Können Urlauber ihre Reise nicht antreten, soll der Versicherer die Stornokosten zahlen. Doch ein „Gut“ für die Versicherungsbedingungen bekam nur ein Viertel der Tarife.

Erstmals hat Finanztest die Verbraucherfreundlichkeit der Bedingungen von Reiserücktrittskosten-Versicherungen geprüft. 42 Einzel- und Jahresverträge von acht Anbietern waren im Test. „Guten“ Schutz bieten nur drei Versicherer in elf Verträgen in unserem Test: Bei Elvia, HanseMerkur und Würzburger können Versicherte aus vielen Gründen, die über den Grundschutz hinausgehen, von einer gebuchten Reise zurücktreten.

Der Preis der Police hängt von der versicherten Reise ab. Ein „guter“ Tarif für eine Reise im Wert von 1 500 Euro ist für einen Preis zwischen 50 und 60 Euro zu haben.

Keine Versicherung erfüllte alle unsere Kriterien. Der ADAC enttäuschte und erhielt nur ein „Ausreichend“. Die Versicherer mit den „guten“ Bedingungen für einzelne Angebote erreichten mit ihren anderen, abgespeckten Tarifen nur ein „Befriedigend“.

Besser ohne Selbstbeteiligung

Ein wichtiger Prüfpunkt war die Frage, ob der Versicherer auf eine Selbstbeteiligung im Schadensfall verzichtet. Darauf kommt es vor allem bei teuren Reisen an.

In vielen Tarifen muss der Reisende 20 Prozent der Stornokosten selbst tragen. Bei einem Reisepreis von 2 500 Euro und einer Absage am sechsten Tag vor Abreise verlangen manche Veranstalter 1 250 Euro Stornokosten (50 Prozent). Bei 20 Prozent Selbstbehalt muss der Kunde 250 Euro zahlen.

In ihrem „Basisschutz“ verlangt die Elvia diesen Selbstbehalt. Im „Vollschutz“ verzichtet sie darauf, wenn der Reisende oder ein Angehöriger ins Krankenhaus muss, und nur im „Vollschutz ohne SB“ verlangt sie nie eine Selbstbeteiligung.

Alle Versicherer im Test springen ein, wenn zum Beispiel eine unerwartete schwere Erkrankung, der Tod eines Angehörigen oder eine Impfunverträglichkeit die Urlaubspläne durchkreuzt (siehe Tabelle: Reiserücktrittskosten-Versicherungen). Einige Versicherer leisten in etlichen weiteren Fällen. Ob Schüler, Student, Berufstätiger oder Rentner: Jeder kann mit dem richtigen Tarif individuelle Risiken versichern.

Die Zusatzleistungen sind meistens im Kleingedruckten formuliert. Für Berufstätige kann es wichtig sein, ob der Versicherer auch dann einspringt, wenn ihr Job betriebsbedingt gekündigt wird. Arbeitslose können das „Risiko“, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, versichern.

Nur die HanseMerkur bietet Versicherungsschutz für den Fall, dass die versicherte Person den Arbeitsplatz wechselt und die Probezeit für die neue berufliche Tätigkeit in die gebuchte Reisezeit fällt.

Schüler und Studierende erhalten von manchen Versicherern die Stornokosten zurück, wenn sie in Erwartung einer bestandenen Prüfung schon den langersehnten Strandurlaub gebucht haben und die Reise absagen müssen, weil sie in die Wiederholungsprüfung müssen.

Für alle, die mit einer Prothese wie zum Beispiel einem künstlichen Hüftgelenk leben, kann es bedeutsam sein, ob der Versicherer den Bruch der Prothese als Rücktrittsgrund anerkennt. Denn ein Bruch zählt in der Regel nicht zu den „unerwarteten schweren Erkrankungen“. Dies haben mehrere Gerichtsurteile bestätigt.

Reiselustige Senioren achten auf das Höchsteintrittsalter: Die Jahresverträge für Familien bei der Elvia enden mit 65 Jahren.

Risikopersonen

Die meisten Versicherer im Test übernehmen sogar dann die Stornokosten, wenn der Versicherte nicht reisen kann, weil die Betreuerin der pflegebedürftigen Oma oder des minderjährigen Kindes schwer erkrankt ist. Ansonsten zählen nur nahe Angehörige zu den „Risikopersonen“.

Trifft eine Risikoperson ein Unfall oder eine unerwartete Krankheit oder stirbt sie sogar, dürfen Versicherte von ihrer Reise zurücktreten. Doch manche Anbieter schließen zum Beispiel Schwager und Schwägerin, Stiefkinder und -eltern aus.

Neu: Bequeme Jahresverträge

Auf dem Reisemarkt werden verstärkt Jahresverträge angeboten, die für alle Reisen eines Jahres gelten. Wer öfter mal spontan einen Kurzurlaub oder Städtetrip bucht, kann für einen Preis von 45 bis 60 Euro pro Jahr mehrere Einzelreisen bis zur Höchstversicherungssumme versichern. Eine Familie, die regelmäßig ein Ferienhaus auf Teneriffa bucht, zahlt zwischen 45 und 188 Euro für eine Jahrespolice. Der Vorteil: Versicherte müssen sich nicht vor jedem Urlaub um den richtigen Schutz kümmern. Die Verträge verlängern sich automatisch.

Vermittelte Verträge

Fluggesellschaften, die im Internet Billigflüge verkaufen, bieten dazu oft auch eine Rücktrittskostenversicherung an.

Easyjet vermittelt ein Angebot der Elvia. Der Tarif umfasst allerdings weniger Leistungen als die Angebote in unserem Test. Die Kunden müssen eine Selbstbeteiligung vereinbaren und der Rücktritt wegen Impf-unverträglichkeit ist nicht versichert.

Tuifly vermittelt ebenfalls einen Elvia-Tarif, doch dieser entspricht weitgehend dem mit „befriedigend“ bewerteten Basisschutz in unserem Test.

Die von Reisebüros vermittelten Angebote der HanseMerkur und der Europäische Reise sind identisch mit Tarifen im Test, die teilweise ein „Gut“ und teilweise ein „Befriedigend“ erreicht haben.

Rücktritt oder Abbruch

Entscheidend für Leistungen vom Versicherer ist immer der Zeitpunkt der Reisestornierung. Kann der Urlauber seine Reise gar nicht antreten, bekommt er die Stornokosten ersetzt. Muss er die Reise abbrechen, übernehmen einige Versicherer auch die Umbuchungskosten und die notwendigen Zusatzausgaben für Rückreise und Unterkunft. Manche ersetzen zudem Geld für nicht genutzte Reiseleistungen.

Manchmal entscheiden erst die Gerichte, wer die Kosten tragen muss. Gestritten wird vor allem darüber, ob Versicherte den Rücktritt zu spät angezeigt haben, ob der Versicherungsfall vorhersehbar war oder ob die Stornokosten angemessen sind.

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