Reisemedizin Meldung

An vielen Urlaubsorten gibt es Krankheitserreger, die man bei uns oft gar nicht kennt. Wir sagen, wie Sie Risiken minimieren.

Deutschland ist Dauer-Weltmeister ­– beim Reisen. In keinem anderen Land wird so viel Geld für Trips in die Ferne ausgegeben wie hierzulande. Doch so abwechslungsreich wie die Landschaft am Urlaubsort ist oft auch die Vielfalt an Erregern. Krankheiten dämpfen die Reisefreuden beträchtlich, deshalb sollte man vorsorgen: Ärzte, Apotheken und Tropeninstitute beraten zu Impfungen und anderen Vorbeugemaßnahmen. Eine zehnminütige Information im Tropeninstitut kostet zwischen 10 und 20 Euro (siehe „Adressen“).

Impfungen

Erkundigen Sie sich rechtzeitig – mindestens sechs Wochen vor der Reise – über die für Ihr Urlaubsland empfohlenen Schutzimpfungen. Informationen zu den Impfungen gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch Instituts (www.rki.de) heraus. Hier eine Übersicht der Impfungen:

Cholera. Vorkommen: Tropen und Subtropen. Übertragung: Erreger gelangen über verunreinigte Lebensmittel und Wasser in den Dünndarm. Eine Impfung wird nur bei Reisen in Länder mit niedrigen hygienischen Standards empfohlen. Das Risiko für Reisende ist gering. Seit 2004 gibt es eine Cholera-Schluckimpfung.

Diphtherie. Vorkommen: weltweit. Übertragung: Bakterien werden durch Tröpfchen- und Schmierinfektionen weitergegeben und können in schweren Fällen Lähmungen und Herzschäden verursachen. Impfung: generell empfohlen, auch bei bereits durchgemachter Diphtherie. Die Impfung sollte am besten in Kombination mit der Tetanus-Impfung alle zehn Jahre aufgefrischt werden.

Gelbfieber. Vorkommen: in den Tropen Afrikas und Südamerikas, nicht in Asien. Übertragung: durch Moskitostiche. Impfung: empfohlen nur bei Einreise in ein Gelbfieber-Risikogebiet. In einigen Ländern ist eine gültige Gelbfieberimpfung Einreisevoraussetzung. Sie erfolgt nur an Tropeninstituten, speziellen Gelbfieber-Impfstellen oder durch autorisierte Ärzte.

Hepatitis A. Vorkommen: weltweit, vor allem Mittelmeerraum, Tropen und Subtropen. Übertragung: Erreger gelangen über verunreinigte Lebensmittel und Wasser in den Körper und lösen so die infektiöse Gelbsucht aus. Impfung: generell empfohlen, da häufigste nach Deutschland importierte Infektionskrankheit.

Hepatitis B. Vorkommen: weltweit. Übertragung: Die Erreger werden durch ungeschützte Sexualkontakte, Blut, aber auch verunreinigte Spritzen und Nadeln übertragen und können Leberentzündung, Leberzirrhose, sogar Leberkrebs auslösen. Impfung: vor allem in Kombination mit Hepatitis-A-Impfung. Erst seit 1996 werden alle Kinder in Deutschland routinemäßig gegen Hepatitis B geimpft.

Masern. Vorkommen: weltweit, vor allem in Afrika. Übertragung: Tröpfcheninfektion. Impfung: empfohlen für alle, die noch nie Masern hatten und noch nie gegen Masern geimpft wurden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will die Ausrottung der Masern bis 2010 erreichen.

Meningokokken-Meningitis. Vorkommen: weltweit, vor allem südlich der Sahara. Übertragung: Die Bakterien werden durch Tröpfcheninfektionen über die Atemwege übertragen und lösen so die Hirnhautentzündung aus. Impfung: Gültigkeit beginnt zehn Tage nach der Impfung, Pflicht bei der Einreise nach Mekka.

Polio. Vorkommen: vor allem in afrikanischen und asiatischen Ländern wie Indien. Übertragung: Viren, die die Lähmung auslösen, werden meist durch fäkale Kontakt- und Schmierinfektionen übertragen. Impfung: empfohlen nur noch in Ländern mit hohem Infektionsrisiko. In Deutschland wird die Impfung ab dem 18. Lebensjahr nicht mehr routinemäßig aufgefrischt.

Tetanus. Vorkommen: weltweit. Übertragung: Bakterien gelangen über kleine Wunden in den Körper. Ihr Gift ruft eine krampfhafte Starre der Muskulatur hervor. Impfung: generell empfohlen. Nach einer Grundimmunisierung sollte der Schutz alle zehn Jahre erneuert werden.

Tollwut. Vorkommen: vor allem in Asien, Afrika und Lateinamerika. Übertragung: Der Speichel eines infizierten Tieres reicht aus, um die fast immer tödlich endende Tollwut auszulösen. Impfung: ausschließlich mit einem von der WHO empfohlenen Impfstoff.

Typhus. Vorkommen: vor allem in Indien, Südostasien und Nordafrika. Übertragung: Bakterien werden durch verunreinigte Lebensmittel und Wasser aufgenommen. Impfung: empfohlen in Ländern mit niedrigen Hygienestandards.

Tipps

  • Schützen: Neben Hepatitis B gibt es eine Reihe weiterer Krankheiten, die sexuell übertragbar sind. Gegen die wenigsten kann man sich durch Impfen schützen. Deshalb im Urlaub an Kondome denken und möglichst schon zuhause in den Koffer packen. In vielen Ländern haben Kondome nicht hiesige Qualität.
  • Einstecken: Bringen Sie Ihren Impfausweis zur Impfung mit. Nur so kann der Arzt den Impfstatus überprüfen und die durchgeführten Impfungen eintragen.
  • Einplanen: Kalkulieren Sie die Kosten für notwendige Impfungen in Ihr Urlaubsbudget ein. Die Krankenkassen übernehmen bei Erwachsenen nur Impfkosten für Tetanus und Diphtherie routinemäßig.

Malariaprophylaxe

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Die häufigste Tropenkrankheit ist die Malaria, die durch die dämmerungs- und nachtaktive Anophelesmücke übertragen wird. Über ihren Speichel gelangt der malariaauslösende Parasit in die Blutbahn des Menschen. Etwa 600 Reisende schleppen im Jahr eine Malariainfektion nach Deutschland ein.

Es gibt verschiedene Arten der Malaria, die gefährlichste ist die „Malaria tropica“. Ignoriert man ihre typischen Anzeichen – Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen – kann sie schon nach wenigen Tagen tödlich enden. Deshalb sind vorbeugende Maßnahmen so wichtig. Seit 2001 gibt es im deutschsprachigen Raum einheitliche Regelungen zum Umgang mit dem Risiko: Fährt man in ein Gebiet mit hoher Malariagefahr, raten Mediziner dringend zur Prophylaxe. Die Medikamente müssen je nach Präparat eine Woche vor, während und bis zu vier Wochen nach der Reise eingenommen werden. Bereist man eine Region mit mittlerem oder geringem Malariarisiko, reicht es aus, ein Medikament für den Notfall dabeizuhaben. Den sofortigen Arztbesuch bei Malariaverdacht ersetzt das Notfallmittel aber nicht.

Tipps

  • Richtige Kleidung: Helle, hautbedeckende und locker sitzende Sachen schützen vor Stichen. Die Kleidung und das Moskitonetz für die Nacht mit Insektenschutz imprägnieren.
  • Gutes Timing: Der Tag geht, die Mücke kommt. Die Insekten sind in der Dämmerung und bei Nacht besonders aggressiv. Sumpfgebiete, Seen und Wasserlöcher insbesondere zu dieser Zeit meiden. Wenn möglich, außerhalb der Regenzeiten in Tropengebiete reisen. Dann ist die Gefährdung geringer.
  • Oft waschen: Regelmäßiges Waschen und häufiger Kleiderwechsel helfen gegen Körpergeruch, der die Mücken anlockt. Auf duftende Kosmetika verzichten, die Haut lieber mit Mückenschutz einreiben.

Reisedurchfall

Die häufigste Reiseerkrankung ist der Durchfall. Etwa jeder dritte Tourist wird in tropischen und subtropischen Regionen von „Montezumas Rache“ heimgesucht. Am größten ist die Gefahr in Mexiko, Kenia und Indien. Kritisch ist dabei vor allem der große Flüssigkeitsverlust. Mit dem Durchfall verliert der Körper Wasser und lebensnotwendige Mineralsalze. Dagegen gibt es Mittel aus der Apotheke (siehe Tabelle „Reisebeschwerden“); man kann sich eine Elektrolytlösung aber auch selber mixen: Mischen Sie dazu einen halben Liter stilles Mineralwasser, einen Teelöffel Kochsalz, acht Teelöffel Traubenzucker und einen halben Liter Orangensaft, und trinken Sie insgesamt zwei Liter der jeweils frisch zubereiteten Lösung über den Tag verteilt.

Die Erreger der Reisediarrhoe werden meist durch verunreinigte Lebensmittel und Wasser übertragen. Auf Reisen sollten Sie die Risiken daher meiden:

Tipps

  • Peel it: Schälen Sie frisches Obst und rohes Gemüse – oder lassen Sie es liegen.
  • Boil it: Kochen Sie Wasser ab oder verwenden Sie konsequent industriell in Flaschen abgefülltes (Mineral-)Wasser. Vorsicht: Eiswürfel in Getränken können bakterienverseucht sein.
  • ... or forget it: Hände weg von rohem oder halbgarem Fisch oder Fleisch, unpasteurisierter Milch, mit rohem Ei zubereiteten Speisen und Meeresfrüchten.

Reisekrankheit

Kaum etwas kann eine Schiffs-, Auto- oder Flugreise so gründlich verderben wie Reiseübelkeit. Die Reisekrankheit, von Medizinern auch Kinetose genannt, kündigt sich meist durch ein Wechselbad beklemmender Gefühle, Müdigkeit, zwanghaftes Gähnen und ein flaues Gefühl im Magen an. Symptome entstehen, wenn das Gleichgewichtsorgan aus der Balance gerät. Nach dem Erbrechen fühlt man sich übrigens nicht besser. Was hilft:

Tipps

  • Im Auto: Am besten vorn sitzen, auf dem Fahrersitz oder daneben. Schauen Sie während der Fahrt nicht aus dem Seitenfenster, sondern nach vorn. Nicht lesen.
  • Im Flugzeug: Die besten Sitze für Empfindliche sind zwischen den Tragflächen.
  • Auf dem Schiff: Möglichst an Deck oder in der Mitte des Schiffes und oberhalb des Wasserspiegels aufhalten. Einen festen Punkt am Horizont ins Auge fassen.

Reiseapotheke

Safari oder Städtetrip? Was in die Reiseapotheke gehört, richtet sich vor allem nach der Art der Reise, dem Zielort, der Dauer und den individuellen Bedürfnissen (Orientierungshilfe: siehe „Urlaubsgepäck“ und Tabelle „Reisebeschwerden“). Generell gilt: Innerhalb Deutschlands oder Mitteleuropas reicht eine kleine Reiseapotheke aus, Ärzte und Apotheken sind in der Nähe. Bei Fernreisen kann man sich nicht sicher sein, die benötigten Mittel am Urlaubsort zu bekommen. Oft gibt es sie dort unter anderen Handelsbezeichnungen. Es sind sogar Fälschungen des Präparats im Umlauf: Vor allem bei Reisen in Dritte-Welt-Länder sollte man seine individuelle Reiseapotheke dabeihaben.

Tipps

  • Einpacken: Bei Flügen kann es sein, dass der Koffer nicht gleichzeitig ankommt. Transportieren Sie die Reiseapotheke deshalb im Handgepäck. Bei Tabletten und Kapseln ist das unproblematisch, flüssige und gasförmige Medikamente dürfen transportiert werden, sofern sie an Bord benötigt werden. Die meisten Mittel liegen unter der kritischen 100-Milliliter-Grenze.
  • Auswählen: Nicht jede Arzneiform ist für einen langen Transport und jedes Klima geeignet. Nehmen Sie möglichst Tabletten und Kapseln mit.
  • Auflisten: Vor allem, wenn Sie chronisch krank sind, sollten Sie eine Liste der benötigten Medikamente, eine Kopie des letzten Arztbriefes und die Telefonnummern Ihrer behandelnden Ärzte bei sich führen.

Krankenschein

Seit einigen Jahren gibt es die EU-Gesundheitskarte. Damit ist man in jenen Ländern gut bedient, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat. In der Regel kann dort mit der Karte gezahlt werden, es gelten jedoch die Regeln der Krankenkassen des jeweiligen Landes. Bei Fernreisen existiert ein solcher Versicherungsschutz nicht.

Tipp

  • Reiseversicherung: Fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach Empfehlungen für das Urlaubsland. Schließen Sie bei Fernreisen zusätzlich eine Auslandsreisekrankenversicherung ab.

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