Reiserecht Meldung

Ein Presslufthammer vor dem Hotelfenster, ein Pool ohne Wasser oder ein vollkommen verdreckter Strand: Wenn die schönsten Wochen des Jahres zum Albtraum werden, haben Urlauber Anspruch auf Entschädigung. Geld zurück gibt es immer dann, wenn die Reise erheblich schlechter war als im Katalog beschrieben. Allerdings muss der Leser die Feinheiten der Katalogsprache berücksichtigen. Wird ein Zimmer „zur Meerseite“ versprochen, ist noch kein Meerblick garantiert. Bei einem Direktflug muss mit einer Zwischenlandung gerechnet werden und eine „internationale Atmosphäre“ deutet auf Lärm hin. Stiftung Warentest sagt, was Urlauber hinnehmen müssen - und was nicht.

Presslufthammer am Strand

Reiserecht Meldung

Von einem erholsamen Badeurlaub konnte keine Rede sein. Das Ehepaar Reiter aus Kassel wollte 14 Tage in einem Fünf-Sterne-Resort in Aqaba in Jordanien entspannen. Doch schon kurz nach ihrem Eintreffen wurde der ohnehin schmale Strand zur Baustelle. Schwere Baumaschinen begannen, eine Cafeteria und weitere Gebäude am Strand abzurei­ßen. Zum Lärm kam Belästigung durch Staub, und das bis in die Nacht. Die Reklamation vor Ort brachte keine Abhilfe, auch die Beschwerde beim Reiseveranstalter nach der Rückkehr blieb lange ohne Antwort. Erst nach drei Monaten und mehreren Mahnungen trudelte ein Formbrief mit vielen Bedauerungsfloskeln bei den Reiters ein, mit einem Scheck über 220 Euro sowie einem Paket mit zwei Flaschen Weißwein und Pralinen.

Prozessgewinn eher selten

Reiserecht Meldung

Obwohl sie mit dem dürftigen Trostpflaster keineswegs zufrieden waren, hat das Kasseler Ehepaar auf einen möglicherweise langwierigen und anstrengenden Rechtsstreit verzichtet. Viele Urlauber, die sich um ihr Ferienglück geprellt sehen, haben da weniger ­Hemmungen und ziehen vor den Kadi, oft mit weit geringeren Erfolgsaussichten. Entsprechend groß ist dann die Enttäuschung nach dem Richterspruch. Denn selbst wenn die Beschwerden der Urlauber anerkannt werden, bekommen die Geschädigten meist nicht allzu viel erstattet. Der Reisepreis kann nämlich nur für die Tage gemindert werden, an denen auch wirklich ein Mangel vorlag. Das Argument, schlechte Leistungen zu Reisebeginn hätten den ganzen Urlaub verdorben, wird nicht anerkannt.

Bloße Unannehmlichkeit noch kein Mangel

Und oft gibt es gar nichts. So halten fast alle Gerichte das vereinzelte Auftreten von Ungeziefer in Hotelanlagen für eine bloße Unannehmlichkeit, die ohne Entschädigung hingenommen werden müsse. Auch Diebstähle aus einem Bungalow oder einem Hotelsafe und Raubüberfälle während eines Ausflugs können dem Reiseveranstalter nicht angelastet werden. So etwas könne auch daheim passieren, argumentieren die Richter, und gehöre zum allgemeinen Lebensrisiko. Für gefährliche Rutschen oder andere Risiken, die in Hotels lauern können, ist der Veranstalter aber schon verantwortlich. Er muss prüfen, ob bei seinem Vertragspartner alles in Ordnung ist.

Reiserecht: Was der Veranstalter einhalten muss
Tipps: Wie Sie Ihr Recht bekommen

Dieser Artikel ist hilfreich. 521 Nutzer finden das hilfreich.