Für sehr teure Urlaubs­reisen ist ein Schutz bei Reiser­ücktritt und -abbruch sinn­voll. Die besten Tarife bieten AGA und Würzburger.

Reiser­ücktritts­versicherung Test

Der wahre Fußball­fan will dabei sein. Bei der Welt­meisterschaft in Brasilien in diesem Sommer braucht er dafür viel Geld. Knapp 3 000 Euro kostet schon für einen allein der kleine Fußball­ausflug zu einem deutschen Vorrunden­spiel. Für diesen Preis kann der Fan zum Beispiel mit Vieten­tours im Juni zum Austragungs­ort jetten und viermal im Hotel über­nachten.

Einen Aufenthalt für die Zeit des kompletten Turniers von Mitte Juni bis Mitte Juli bekommt er für 13 520 Euro. Die Tickets sind jeweils noch nicht inbegriffen. Die gibt es ab 66 bis 730 Euro pro Spiel.

Wohl­stand voraus­gesetzt, ist solch eine Reise eine schöne Sache. Aber wer so viel investiert, versichert sich besser für den Fall, dass noch etwas Gravierendes dazwischen­kommt. Die Versicherer über­nehmen die Storno­kosten, wenn ein Reisender plötzlich verhindert ist. Sie tragen aber auch die Kosten, wenn er vorzeitig zurück­fahren oder den Aufenthalt am Urlaubs­ort unvor­hergesehen verlängern muss.

Preis­wert ist der Schutz nicht. Schon für eine kleine Reise für 500 Euro zahlt ein Urlauber zwischen 20 und 40 Euro. Bei teuren Reisen für 6 000 Euro sind schnell mehr als 200 Euro fällig.

Abge­schlossen werden die Policen oft im Reisebüro direkt bei Buchung. Doch kaum jemand erfasst so schnell die Qualität der unüber­sicht­lichen Bedingungen. Außerdem haben viele Versicherer mehrere Angebote. Vor bösen Über­raschungen schützen sich Urlauber, die auf eigene Faust gute Angebote aus unserem Test abschließen. Die können sie direkt beim Versicherer anfordern und haben damit oft bis 30 Tage vor Abreise Zeit.

Voll­schutz­tarife besser

Empfehlens­wert ist eine Reiser­ücktritts­versicherung in Kombination mit einer Reise­abbruch­versicherung, wie sie unsere Tabelle Einzelpersonen und Tabelle Familie zeigen. Diese Voll­schutz­tarife sind etwa 20 Prozent teurer als die Tarife, bei denen nur der Rück­tritt von einer Reise versichert ist.

Der erweiterte Schutz kann sehr wichtig werden: Muss unser Fußball­fan früher nach­hause fahren, werden mindestens 1  300 Euro für einen kurz­fristig reser­vierten Heim­flug fällig. Eine Umbuchung lassen die Fluggesell­schaften selten zu. Sehr ins Geld ginge auch die Verlängerung einer Reise. Die Nacht im Hotel kostet zum Beispiel in Rio de Janeiro dann im Schnitt 400 Euro – pro Person. Gut, wenn das ein Versicherer über­nimmt.

Versicherte Ereig­nisse

Die Reiser­ücktritts- und -abbruch­versicherung leistet bei Ereig­nissen, die im Vertrag fest­gelegt sind. Sie über­nimmt die Kosten für Storno bei Rück­tritt, für Umbuchung und andere zusätzliche Ausgaben bei Abbruch oder Verlängerung einer Reise.

Einfach absagen geht nicht. Der Grund muss triftig sein und vor allem unerwartet eintreten. Sonst zahlt die Versicherung nichts. Zulässige Gründe sind eine schwere Erkrankung oder ein schwerer Unfall des Reisenden, Tod, Bruch einer Prothese, Schaden am Eigentum durch Einbruch­diebstahl oder andere größere Schäden. Auch ein über­raschender Jobwechsel, der Verlust des Arbeits­platzes und Natur­katastrophen am Urlaubs­ort wären abge­deckt.

Der Versicherer zahlt auch, wenn sogenannten Risik­opersonen etwas geschieht. Das sind Menschen, die nicht mitreisen, aber den Reisenden nahe­stehen: Ehe- oder Lebens­partner, Kinder, Eltern, Stief­eltern und -kinder, Groß­eltern und Enkel sowie Geschwister, Schwieger­eltern und -kinder, Schwager und Schwägerin.

Die Definition von Risik­opersonen unterscheidet sich von Versicherer zu Versicherer. Wie groß­zügig oder eng ein Unternehmen den Begriff definiert, haben wir in der Bewertung berück­sichtigt. Würzburger und HanseMerkur zahlen sogar, wenn der Hund krank wird, der mitreisen sollte.

Würzburger vorn

Wir haben fast hundert Angebote von zwölf Reise­versicherern untersucht. Im Vergleich zu 2013 haben einige ihre Bedingungen verbessert. Die Preise sind zum Teil leicht gestiegen.

Im Test waren Jahres­verträge und Policen für Einzel­reisen jeweils für Einzel­personen und Familien. Die besten Angebote haben die Würzburger und die AGA. Die Würzburger etwa erstattet sogar den vollen Reise­preis bei einem Abbruch während der ersten Hälfte der Reise.

Schluss­licht bildet die Signal Iduna mit dem Singletarif RRV für eine Reise: Er fällt vor allem beim Abbruch­schutz zurück, denn er hilft weder bei verspätetem Reiseantritt noch bei Unter­brechung einer Rund­reise oder bei verspäteter Rück­reise.

Familie oder Single

Familien­tarife sind meist güns­tiger, wenn mehrere Menschen zusammen verreisen. Aber was gilt als Familie? Die klassische Variante immer: Vater, Mutter, Kind, Eltern verheiratet oder nicht. Aber auch kinder­lose Paare können einen Familien­tarif haben. Meist reicht ein gemein­samer Haushalt. Wollen Paare nur eine Reise versichern, sollten sie prüfen, ob zwei einzelne Verträge besser sind oder ein Familien­vertrag. Bei Einzel­reisen sind Versicherer noch groß­zügiger, was den Familien­status der Reisenden angeht. Sie verkaufen Urlaubern immer einen Familien­tarif, wenn zwei Erwachsene mit Kindern reisen. Die Erwachsenen müssen oft nicht mit den Kindern verwandt sein. Bei Jahres­verträgen ist für einen Familien­tarif dagegen häufig ein gemein­samer Haushalt nötig. Eine Aufschlüsselung für die Tarife im Test gibt es in den jeweiligen Tabellen.

Einzel­reise kontra Jahres­vertrag

Verreisen Menschen mehr­mals pro Jahr, lohnt sich ein Jahres­vertrag. Jahres­verträge versichern alle Reisen in einem Jahr, sofern der Preis jeder Einzel­reise unter der vereinbarten Ober­grenze liegt. Ist zum Beispiel ein Reise­preis von 3 000 Euro versichert, können die Versicherten mehrere Reisen für jeweils 3 000 Euro oder weniger machen.

Der Schutz gilt bei Familien­verträgen auch, wenn ein Mitglied allein fährt. Gute Jahres­verträge bieten neben Würzburger und AGA noch mehrere Anbieter.

Bei einem hohen Reise­preis kann ein Jahres­vertrag sogar preis­werter sein als ein Vertrag für eine einzelne Reise. So bei der Würzburger: Versichert eine Familie eine einzelne Reise im Wert von 6 000 Euro, kostet sie das 270 Euro. Für einen Jahres­vertrag, in dem beliebig viele Reisen bis zu 6 000 Euro versichert sind, bezahlt die Familie nur 155 Euro. Ist ein Mitglied über 70, sind es 205 Euro.

Selbst­beteiligung vermeiden

Die Versicherer erstatten in vielen Tarifen die Storno­kosten komplett – bis auf eine mögliche Gebühr des Veranstalters für die Bearbeitung des Stornos.

Beim ADAC zahlen Kunden 20 Prozent selbst, wenn sie sich ambulant eine schwere Erkrankung attestieren lassen. Die HanseMerkur verlangt das nur bei Tarifen für einzelne Reisen. Beide Versicherer wollen wohl Gefäl­ligkeits­atteste bestrafen.

Maximale Reisedauer

In manchen Tarifen ist die Länge der Reise begrenzt. Das ist wichtig für Leistungen bei Reise­abbruch oder Verlängerung. Einige Anbieter begrenzen die Dauer nicht. Bei Eura24 sind Urlauber bei Einzel­reisen dagegen maximal 31 Tage versichert. Für längere Reisen eignen sich diese Tarife nicht.

Versichert sind auch Kurz­reisen. Mindestens eine Über­nachtung, bei manchen Anbietern zwei, sind dafür aber nötig. Und um die Ecke vom Wohn­ort darf das Reiseziel auch nicht liegen: 50 bis 100 Kilo­meter Entfernung sind oft Voraus­setzung.

Schwach­punkt Verständlich­keit

Neu im Test ist unser Prüf­punkt Trans­parenz und Verständlich­keit. Wir haben alle Unterlagen betrachtet, die Kunden erhalten, wenn sie eine Police abschließen. Bewertet haben wir Lesbarkeit, Verständlich­keit und Über­sicht­lich­keit. Geprüft haben wir auch, ob die Unterlagen voll­ständig waren und ob sie wider­sprüchliche Angaben enthalten. Wir haben dafür unter anderem auf den Verständlich­keits­index der Universität Hohen­heim zurück­gegriffen. Er hat eine Skala von 0 bis 20, bester Wert sind 20 Punkte.

Verständlich­keit ist ein Schwach­punkt der Versicherer. Sehr mäßig schnitt Testsieger Würzburger mit 1,7 Punkten bei den Einzel­verträgen ab. Auf immerhin 9 Punkte kam die Eura24, die ihre Versicherungs­bedingungen weit­gehend in Frage- und Antwort­form gestaltet. Im Schnitt erreichten die Tarife 3 bis 4 Punkte. Das entspricht vielen wissenschaftlichen Arbeiten, aber die richten sich an ein kundiges Publikum. Versicherungs­unterlagen sollte dagegen jeder verstehen können.

Zum Vergleich haben wir unseren Testbe­richt über­prüft: Er kam auf 15,7 Punkte.

Zu den schlechten Noten der Versicherer trägt die unsinnige Fülle von Informationen bei. Versicherer über­schütten Kunden mit den Bedingungen für eine Vielzahl von Versicherungen. Nur ein kleiner Teil passt zum gekauften Tarif. Der Kunde soll sich die richtigen heraus­suchen – eine Zumutung.

Einige wüste Sätze zeigen, wie schwer es Versicherer ihren Kunden machen: „Achten Sie bitte darauf, dass Sie den Beitrag inner­halb der genannten Frist bezahlen, da Sie ansonsten von Anfang an keinen Versicherungs­schutz haben, es sei denn, Sie haben die verspätete Zahlung nicht zu vertreten“, schreibt ein Versicherer.

Statt­dessen könnte er schreiben „Wichtig für Sie: Bitte bezahlen Sie den Beitrag inner­halb von ...Tagen. Sonst besteht für Sie kein Versicherungs­schutz. Sie verlieren den Schutz, wenn Sie als Versicherungs­nehmer dafür verantwort­lich sind, dass der Beitrag nicht bei uns einge­gangen ist.“

Und welcher Kunde weiß schon, was eine „Aufklärungs­obliegenheit“ ist? Der Versicherer könnte schreiben: „Sie sind verpflichtet, uns zu informieren.“

Wann stornieren?

Reiser­ücktritts­versicherung Test

Die Reise ist gebucht und schon bald kommen Bedenken. Vielleicht meldet sich ein altes Zipperlein wieder, der Gesund­heits­zustand der pflegebedürftigen Mutter verschlechtert sich zusehends oder die Firma geht immer mehr den Bach runter.

Manche Reise­versicherer bieten Storn­oberatungen an. Hier erfahren Kunden, bis wann sie spätestens absagen müssen, um die Kosten nied­rig zu halten. Bei zu später Absage kann der Versicherer die Leistung verweigern oder kürzen, weil die Notwendig­keit der Absage vorher absehbar war.

Chro­nisch Kranke sollten vor einer Buchung ihren Arzt konsultieren. Unter strengen Voraus­setzungen akzeptieren Versicherer, dass ein Kunde absagt, wenn sich eine vorhandene Krankheit verschlechtert. Der Arzt muss die Reise­fähig­keit und den stabilen gesundheitlichen Zustand zum Zeit­punkt der Reise­buchung bestätigt haben.

Nach dem Storno müssen Versicherte den Grund belegen. Bei Krankheit ist ein ärzt­liches Attest nötig. Kann jemand wegen Kündigung oder eines neuen Jobs nicht reisen, muss seine Firma das bestätigen. Fällt die Reise wegen Einbruchs oder anderer Eigentums­schäden aus, gilt auch: Unterlagen einreichen, die den Absa­gegrund belegen und beweisen, dass er unerwartet auftrat.

Bei Unruhen umbuchen statt absagen

Nicht versichert sind Absagen wegen politischer Unruhen. Wer trotzdem nicht mehr reisen will, sollte rasch handeln. Veranstalter ermöglichen oft güns­tige Umbuchungen. Sobald es aber eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt, ist umbuchen kostenlos.

Reise­versicherer zahlen nur bei unerwarteten Ereig­nissen. Einfach absagen geht nicht.

Für teure Reisen kann ein Jahres­vertrag güns­tiger sein als eine Versicherung für die einzelne Reise.

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