Reiser­ücktritts­versicherung Test

Jeder Dritte in Deutsch­land bucht seine Reise im Internet. Deshalb hat die Stiftung Warentest erst­mals Reise­rück­tritts- und Reiseab­bruch­versicherungen getestet, die Kunden auf Online-Reisepor­ta­len abschließen können. Die gute Nach­richt: Die meisten Angebote sind gut. Aber: Die Versicherungen gibt es auf Portalen nur mit Selbst­behalt. Im Leistungs­fall zahlen Kunden dann oft 20 Prozent der Storno­kosten selbst. Angebote direkt vom Versicherer sind da mitunter güns­tiger und besser.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Reiserücktrittskosten-Versicherung.

Keine Kulanz bei Absage des Urlaubs

Reise­ver­anstalter sind selten kulant, wenn Kunden einen Urlaub absagen müssen – sei es wegen eines Unfalls, eines Jobwechsels oder des Todes eines Angehörigen. Meist verlangen sie bei Absage einen Teil des Reise­preises als Entschädigung, das sogenannte Storno-Entgelt. Je kurz­fristiger die Absage vor Reise­beginn, um so teurer. Wer einen Tag vor Urlaubs­beginn storniert, zahlt manchmal bis zu 90 Prozent des Reise­preises.

Versicherer über­nimmt Storno­kosten

Haben Kunden eine Rück­tritts­versicherung, bleiben sie auf den Storno­kosten nicht sitzen. Der Versicherer springt im Notfall ein und über­nimmt die Kosten – ganz oder zum Teil. Dabei gehört es bei den Versicherungen heute zum Stan­dard, auch einzuspringen, wenn die Reise schon angetreten ist, aber wegen eines Notfalls vorzeitig abge­brochen werden muss. Der Versicherer über­nimmt zum Beispiel die Zusatz­kosten für ein Flugti­cket oder erstattet nicht genutzte Hotel­leistungen.

Tipp: Wenn Sie Fragen zu den Details der Rück­tritts­versicherungen und zur Buchung auf Online-Portalen haben: Die Experten von Finanztest stehen Ihnen am 6. Februar im Live-Chat auf test.de für Nach­fragen zur Verfügung.

Online-Reiseportale vermitteln Versicherung

Online-Reiseportale vermitteln bei einer Reise­buchung meist einen Reiser­ücktritt­schutz. Auf den Portalen im Test sind die Reise­versicherer AGA (Allianz Global Assistance), ERV (Europäische Reise­versicherung) und HanseMerkur vertreten. Doch je nach Portal sind die Tarife unterschiedlich gestrickt. Den besten Versicherungs­schutz gibt es bei Opodo.de von HanseMerkur. Der Tarif enthält sehr gute Leistungen bei vorzeitigem Reise­abbruch. Schade, dass das Portal selbst in Sachen „Buchungs­qualität“ im Test von Online-Reiseportalen nur mit der Note befriedigend abge­schnitten hat.

Jedes Portal mit eigenen Tarifen

Auch das Portal Travelchannel.de arbeitet mit HanseMerkur zusammen, vermittelt allerdings nur einen befriedigenden Tarif. Er ist der schlechteste Schutz im Test, da er gar keine Abbruch­leistungen enthält. Auf den vier Portalen Eboo­kers.de, Expedia.de, Holidaycheck.de und Lastmi­nute.de bietet der Versicherer AGA den jeweils gleichen Tarif unter den Namen „Elvia Reise­rück­tritt-Voll­schutz“ und „Elvia Storno­schutz Plus“ an. Dieser Schutz ist gut. Bei Travels­cout24.de und Weg.de erhielt der ERV-Tarif RRV jeweils ein Gut. Auf dem Portal Ab-in-den-urlaub.de macht ERV für Einzel­reisende ein anderes gutes Angebot für eine Reiser­ücktritts­versicherung im Rahmen eines Versicherungs­pakets.

Finanztest empfiehlt Tarife ohne Selbst­beteiligung

Nachteil bei allen Portalen: Die Tarife gibt es nur mit Selbst­beteiligung. Gerade bei teureren Reisen können die von Kunden anteilig zu tragenden Storno­kosten eine beträcht­liche Summe ausmachen. Für einen Luxus-Skiurlaub mit der ganzen Familie, ­eine Australien-Rund­reise oder eine der ­beliebten Fluss- oder Themen­kreuz­fahrten zahlen Urlauber schon mal mehrere tausend Euro. Die vom Kunden selbst zu tragende Kosten können dann im Stornofall leicht bei 1 000 Euro und mehr liegen. Wer sich im Ernst­fall trotz Versicherung nicht auch noch an den Storno­kosten beteiligen will, findet Tarife ohne Selbst­behalt direkt bei den Versicherern. Neben den Angeboten direkt auf den Portalen hat Finanztest deshalb auch 94 Tarife untersucht, die Kunden direkt beim Versicherer abschließen können. Das erfreuliche Ergebnis: Zwölf dieser Angebote sind sehr gut. Außerdem sind die Policen mitunter sogar güns­tiger. Es kann sich also lohnen, den Rück­tritts­schutz nicht übers Online-Reiseportal abzu­schließen.

Für Senioren wird es oft teurer – Preis­vergleich lohnt

Versicherer bieten verschiedene Typen von Versicherungen an: Einzel- und Familien­tarife jeweils für eine Reise oder als Jahres­vertrag. Bequem ist ein Jahres­vertrag, der für beliebig viele Reisen im Jahr welt­weit gilt. Das lohnt sich für diejenigen, die öfter mal spontan verreisen oder Städtetrips buchen. Für mehrere Urlaube bis jeweils 500 Euro gibt es sehr guten Schutz ohne Selbst­beteiligung für eine Einzel­person ab 49 Euro jähr­lich. Wermuts­tropfen für ältere Reisende ab 70: Sie zahlen bei den meisten Versicherern einen höheren Beitrag für den Schutz. Deshalb lohnt es sich gerade bei teureren Reisen, Preise für Versicherungs­angebote zu vergleichen.

116 Tarife im Test

Im Test: 116 Tarif­varianten für Reiser­ücktritts­kosten- und Reise­abbruch­versicherungen. Dabei handelt es sich um Verträge für Einzel­personen und Familien sowie um Verträge für eine Einzel­reise und um Jahres­verträge. 22 dieser Angebote werden von Online-Reiseportalen vermittelt. Finanztest hat die Angebote jener Portale unter die Lupe genommen, die die Stiftung Warentest kürzlich getestet hat: Internet-Reiseportale: Nur drei Portale sind wirklich gut (test 11/2012).

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