Reisemängel Meldung

Wenn schon die versprochene Erholung ausgeblieben ist, bleibt Reisenden zuweilen wenigstens ein Anspruch auf Geldersatz. Die Landebahn neben dem Badestrand wie auf der Karibikinsel St. Martin, die Ferienwohnung ohne funktionierende Toilette oder der Diskolärm bis zum frühen Morgen: Mangelhafte Reisen berechtigen dazu, den Reisepreis ganz oder teilweise zurückzuverlangen. Im Einzelfall ist auch eine Entschädigung für entgangene Urlaubsfreude drin. Doch längst nicht alles, was stört, führt zu einem Recht auf Ersatz. test.de sagt, was Reisende verlangen können und wie sie eine Minderung oder Schadenersatz durchsetzen.

Minderung wegen Mängeln

Längst nicht jede Verzögerung am Flughafen, Störung im Hotel oder Änderung des Reiseablaufs ist ein Mangel mit Recht zur Minderung. Urlauber, die die Mücken an finnischen Seen stören oder sich in Afrika über Ungeziefer beschweren, haben kaum eine Chance auf eine Rückzahlung. Was im Einzelfall ein Mangel ist und wie viel Geld er wert ist, lässt sich kaum zuverlässig abschätzen. Eine wichtige Rolle spielen Katalog und Prospekt. Was dort steht, muss stimmen. Wenn das für den Tauchurlaub versprochene Korallenriff fehlt oder nicht erreichbar ist, statt drei Sterne-Hotel nur eine billige Absteige wartet oder bei einer teuren Studienreise der angeblich fachkundige Führer keine Ahnung hat, muss der Reiseveranstalter einen mehr oder weniger großen Teil vom Reisepreis zurückzahlen.

Urteile als Anhaltspunkt

Die Höhe der je nach Mangel angemessenen Minderung des Reisepreises lässt sich kaum zuverlässig abschätzen. Anhaltspunkte bietet die so genannte Frankfurter Tabelle oder der Finanztest-Report Reisemängel. Stets zu berücksichtigen: Im Einzelfall kann der gleiche Umstand höchst unterschiedliche Bedeutung haben. Kakerlaken mögen in der gepflegten Wohnanlage an der Ostsee ein erheblicher Mangel sein. Bei einer billigen Pauschalreise in ein orientalisches Land wäre erstaunlich, wenn keine zu sehen sind. Gefragt ist stets eine gute Portion gesunder Menschenverstand. Das letzte Wort haben die Gerichte.

Sofortige Rüge nötig

Wenn ein Mangel vorliegt, müssen Reisende ihn sofort vor Ort rügen. Bleibt die Rüge aus, gibts später kein Recht mehr zur Minderung. Ansprechpartner ist die Reiseleitung. Wenn es eine solche nicht gibt oder sie nicht erreichbar ist, sollten Reisende ein Fax an den Reiseveranstalter schicken oder dort zumindest anrufen. Reklamationen beim Hotelpersonal und MItarbeitern der Fluggesellschaft reichen in der Regel nicht aus. Ebenfalls wichtig: die Dokumentation von Mängeln. Reisende sollten Ablauf und Umstände ausreichend genau protokollieren und möglichst Fotos oder Videos machen. Wenn es zum Streit kommt, können Zeugen weiterhelfen. Besser als Partner und Angehörige sind unabhängige Zeugen. Sie sollten möglichst nicht zu weit entfernt wohnen und deutsch sprechen. Die Kosten für Anreise und Übersetzung erhöhen im Streitfall die Gerichtskosten. Unter Umständen verlangt das Gericht einen Vorschuss, bevor es Zeugen und Dolmetscher vorlädt.

Extra-Geld in Härtefällen

Wenn die Reise völlig ins Wasser fällt, ist eine Entschädigung für entgangene Urlaubsfreude drin. Beispiel: Unmittelbar vor dem Reisestart stellt sich heraus, dass das Hotel überbucht ist und auch kein angemessenes Ausweichquartier zur Verfügung steht. Voraussetzung für den Anspruch auf Ersatz: Der Reiseveranstalter ist verantwortlich. Wenn höhere Gewalt im Spiel ist, müssen Reisende zwar nicht zahlen und bekommen schon überwiesenes Geld zurück, erhalten aber keine Entschädigung.

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