Die ERV zahlte, nachdem Martin Werner eine Reise nach Turin stornierte. Auf einem Teil der Kosten blieb er sitzen.

Reiser­ücktritts­versicherung Test

Martin Werner trainiert Aikido, eine japa­nische Kampf­kunst. Der Dort­munder musste im vergangenen Jahr eine Reise nach Turin wegen einer Erkrankung absagen. Er schilderte uns seinen Ärger über eine Ausschluss­klausel in seinem Reiser­ücktritts­schutz. Für die Storno-Bearbeitungs­gebühr kam der Versicherer nicht auf.

Die Vorfreude war groß: Im Mai vergangenen Jahres wollte der Aikido-Trainer Martin Werner für drei Tage nach Turin fliegen, Haupt­stadt der Region Piemont in Italien. Dort fand ein Kampf­kunst-Work­shop statt, an dem er teilnehmen wollte. Der Dort­munder buchte ein Hotel und Flüge von Frank­furt Interna­tional.

Doch aus der Reise wurde nichts. Zwei Tage vor Abflug erkrankte Werner schwer. Er wurde in ein Dort­munder Kranken­haus einge­liefert und notoperiert. „Meine Frau stornierte die Reise“, berichtete Werner Finanztest. Sie meldete die Stornierung auch dem Reiser­ücktritts­versicherer.

Für den Fall, dass etwas Unerwartetes ihn an der Reise hindert, hatte Werner bei der ERV, dem Reise­versicherer der Ergo, gleich bei Flug­buchung über Fluege.de die dort angebotene Police Rundum-Sorglos-Jahres­schutz-Spezial mit Selbst­beteiligung (Variante M) für 19 Euro abge­schlossen. Dieser Tarif umfasst neben einer Reiser­ücktritts- und Reise­abbruch­versicherung noch weitere Versicherungs­leistungen.

Die Turin-Reise hatte Werner insgesamt 519,80 Euro gekostet, hinzu kam nach der Absage eine Storno-Bearbeitungs­gebühr von 100 Euro. Dieser Betrag war bei der Stornierung der Flüge angefallen.

Die ERV erstattet ihm jedoch nicht den vollen Reise­preis, sondern einen Betrag von 415,85 Euro. Da der Dort­munder einen Tarif mit Selbst­behalt vereinbart hatte, zahlte er 20 Prozent der Storno­kosten, in diesem Fall 103,95 Euro, aus eigener Tasche.

Die 100 Euro Bearbeitungs­gebühr für die Stornierung selbst erstattete die Versicherungs­gesell­schaft nicht.

Besser ohne Selbst­beteiligung

Finanztest hat die Bedingungen für Rück­tritts­versicherungen von 94 Tarifen untersucht. Gerade bei teureren Reisen können die von Kunden anteilig zu tragenden Storno­kosten eine beträcht­liche Summe ausmachen. Für einen Luxus-Skiurlaub mit der ganzen Familie, eine Australien-Rund­reise oder eine der beliebten Fluss- oder Themen­kreuz­fahrten zahlen Urlauber schon mal mehrere tausend Euro. Der Selbst­behalt ist dann entsprechend hoch und kann leicht bei 1 000 Euro und mehr liegen.

Sehr gut bis ausreichend

Das erfreuliche Ergebnis: zwölf Angebote sind sehr gut. Die drei Versicherer Würzburger, HanseMerkur und AGA (Allianz Global Assistance) bieten sehr guten Versicherungs­schutz für eine Einzel­reise. HanseMerkur und AGA auch für Jahres­verträge. AGA hat nach dem Test von Rück­tritts­versicherungen in Finanztest im vergangenen Jahr nachgebessert und sich um eine Note verbessert (01/2012). Mehr als ein Drittel der Tarife sind gut. Kein Angebot ist völlig durch­gefallen.

Bequeme Jahres­verträge

Versicherer bieten verschiedene Typen von Versicherungen an: Einzel- und Familien­tarife jeweils für eine Reise und Jahres­verträge. Bequem ist ein Jahres­vertrag, der für beliebig viele Reisen im Jahr welt­weit gilt. Das lohnt sich für diejenigen, die öfter mal spontan verreisen oder Städtetrips buchen. Für mehrere Urlaube bis jeweils 500 Euro kostet sehr guter Schutz für eine Einzel­person bei HanseMerkur 49 Euro und bei AGA 69 Euro jähr­lich. Ab 70-Jährige zahlen jedoch bei AGA für diesen Tarif 129 Euro.

Bei teureren Reisen von zum Beispiel 6 000 Euro Reise­preis ist ein sehr guter Jahres­vertrag sogar güns­tiger als ein Vertrag für eine Einzel­reise. 149 Euro zahlen Kunden bei HanseMerkur im Jahr, AGA nimmt bis zum 69. Geburts­tag des Kunden 165 Euro. Ein sehr guter Einzel­vertrag hingegen kostet beim gleichen Reise­preis bei der Würzburger 230 Euro, bei HanseMerkur 259 Euro und bei AGA 288 Euro.

Lücken im Schutz

Damit Kunden in der Praxis nicht von Ausschlüssen über­rascht werden, haben wir das Klein­gedruckte im Detail geprüft. Generell gilt: Zu viele Ausschlüsse von Leistungen sind schlecht für die Kunden, klar formulierte Zusagen sind gut. Als Martin Werner die Storno-Bearbeitungs­gebühr von 100 Euro vom Versicherer zurück­haben wollte, wunderte er sich über eine Ausschluss­klausel. Der Versicherer verwies auf die Vertrags­bedingungen. Diese sahen in Paragraf 8 für „Vermitt­lungs­entgelte, ... z. B. Bearbeitungs­gebühren für eine Reisestornierung“ einen Ausschluss vor. Der Dort­munder blieb auf 100 Euro sitzen.

Solche Klauseln sind bei den Reiser­ücktritts­policen in unserem Test die Regel. Für Bearbeitungs- oder Service­entgelte, die Vermittler für eine Stornierung verlangen, kommen die Versicherer nicht auf. „Es ist für mich nicht nach­voll­zieh­bar, dass solche Gebühren bei einer Stornierung nicht mit versichert sind“, sagt Werner.

Früher abreisen als geplant

In unserem Test empfehlen wir Tarife, bei denen nicht nur der Rück­tritt von der Reise, sondern auch die verspätete Rück­reise oder der Reise­abbruch versichert ist.

Der Versicherer springt zum Beispiel ein, wenn ein Urlauber wegen eines erheblichen Schadens an seinem Eigentum, wie einem Wohnungs­brand oder Sturm­schaden, früher als geplant abreisen muss.

Häufig muss ein Mindest­schaden am Eigentum vorliegen, damit Versicherer zahlen, oft in Höhe von mindestens 2 500 Euro. Versicherer Axa/Inter Partner leistet erst ab 10 000 Euro Schaden am Eigentum.

Hund mit Impfun­verträglich­keit

Geht es um den Rück­tritt, erkennen alle Versicherer eine unerwartete schwere Erkrankung, einen Todes­fall in der Familie oder einen erheblichen Schaden am Eigentum an. Bei HanseMerkur und Würzburger können Kunden auch wegen einer Impfun­verträglich­keit eines zur Reise angemeldeten Hundes zurück­treten.

Einzel- statt Doppel­zimmer

Hat ein Paar gemein­sam gebucht und muss ein Partner zurück­treten, zahlen zum Beispiel AGA, HanseMerkur und Würzburger den Einzel­zimmerzuschlag für die Person, die weiter Urlaub macht und vom Doppel- in ein Einzel­zimmer umzieht.

In allen Tarifen ist ein Rück­tritt versichert, wenn einem nahen Familien­mitglied, zum Beispiel Ehepartner oder Eltern, etwas zustößt. Das gilt auch, wenn die Person nicht zur Reisegruppe gehört. Versicherer nennen sie Risik­operson.

Viele Kunden im Streit allein

Gibt es Streit mit dem Versicherer, zum Beispiel weil dieser wegen einer Vorerkrankung nicht zahlt, können Kunden von mehreren Versicherern im Test den Versicherungs­ombuds­mann einschalten (www.versicherungsombudsmann.de). Die Hilfe ist kostenlos. Bis zu einem Streit­wert von 10 000 Euro entscheidet der Ombuds­mann verbindlich. Kunden, die beim ADAC, der AGA, Axa/Inter Partner, ERV und URV ihren Rück­tritt­schutz abge­schlossen haben, können das Verfahren nicht nutzen. Die Versicherer machen beim Ombuds­mann­verfahren nicht mit.

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