Anspruch haben. Der Reisesicherungsschein ist der Nachweis, dass der Veranstalter für den Pleitefall abgesichert ist.

Bei kleineren Veranstaltern sollten Urlauber prüfen, ob der Schutz tatsächlich besteht. Ein Anruf genügt: Auf dem Reisesicherungsschein ist in der Regel die Adresse des Insolvenzversicherers oder der Bank vermerkt. Im Internet können Urlauber unter www.fvw.de den Insolvenzschutz abfragen.

Was der Flug wirklich kostet

Werbung von Billigfliegern wie Airberlin, Easyjet oder Germanwings erweckt häufig den Eindruck, Fliegen sei besonders günstig. Doch wer einen Flug bucht, wundert sich dann, dass der Preis sehr viel höher ist als in der Werbung.

Die Gesellschaften sind zwar verpflichtet, den Endpreis mit allen zwingenden Kosten wie Steuern, Flughafen- und Sicherheitsgebühren sowie Kerosinzuschläge anzugeben. Sie müssen Zusatzkosten wie Gebühren für das Bezahlen mit Kreditkarten zu Beginn der Buchung deutlich darstellen. Reiseversicherungen dürfen sie nicht so vorab ankreuzen, dass der Kunde sie automatisch mitbucht.

Doch längst nicht alle halten sich an die Vorschriften. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat mehrere Fluggesellschaften abgemahnt. Sie lassen sich mit dem Nachbessern Zeit. Wer einen Billigflug bucht, sollte deshalb aufmerksam auf die Details achten und muss für ein echtes Schnäppchen die Endpreise vergleichen.

Euro-Vorteil im Ausland

Mehr als ein Rabatt vom Veranstalter bringt in manchen Ländern die hohe Kaufkraft des Euro. Sehr günstig sind Südafrika, Ägypten oder Indien. Innerhalb Europas kommen Reisende mit dem Euro in Osteuropa besonders weit. Doch auch das krisengeschüttelte Großbritannien ist jetzt ein günstiges Reiseziel: 1 Euro hat dort zurzeit die Kaufkraft von 1,10 Euro. Vor drei Jahren waren es gerade mal 80 Cent.

Ein Kofferschnäppchen

Im Sauerland hat Marija Linnhoff ihre Koffer versteigert, gefüllt mit Überraschungen von Sponsoren. Die Kunden kauften die Katze im Sack. Einer ersteigerte für 70 Euro einen Koffer. Dieser enthielt eine sechstägige Fluss-Kreuzfahrt für zwei Personen auf der Donau, inklusive An- und Abreise. Ein Schnäppchen.

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