Reisen mit Haustieren Special

Katzen hassen Orts­wechsel. Höchs­tens ins eigene Ferien­haus sollte man sie mitnehmen, sonst lieber zu Hause lassen.

Wer als Haustier­besitzer seine Ferien plant, muss sich nicht nur um Unterkunft und Anreise kümmern. Er muss auch klären: Sollen Hund, Katze und Hamster mitkommen? Und wenn ja: Welche Impf- und Quarantäne-Bestimmungen gelten im Urlaubs­land für einreisende Haustiere? Finanztest gibt Tipps für den Check vor der Abreise und und erklärt auch, was bei der Rück­kehr in die Heimat bedacht werden muss.

Was der Tier­schutz­bund rät

Mit dem Familien­hund am Nord­seestrand tollen, mit der Hauskatze auf Mallorca schmusen oder mit dem Kanin­chen an der türkischen Riviera spielen. Wenn Herr­chen, Frauchen oder die Kinder unbe­dingt mit dem Haustier verreisen wollen, sollten sie das gut über­legen und planen, empfiehlt Verena Mißler, Tier­ärztin und Fachreferentin beim Deutschen Tier­schutz­bund. Ihr Tipp: „Wie gut ein Haustier eine Reise verträgt, ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Hunde begleiten ihre Besitzer gern über­all hin. Bei Katzen raten wir eher davon ab, sie mitzunehmen.“ Nur wenn eine Katze eine starke Bindung an den Menschen habe und von klein auf ans Reisen gewöhnt sei, komme das infrage. Und auch nicht jeder Hund reise gern.

Im Zweifel Urlaubs­planung mit dem Tier­arzt absprechen

Mißlers Fazit: „Halter kennen ihr Tier am besten und können meist selbst gut einschätzen, was es ab kann und was nicht. Wer unsicher ist, sollte die Urlaubs­planung mit dem Tier­arzt absprechen.“ Soll das Tier zu Hause bleiben und braucht Betreuung, können Halter sich an lokale Tier­schutz­ver­eine, Tier­ärzte oder Tierpensionen (Special Tierbetreuung, test 4/2016) wenden.

Schriftliches Einverständnis des Reise­ver­anstalters einholen

Kommen Hund oder Katze mit, sind etliche Fragen zu klären. Erlaubt die Unterkunft Haustiere? Wie sieht es beim Trans­port­unternehmen aus? Das Einverständnis des Reise­ver­anstalters lassen sich Tierhalter am besten schriftlich geben. Je nach Reiseziel und Reiseroute sind weitere Hürden zu über­winden. So müssen Hunde, Katzen und Frett­chen schon für Reisen inner­halb der Europäischen Union eindeutig identifizier­bar sein. Dafür wird jedes Tier entweder per Tätowierung oder Mikrochip gekenn­zeichnet. Seit dem 3. Juli 2011 ist der Mikrochip vorgeschrieben, nur ältere Tätowierungen werden akzeptiert.

Mit Mikrochip oder Tätowierung

Nötig ist für Hunde, Katzen und Frett­chen ein EU-Heimtier­ausweis. Den kann ein Tier­arzt ausstellen, der von der zuständigen Landes­behörde dazu ermächtigt ist. Der Tierpass enthält Angaben zu Rasse und Farbe, zum Besitzer sowie die Kenn­zeichnungs­nummer von Tätowierung oder Mikrochip, außerdem alle Impfungen mit Datum, Impf­stoff, Hersteller und Gültig­keits­dauer.

Schutz gegen Toll­wut und Bandwürmer

Verpflichtend ist bei Reisen inner­halb der EU mit Hunden, Katzen oder Frett­chen ein Impf­schutz gegen Toll­wut. Das Haustier muss spätestens drei Wochen vor einer Reise geimpft werden. Für Auffrischungen gilt diese Frist nicht. Ist die vorherige Toll­wut­impfung aber nicht mehr gültig, wird die Auffrischung zur Erst­impfung und muss ebenfalls drei Wochen vor Abreise erfolgen. Welpen dürfen frühestens mit 12 Wochen gegen Toll­wut geimpft werden, folg­lich können sie erst ab 15 Wochen reisen. Für Reisen nach Finn­land, Groß­britannien, Irland und Malta ist eine Behand­lung gegen Bandwürmer notwendig, die im Heimtier­ausweis einge­tragen sein muss. Sie muss zwischen fünf Tage und 24 Stunden vor der Ankunft erfolgen.

Maximal fünf Hunde sind erlaubt

Pro Person dürfen inner­halb der EU höchs­tens fünf Hunde, Katzen oder Frett­chen mitkommen. Ausnahmen gelten für Wett­bewerbe, Ausstel­lungen und Sport­ver­anstaltungen.

Vögel brauchen Gesund­heits­bescheinigung

Bei Reisen mit Kleintieren wie Kanin­chen und Hams­tern oder mit Heimvögeln ist recht­lich weniger zu beachten: Für Kanin­chen und Heimvögel gilt eine Grenze von drei Tieren, sonst gibt es keine besonderen Regeln. Eine Ausnahme sind Sittiche und Papageien: Ein Amts­tier­arzt muss sie klinisch unter­suchen und ihnen eine Gesund­heits­bescheinigung ausstellen. Er muss bestätigen, dass im „Herkunfts­bestand“ während der letzten 30 Tage keine auf Papageien und Sittiche über­trag­baren Krankheiten amtlich fest­gestellt worden sind.

In zahlreichen Ländern Sonder­vorschriften

Neben der EU-Verordnung zur Einreise mit Heimtieren gelten in zahlreichen Ländern Sonder­vorschriften. Tier­schutz­bund-Referentin Mißler betont: „In Dänemark sind zum Beispiel 13 Hunde­rassen verboten.“ Fragen beant­worten Botschaften,Konsulate oder Touristen­informationen des Urlaubs­landes.

Reisen außer­halb der EU

Besonders vor Reisen außer­halb der EU sollten Tierhalter die Einreise­bestimmungen bei der Botschaft oder dem Konsulat ihres Reise­landes erfragen: Gilt am Urlaubs­ort Maulkorb- oder Leinen­pflicht für Hunde? Gibt es Arten oder Rassen, die nicht mit ins Land gebracht werden dürfen, etwa gefähr­liche Hunde­rassen? Welche Impfungen und Vorsorgebehand­lungen sind vorgeschrieben? Muss das Tier bei der Einreise zunächst in Quarantäne? Wer sich nicht an die Regeln hält, riskiert nicht nur hohe Bußgelder. Im Zweifel dürfen die Tiere nicht einreisen, werden in Quarantäne genommen, zurück­geschickt oder im Extremfall sogar getötet.

Hürden bei der Rück­kehr

Auch die Rück­kehr muss geregelt sein, denn die EU lässt nicht jedes Tier rein. Es kommt darauf an, woher es kommt. Unterschieden werden gelistete und nicht­gelistete Dritt­länder. Gelistet sind die Länder, in denen das Toll­wutrisiko begrenzt ist. Nicht­gelistet bedeutet, dass das Toll­wutrisiko entweder nicht bekannt oder dass es sehr hoch ist. Für nicht­gelistete Dritt­länder gelten strengere Regeln als für gelistete und auch unter den gelisteten Dritt­ländern gibt es zwei Gruppen. Zur einen Gruppe gehören Andorra, die Schweiz, die Faröer, Gibraltar, Grön­land, Island, Liechten­stein, Monaco, Norwegen, San Marino und der Vatikan. In der anderen Gruppe sind etwa die USA, Kanada, Australien und Bosnien-Herzegowina. Für Gruppe eins gelten nahezu dieselben Vorgaben wie inner­halb von EU-Staaten. Hunde, Katzen und Frett­chen dürfen nur begleitet vom Besitzer oder einer verantwort­lichen Person einreisen. Es muss belegt sein, dass das Tier weder verkauft werden noch den Besitzer wechseln soll. Bei Gruppe zwei muss der Halter zusätzlich eine Tier­gesund­heits­bescheinigung vom Amts­tier­arzt vorweisen.

Reisen durch mehrere Länder

Passiert ein Halter mit seinem Haustier auf seiner Rück­reise aus einem gelisteten Land ein nicht­gelistetes, muss er eine Erklärung abgeben, dass das Tier dort keinen Kontakt zu toll­wut­empfäng­lichen Tieren hatte und das Beför­derungs­mittel oder den Flughafen nicht verlassen hat. Für Tiere, die sich länger in einem nicht-gelisteten Dritt­land wie zum Beispiel Ägypten oder der Türkei aufhielten, sind die Auflagen strenger. Tier­ärztin Mißler erklärt: „Bei der Wieder­einreise ist eine Toll­wut-Titer­bestimmung notwendig. Es muss also nachgewiesen werden, dass sich genügend Antikörper gebildet haben und ein ausreichender Impf­schutz besteht.“ Ansonsten müsse nachgeimpft und erneut getestet werden. „Deshalb sollte man einen guten Puffer einbauen und etwa ein halbes Jahr einplanen.“ Informationen, welche Länder wo gelistet sind, finden Tierhalter auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Nur über bestimmte Flughäfen

Tiere müssen bei der Einreise aus Dritt­ländern immer beim Zoll gemeldet werden. Alle Dokumente werden dort kontrolliert. Tierhalter sollten auch darauf achten, am richtigen Ort einzureisen: Hunde, Katzen und Frett­chen dürfen nicht über alle Flughäfen und Häfen aus Nicht-EU-Ländern in die EU zurück­gebracht werden. Welche zulässig sind, ist in der „Liste der Einreiseorte in der Bundes­republik Deutsch­land“ des BMEL nach­zulesen. Ausgenommen sind die gelisteten Dritt­länder der ersten Gruppe wie Schweiz oder Norwegen.

Lieber Wander­urlaub als Fernreise

Ein Haustier kann unterwegs krank werden oder einen Unfall haben. Ein Halter, der eine Tierkranken­versicherung abge­schlossen hat, ist häufig auch im Ausland geschützt. Projektleiterin Romy Philipp hat kürzlich für Finanztest Krankenvoll­versicherungen und OP-Kosten-Versicherungen getestet (Test Tierkrankenversicherung, Finanztest 2/2016). Ihr Fazit: „Mindestens einen Monat gilt der Schutz in allen Tarifen europaweit, je nach Tarif aber sogar bis zu zwölf Monate und welt­weit.“

Wahl des Trans­port­mittels gut über­legen

Besonders wichtig ist eine gute Vorbereitung der Fahrt selbst. Tier­ärztin Mißler fordert Halter auf, sich die Wahl des Trans­port­mittels gut zu über­legen (Tiere in Auto, Bahn und Flugzeug). Eine Schiffs­tour könne zur Gefahr werden, „wenn man sein Tier auf Fähren im Auto lassen muss“. Auf Flügen sterben 5 000 Tiere jähr­lich im Fracht­raum, werden verletzt oder gehen verloren, so die Air­line Trans­portation Association. Mißler fordert Halter deshalb zu mehr Rück­sicht auf: „Die Reise selbst sollte nicht zu anstrengend sein. Zum Beispiel sollte man Hundearten wie Huskies nicht großer Hitze aussetzen. Statt sein Tier unbe­dingt mit auf einen Städtetrip zu nehmen, sollte man vielleicht lieber einen Wander­urlaub planen.“

Hund im Hand­gepäck

Kleinere Tiere und anerkannte Assistenzhunde, meist bis fünf Kilo, können als „Hand­gepäck“ mit in die Flug­zeug­kabine.

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