Reiserecht Diese Regeln gelten für Pauschal­reisen

Reiserecht - Diese Regeln gelten für Pauschal­reisen
Reiserecht. Pauschal­urlauber sind recht­lich besser geschützt als Indivi­dualreisende. © Getty Images

Pauschal­urlauber sind recht­lich gut abge­sichert. Das Pauschal­reiserecht schließt Indivi­dualreisende unter bestimmten Umständen ein. Die wichtigsten Regeln.

Auf die Art der Reise kommt es an

Welche Rechte Urlauber haben, richtet sich nach der Art der Reise. Eine Pauschal­reise gibt ihnen mehr Rechte als Indivi­dualreisen.

Pauschal­reise.
Reisenden, die eine Pauschal­reise buchen, bietet das Bürgerliche Gesetz­buch mit dem Reisevertragsrecht besonderen Schutz. Der Veranstalter der Reise muss die Leistungen so erbringen, wie er sie zugesichert und im Reise­prospekt beschrieben hat. Bei Mängeln und sämtlichen Problemen ist der Veranstalter der richtige Ansprech­partner. Riesiger Plus­punkt: Treten Reisemängel auf, zum Beispiel Baulärm im Hotel, kann der Urlauber nicht nur den Reise­preis mindern, sondern zusätzlich auch Schaden­ersatz wegen entgangener Urlaubs­freude verlangen.
Indivi­dualreise.
Bei einer Indivi­dualreise schließt der Reisende auf eigene Faust Verträge, etwa mit Fluggesell­schaft oder Ferien­hausanbieter. Das Reise­vertrags­recht gilt nicht, statt­dessen das Miet­vertrags- beziehungs­weise Beher­bergungs­recht für Ferien­häuser und -wohnungen, das Werk­vertrags­recht für Flüge und das Beher­bergungs­recht für die Unterkunft in Hotels und Pensionen. Das heißt: Der Kunde muss im Streitfall jeweils separat sein Recht durch­setzen.

Ferien­haus­vertrag keine Pauschal­reise

Pauschal­reisende können bei Reisemängeln den Preis mindern und Schaden­ersatz wegen entgangener Urlaubs­freude verlangen. Aufenthalte in Ferien­häusern und -wohnungen, die von Reise­ver­anstaltern oder -agenturen angeboten werden, fallen allerdings nicht unter das Pauschal­reiserecht. Ein Nachteil für die Kunden. Dennoch ist der Aufenthalt in Ferien­häusern, den Reise­ver­anstalter anbieten, kein rechts­freier Raum. Urlauber und Veranstalter haben einen Vertrag geschlossen. Den müssen beide Seiten einhalten. Der Vermieter muss dem Mieter eine Unterkunft zur Verfügung stellen, die keine Mängel hat.

Manchmal gelten auch die Gesetze des Reise­lands

Aber: Mietet der Reisende zum Beispiel ein Ferien­haus in Dänemark, könnte dafür dänisches Recht gelten. Das hängt unter anderem davon ab, ob der Veranstalter dänisches Recht vereinbart hat. Bucht der Reisende bei einem privaten Vermieter im Ausland, gilt das Recht des Reise­landes.

Fazit: Für Urlauber kann es schwierig sein, ihr Recht zu verstehen, zu erkennen und durch­zusetzen. Kommt es zum Streit, müssen sie sich womöglich auf die Gesetze des Reise­landes berufen.

Nur für Tages­reisen ab 500 Euro

Für Tages­reisen gilt Pauschal­reiserecht nur bei Preisen ab 500 Euro pro Person. So teuer sind Tages­reisen in der Regel nicht.

Fazit: Das Pauschal­reiserecht wird da nur selten greifen.

Größere Preis­änderungen möglich

Hat sich der Preis nach der Buchung erhöht – etwa wegen gestiegener Treib­stoff­preise oder veränderter Wechsel­kurse – kann der Urlauber den Vertrag nur kostenfrei kündigen, wenn die Preis­erhöhung mindestens 8 Prozent beträgt. Außerdem darf der Veranstalter den Preis bis 20 Tage vor Reise­beginn erhöhen.

Fazit: Erhöht der Veranstalter den Preis knapp vor Reiseantritt, wird der Kunde es schwer haben, kurz­fristig etwas anderes zu buchen. „Der Urlauber wird also oft in den sauren Apfel beißen und zum höheren Preis fahren“, so Felix Methmann, Mobilitäts-Experte vom Verbraucherzentrale Bundes­verband.

Zwei Jahre Zeit für Mängel­anzeige

Urlauber haben nach dem Ende des Urlaubs zwei Jahre Zeit, um Mängel anzu­zeigen.

Fazit: Der Urlauber kann in Ruhe wieder ankommen, bevor er die Mängel­anzeige aufsetzt. Er darf aber nicht vergessen, dem Veranstalter schon vor Ort die Reisemängel mitzuteilen und zu dokumentieren. Und: Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger kann es werden, sie nach­zuweisen.

Schutz bei verbundener Reise­leistung

Der Urlauber bucht kurz nach­einander mindestens zwei verschiedene Leistungen für dieselbe Reise separat – etwa Flug und Unterkunft. Dann gibt es zwar zwei verschiedene Vertrags­partner und zwei getrennte Rechnungen, es handelt sich aber um eine verbundene Reise­leistung. Wenn die Zahlungen direkt an den Vermittler gehen – stationäres Reisebüro oder Onlineportal –, muss der gegen Insolvenz abge­sichert sein. Er muss darüber aufklären, ob es sich beim gebuchten Urlaub um eine verbundene Reise­leistung oder eine Pauschal­reise handelt.

Fazit: Geht der Vermittler pleite, ist der Urlauber geschützt und sieht sein Geld wieder. Außerdem weiß er ganz klar, was er gebucht hat: Pauschal­reise oder verbundene Reise­leistung. Daran erkennt er, welche Rechte für seine Reise gelten und wer für Mängel haftet – bei der verbundenen Reise­leistung die einzelnen Leistungs­erbringer (etwa die Flug­linie), bei der Pauschal­reise der Veranstalter.

Vom Vermittler zum Veranstalter

Manchmal wird der Reiseanbieter vom Vermittler zum Veranstalter der Reise: Etwa, wenn er dem Kunden mehrere Leistungen für dieselbe Reise zusammen verkauft und dafür einen Gesamt­preis bildet. Dann handelt es sich um eine Pauschal­reise. Folge: Reisebüro oder Onlineplatt­form haften als Veranstalter auch für Reisemängel. Auch bei verbundenen Online­buchungen kann eine Pauschal­reise entstehen: Zum Beispiel, wenn ein Flugportal nach der Flug­buchung noch ein Hotel anbietet, indem es auf die Website des Hotelanbieters verlinkt, die Daten des Urlaubers über­trägt und dieser inner­halb von 24 Stunden dort bucht.

Fazit: Für Urlauber ein Vorteil. Einzelne Leistungen werden durch gemein­same Buchung zur Pauschal­reise, dem Kunden stehen sämtliche Rechte zu. Der Vermittler der Reise­leistungen wird zum Veranstalter und haftet selbst für Mängel.

Pauschal­urlauber bei Veranstalterpleite gesichert

Geht ein Reise­ver­anstalter pleite, bekommen Pauschal­reisende dank des neuen Deutschen Reisesicherungs­fonds künftig leichter ihr Geld zurück. Reiseanbieter mit einem Jahres­umsatz von mehr als 10 Millionen Euro müssen ab November 2021 in diesen zentralen Fonds einzahlen und können sich nicht wie bisher über Versicherungs­unternehmen und Kredit­institute absichern. So etwas wie bei der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook soll sich nicht wieder­holen: Da saßen viele Reisende an ihren ­Urlaubs­orten fest oder konnten bezahlte Reisen nicht antreten. Die Haftungs­summe von 110 Millionen Euro genügte nicht für die Entschädigungen, der Staat musste 132 Millionen Euro dazu­schießen. Darum soll der Sicherungs­fonds nun bis Ende 2026 auf 750 Millionen Euro anwachsen. Zugleich müssen Insolvenz­versicherer jetzt für mindestens 22 Prozent des Umsatzes eines Reise­unter­nehmens haften. Bislang gab es eine Haftungs­grenze.

Fazit: Geht der Reise­ver­anstalter pleite, ist mehr Geld da, um Urlauber zu entschädigen.

Das gilt für Reisen in Zeiten von Corona

Pauschal­reisende
. Sie können in der Regel kostenfrei stornieren, wenn für den Urlaubs­ort eine Reisewarnung wegen Corona ausgesprochen wird oder aufgrund behördlicher Anordnungen wichtige Reise­leistungen ausfallen. Der Reise­ver­anstalter muss den Reise­preis erstatten. Entsteht am Reiseziel ein Corona-Hotspot, können Pauschal­urlauber früher abreisen und sich vom Veranstalter das Geld für den Rest­urlaub auszahlen lassen.
Indivi­dualreisende
. Bei einem inner­deutschen Beher­bergungs­verbot müssen die Anbieter Hotel­zimmer oder Ferien­wohnung kostenfrei stornieren. Bei Buchungen im Ausland gilt das dortige Recht. Einreise­verbote oder Reisewarnungen begründen nicht auto­matisch den Anspruch auf ein kostenloses Storno. Werden Flüge gestrichen, haben Passagiere oft Anspruch auf Erstattung des Ticket­preises. Bei einem annullierten Heim­flug können sie Zusatz­kosten etwa für das Hotel­zimmer von der Air­line fordern. So sieht es die EU-Flug­gast­rechte­ver­ordnung vor.
Reise­ver­anstalter und Fluggesell­schaften
. Einige Unternehmen bieten wegen Corona verbesserte Storno-Optionen. So können gebuchte Reisen bis zu 14 Tage vorher kostenfrei abge­sagt, Flüge gebührenfrei umge­bucht werden. Das gilt meist befristet und ist in den Corona-Infos der Anbieter nach­zulesen.

Rück­tritt bei Reisewarnung

Spricht das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Urlaubs­ziel aus, können Pauschal­urlauber in der Regel die Reise absagen. Der Veranstalter muss den Reise­preis erstatten, ohne Storno­gebühren zu berechnen. Das gilt auch, wenn das touristische Angebot am Ziel­ort erheblich einge­schränkt ist. Etwa weil die Behörden Strände gesperrt sowie Läden und Lokale geschlossen haben. Reisen Pauschal­urlauber wegen unver­meid­barer und außergewöhnlicher Umstände am Ziel­ort früher ab, können sie sich das Geld für den Rest­urlaub auszahlen lassen. Indivi­dualreisende haben keine Rück­tritts­möglich­keit, sie müssen direkt mit ihrem Hotel oder der Fluggesell­schaft verhandeln.

Fazit: Bei Reisewarnung und Einschränkungen am Urlaubs­ort sollte ein kostenlose Stornierung möglich sein.

Dieses Special ist am 23. Mai 2018 auf test.de erschienen. Es wird laufend aktualisiert.

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