„Mehr Zeit für weniger Rechte“

Felix Methmann vom Verbraucherzentrale Bundes­verband.

Für Reise­buchungen ab dem 1. Juli 2018 gilt das neue Pauschal­reiserecht. Reiseex­perte Felix Methmann hält viele Regeln für nach­teilig und erklärt, wovor sich Reisebüros fürchten.

Wieso gibt es eigentlich neue Regeln?

Weil das bisher geltende Recht nicht mehr zeitgemäß war. Es stammt aus dem Jahr 1990. Wer damals Urlaub machen wollte, buchte ihn im Reisebüro an der Ecke, nicht im Internet. Die Art, wie Onlineanbieter Reisen verkaufen, war vom bisher geltenden Recht nicht erfasst. Die neue Pauschal­reiserecht­richt­linie der EU schließt diese Lücke.

Sie kritisieren das neue Recht teil­weise stark – wieso?

Es gibt zahlreiche Rege­lungen, die Nachteile für Reisende haben. Zum Beispiel fallen Aufenthalte in Ferien­häusern und -wohnungen, die Urlauber bei gewerb­lichen Anbietern buchen, nicht mehr unter das Pauschal­reiserecht.

Mit welcher Folge?

Urlauber können keinen Schaden­ersatz wegen entgangener Urlaubs­freude geltend machen, etwa wenn das gebuchte Häuschen total versifft war. Außerdem gilt unter Umständen das Recht des Reise­landes. Für Urlauber wird es schwerer, ihr Recht durch­zusetzen – allein schon, weil die Gesetze in einer anderen Sprache verfasst sind.

Was ist gibt es noch für Nachteile?

Früher konnten Urlauber den Reise­vertrag kostenfrei kündigen, wenn sich der Preis nach der Buchung berechtigt um mindestens 5 Prozent erhöhte. Jetzt geht das erst, wenn der Preis um mindestens 8 Prozent steigt. Außerdem darf sich der Preis noch bis 20 Tage vor Reise­beginn erhöhen. So kurz­fristig werden Urlauber kaum eine neue passende Reise finden, sodass viele in den sauren Apfel beißen werden und nicht vom Kündigungs­recht Gebrauch machen.

Die neu einge­führte verbundene Reise­leistung hat für viel Wirbel gesorgt – warum?

Die verbundene Reise­leistung ist eine neue Form der Buchung. Der Urlauber bucht kurz nach­einander mindestens zwei verschiedene Leistungen für dieselbe Reise: etwa den Flug und eine Unterkunft. Wenn er die einzelnen Leistungen separat auswählt, das Reisebüro oder Onlineportal die jeweiligen Vertrags­partner nennt und getrennte Rechnungen entstehen, handelt es sich um eine verbundene Reise­leistung. Jetzt kommt der springende Punkt: Bündelt das Reisebüro die Leistungen aber selbst und bildet einen Gesamt­preis, wird aus den gebuchten Einzel­leistungen eine Pauschal­reise. Der Vermittler wird zum Veranstalter und haftet selbst, etwa für Mängel. Davor haben viele Reisebüros Angst: Veranstalter zu werden, wo sie doch eigentlich nur vermitteln wollen.

Bringt das neue Recht auch Vorteile?

Urlauber haben mehr Zeit, um nach der Reise Mängel anzu­zeigen, zwei Jahre statt einen Monat. In der Praxis wird die Frist von zwei Jahren aber sicher nicht ausgereizt. Denn je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es, Mängel zu beweisen. Ich sage es mal so: Der Urlauber hat jetzt zwar mehr Zeit, seine Rechte durch­zusetzen. Es sind aber weniger geworden.

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