Tsunami, Terror, höhere Gewalt

Bei überraschenden Katastrophen können Reisende kostenlos zurücktreten. Wer schon am Urlaubsort ist, hat Anspruch auf Rücktransport.

Machen Seuchen, Flutwellen, Anschläge oder schwere Unruhen einen Urlaub unmöglich oder gefährlich, können Urlauber stornofrei kündigen; der Veranstalter kann eine Reise ersatzlos absagen.

Ist der Reisende schon im Urlaubsgebiet, sieht das Gesetz einen Kompromiss vor: Sein Geld bekommt er zurück, doch der Veranstalter darf bereits erbrachte Leistungen berechnen. Er muss den Rücktransport organisieren. Die Kosten dafür teilen sich beide Seiten.

Vereitelt höhere Gewalt den Urlaub bereits nach Buchung und vor Reisebeginn, können Urlauber kostenfrei zurücktreten. Dafür genügt es nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, wenn sie mit einem schädigenden Ereignis wie einem Hurrikan mit „erheblicher Wahrscheinlichkeit“ rechnen müssen.

Auf höhere Gewalt können sich nach Ansicht des Reiserechtlers Ernst Führich derzeit Reisende in Tsunami-Regionen auf den Malediven, in Thailand, Sri Lanka, Indien und Indonesien berufen. Denn hier geht es nicht um bloße Unannehmlichkeiten wie etwa Meeresverschmutzungen oder extrem schlechtes Wetter. Wer gebucht hat, kann stornieren, wenn klar ist, dass die Reiseleistungen nur erschwert erbracht werden können.

Führich rät außerdem, nicht nachzugeben, wenn der Veranstalter sich in der Frage der höheren Gewalt auf ältere Urteile beruft. Diese sind überholt. Hat jemand ein Hotel gebucht, das jetzt zerstört ist, kann er kündigen.

Ein wichtiges Indiz für höhere Gewalt sind die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Allerdings kann höhere Gewalt auch bereits vorliegen, wenn das Amt noch nicht die höchste Warnstufe ausgerufen hat.

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