Reisemedizin Meldung

Ob beim Wandern in den Alpen, auf Trekkingtour im Himalaya oder beim Tauchen in tropischen Gewässern: Unfälle zählen zu den häufigsten Urlaubsrisiken. Beste Vorsoge: gründliche Planung und ein ärztlicher Check vor der Reise.

Tauchen

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Übers Dach der Welt trekken, Sonnenaufgang auf dem Fudschijama erleben oder die Spuren präkolumbischer Zivilisationen in den Anden erkunden - viele Bergbegeisterte begeben sich in die dünne Luft der Höhe. Die Bergtour kann aber auch zum Horrortrip werden. Drei Prozent der Expeditionsteilnehmer kehren nicht lebend zurück. Aber auch weniger ambitionierte Bergtouren können die Gesundheit gefährden und zu einem abrupten Urlaubsende führen. Meist überschätzen Bergsteiger die eigene Leistungsfähigkeit oder bereiten die Ausrüstung nachlässig vor.

Anders als Wanderer, die eher beschauliche alpine Touren machen, müssen Bergsteiger höheren technischen Anforderungen gewachsen sein. Ohne die notwendigen Sicherungsgeräte geht es bei ihnen nicht. Und sie müssen auch damit umgehen können. Wer allein ohne Bergführer unterwegs ist, muss unbedingt schon Erfahrung in geführten Gruppen gesammelt haben. Denn die Gefahren der Berge, etwa Felsschlag und Wetterumschläge, kann der Bergneuling kaum einschätzen. Das Extrem erleben Expeditionsteilnehmer: Sie sind im Eis und in Höhen bis über 8.000 Meter unterwegs.

Höhenkrankheit

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Kühlen Kopf bewahren

Nicht erst in solchen Höhen gelangt der Organismus durch die Wirkung des niedrigen Luftdrucks und damit des geringen Sauerstoffgehalts schmerzhaft an seine Grenzen. Der Sauerstoffmangel, die Hypoxie, löst die Höhenkrankheit aus. "Die Gründe für diese Krankheit sind im Detail noch nicht bekannt", sagt der Sportmediziner Professor Peter Bärtsch von der Universitätsklinik Heidelberg. "Sicher ist, dass es zu einer Druckerhöhung im Kreislauf kommt, die Durchlässigkeit der Gefäße erhöht sich, und es tritt Flüssigkeit ins Gewebe über." In der Folge kommt es zu Wasseransammlung im Gehirn und schließlich auch in der Lunge (Hirn- und Lungenödem). Die Krankheit setzt auch der Psyche zu ­ der Betroffene verliert den kühlen Kopf.

Nicht so weit kommen lassen

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Wanderer und Bergsteiger können das Risiko einer Höhenkrankheit verringern oder sogar ausschließen, indem sie folgende Regeln beachten:

• In Höhenlagen unter 2.500 Metern bewegt man sich meist auf sicherem Terrain. In den deutschen Alpen wird also kaum jemand von der Höhenkrankheit geplagt.

• Ab 2.500 Meter in der Regel nicht mehr als 300 bis 500 Höhenmeter pro Tag zurücklegen.

• Überanstrengung meiden, den Aufstieg dem Befinden anpassen und bei Krankheitssymptomen nicht fortsetzen. Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, absteigen.

Bereits oberhalb von 3.000 Metern machen sich die Anzeichen der Höhenkrankheit bei etwa jedem vierten Bergwanderer bemerkbar. Bergsteigen im Montblanc-Massiv auf 3.500 oder 4.500 Metern, in Nepal oder Ecuador bis zu 6.000 Metern kann da schon kritisch werden. "Bei einem schnellen Aufstieg aus dem Tiefland auf 4.500 Meter innerhalb von zwei Tagen haben im Schnitt nur 30 Prozent keine Probleme. Die anderen wollen nach einer schlechten Nacht nur noch runter", beschreibt der Heidelberger Sportmediziner Bärtsch die Situation.

"Höhenmediziner" unterscheiden drei Stufen der Bergkrankheit:

1. Harmlose Höhenkrankheit: Kopfschmerzen, leichter Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Schwellungen wegen Wassereinlagerungen, zum Beispiel im Gesicht. Nach einer sechs- bis zwölfstündigen Latenzzeit, häufig am Morgen nach der ersten Nacht, sind die Beschwerden am stärksten. Sie verschwinden meist nach ein bis zwei Tagen von allein.

Abhilfe: In diesem Stadium sollte man nicht weiter aufsteigen, sondern einen Ruhetag einlegen. Wenn sich die Beschwerden nicht bessern, muss der Höhenkranke absteigen und 300 bis 400 Meter tiefer übernachten.

2. Höhen-Hirnödem: Schwere konstante Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Gleichgewichts- und Gangstörungen, Bewusstseinstrübung, "verrücktes" Verhalten.

Abhilfe: Da akute Lebensgefahr besteht, ist ein sofortiger Abstieg so tief wie möglich notwendig. Erste Hilfe: Sauerstoff aus der Flasche, in einem Überdrucksack liegen.

3. Höhen-Lungenödem: Schweres Krankheitsgefühl, starker Leistungsabfall, Husten ­ zunächst unter Belastung, später auch in Ruhe, rasselnde Atmung, Druck auf der Brust. Lungen- und Hirnödem können gemeinsam auftreten.

Abhilfe: Wegen Lebensgefahr muss hier wie beim Hirnödem der Abstieg erfolgen, müssen Sauerstoff und Medikamente gegeben werden.

Vor der Tour zum Arzt

"Leider existiert kein sicherer Test, der Hinweise liefert, ob ein Mensch in der Höhe an Bergkrankheit leiden wird", erklärt Professor Bärtsch. Sie ist vor allem von der Aufstiegsgeschwindigkeit und dem persönlichen Verhalten abhängig. Eine gute Leistungsfähigkeit gilt als Voraussetzung für eine erfolgreiche Bergtour, sie schützt aber nicht vor der akuten Bergkrankheit. "Man kann sie nicht wegtrainieren", so Bärtsch.

Eine unangenehme Überraschung erlebt man, wenn in der Höhe eine Herz-Kreislauf- oder Lungenkrankheit auftaucht, die in niederen Lagen bisher unentdeckt geblieben ist (asymptomatische Krankheiten). "Wer über 45 Jahre alt ist und bisher nicht regelmäßig trainiert hat, sollte sich deshalb vor einer Hochgebirgstour oder vor Aufnahme von regelmäßigem Training ärztlich untersuchen lassen, um solche stummen Krankheiten aufzudecken", empfiehlt der Sportmediziner Bärtsch. Auch Raucher, Übergewichtige, Zuckerkranke und Menschen mit erhöhtem Blutdruck sind gefährdet.

Hochgebirgstouren müssen nicht nur an die Höhe und die eigene Leistungsfähigkeit angepasst sein, sondern auch an die Geographie und die Infrastruktur des Landes. Eine sorgfältige Routenplanung und ein Check der Maßnahmen, die im Notfall ergriffen werden können, sind unter Umständen lebenswichtig.

Folgende Fragen sollten vorab unbedingt geklärt werden:

• Gibt es Führer und Helfer?

• Wie sieht das Gelände aus? Sind Wege vorhanden, auf denen ein Höhenkranker mit einem Fahrzeug abtransportiert werden kann? Der Bergkranke befindet sich in einer tückischen Falle, wenn er zum Abtransport noch einmal auf eine größere Höhe gebracht werden muss.

• Gibt es Rettungsdienste, die über Fahrzeuge oder einen Hubschrauber verfügen? Ist man für diese Fälle versichert? Verzögerungen durch Fragen der Kostenübernahme sind nicht selten. ­ Springen eventuell Militärposten, Konsulate oder Organisationen ein?

Rund 800.000 aktive Sporttaucher gibt es in Deutschland. 50 von ihnen bezahlen jedes Jahr Unkenntnis, Leichtsinn oder eine Verkettung unglücklicher Umstände in der Tiefe mit dem Leben. Über 100 erleiden einen schweren Unfall. Es scheint unglaublich: Aber es ist möglich, ohne taucherärztliche Untersuchung und ohne fachkundige Anleitung eine Ausrüstung auszuleihen und hinabzugleiten in ein Milieu, an das der Mensch von Natur aus nicht angepasst ist. Hier ist nicht nur Sauerstoffmangel ein Problem, sondern der enorme Druck des Wassers auf den Körper, vor allem auf Atemwege, Lunge und Ohren. In 10 Meter Tiefe hat sich der Umgebungsdruck verdoppelt und in 20 Meter verdreifacht.

Vor dem ersten Tauchgang und danach alle paar Jahre sollte immer ein spezialisierter Arzt zu Rate gezogen werden. Der stellt fest, ob die körperlichen Voraussetzungen für diesen Sport gegeben sind. Hilfe bei der Suche nach einem solchen Mediziner bietet eine medizinisch-wissenschaftliche Fachvereinigung, die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM). Deren Mitglieder haben eine Ausbildung mit hohem Standard absolviert.

Jede Untersuchung auf Tauchtauglichkeit ist eine sehr individuelle Suche nach Krankheiten oder anatomischen Gegebenheiten, die das Tauchen einschränken oder verbieten. Die Untersuchung betrifft neben der Atemwegs- und Lungenfunktion auch die körperliche Leistungsfähigkeit und die Möglichkeit einer neurologischen Störung. "Ausschlusskriterien, die absolut gegen das Tauchen sprechen, gibt es allerdings nur wenige, zum Beispiel ein kürzlicher Herzinfarkt oder eine Operation vor kurzer Zeit", sagt der Kieler Tauchmediziner Dr. Ulrich van Laak.

Medizinische Probleme können jedoch unter anderem auftreten bei Hals-, Nasen-, Ohrenerkrankungen (Schwierigkeiten beim Druckausgleich), Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Krankheiten oder bei Angstzuständen und Alkohol- und Drogenkonsum. Auch Medikamente, die zu Müdigkeit und Bewusstseinstrübung führen können, sind für Taucher riskant. Besondere Vorsichtsregeln gelten für Allergiemedikamente oder das Malariamittel Lariam.

Wer prinzipiell als tauchtauglich eingestuft ist, sollte auf jeden Fall in einer Tauchschule eine fundierte Ausbildung absolvieren, empfiehlt Dr. van Laak. Aber selbst bei gut ausgebildeten und umsichtigen Tauchern siegen manchmal Abenteuerlust und Leichtsinn, wenn eine herrliche Meeresfauna oder ein pittoreskes Wrack locken.

Die wichtigsten Regeln sollten jedem Taucher geläufig sein:

• Niemals allein tauchen.
• Den Urlaub nicht mit täglichen Tauchgängen überfrachten.
• Nicht tiefer als 30 Meter tauchen. Diese Tiefe gilt als empfohlene Grenze für die meisten Sporttaucher. Das Risiko für einen Tauchunfall steigt in größerer Tiefe stark an.
• Langsam in die Tiefe, über Tage und Wochen hinweg an ungewohnte Tiefen herantasten.
• Nicht gegen das eigene Gefühl weiter oder tiefer tauchen. Lassen Sie sich nicht vom Gruppendruck beeinflussen.
• Viel trinken, und zwar das Richtige ­ Mineralwasser, Säfte, Kräutertee. Kaffee, Schwarztee und andere entwässernde Getränke verschlechtern die Fließeigenschaften des Blutes. Einen Tauchunfall kann das dramatisch verschlimmern. Starker Alkoholkonsum am Abend zuvor ist doppelt riskant: Alkohol entwässert und mindert auch noch nach Stunden Aufmerksamkeit und Konzentration.
• Abstand wahren zwischen dem letzten Tauchgang und dem Rückflug. Der Flugzeug-Innenraumdruck entspricht einer Höhe von 2.000 bis 2.500 Metern über dem Meer - das andere Extrem zum "Hochdruck-Sport". Je nach der Tauchfrequenz, die man in den Tagen davor hatte, sollte man 24 bis 36 Stunden bis zum Rückflug warten.

Aber auch die größte Umsicht bietet keine hundertprozentige Sicherheit vor Tauchunfällen. Wer einen Tauchurlaub bucht, sollte sich deshalb nach den Notfalleinrichtungen vor Ort erkundigen. Minimalanforderung: An den Tauchbasen und auf den Booten müssen Beatmungsgeräte mit Reinsauerstoff und Notfallkoffer vorhanden sein. Die Betreuer sollten in deren Handhabung und in Reanimation ausgebildet sein. Für die weitere Versorgung sollten in der Umgebung der Tauchbasis ein Taucherarzt und eine Druckkammer verfügbar sein. Meist ist aber ein Transportflug zu einer Druckkammer erforderlich. Die Kammer kann den Körper an Normaldruck anpassen.

Wer das Risiko eines nicht beherrschbaren Tauchunfalls reduzieren möchte, kann Mitglied des Divers Alert Network werden (DAN) oder ein ähnliches Angebot des Tauchsportverbandes nutzen. Diese Vereinigungen sichern weltweit schnelle Diagnosen. Ihnen stehen mehr als 500 Hochdruckkammern zur Verfügung und sie helfen, Rettungsflüge und medizinische Leistungen zu organisieren. Wer nicht Mitglied ist, kann im Notfall dennoch anrufen (lassen). Die Mitarbeiter geben dann am Telefon ärztliche Diagnosehilfe und Informationen über nahe gelegene medizinische Einrichtungen und Rettungsdienste. Der Notruf ist 24 Stunden am Tag fünfsprachig besetzt.

Für eine Diagnose per Telefon sind vor allem die Antworten auf fünf Fragen wichtig:

• Welche Beschwerden, vor allem Lähmungen, liegen vor?
• Wie tief und wie lang wurde getaucht?
• Wie oft wurde in welchem Zeitraum getaucht?
• Welches Tauchgerät wurde verwendet und welches Gas(gemisch)?
• Welche Probleme gab es während des Tauchens oder unmittelbar danach?

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