Außer­halb der Euro-Länder tappen Reisende am Geld­automaten und beim Bezahlen leicht in die Falle. Die Abhebung kostet plötzlich viel mehr, als erwartet. Hier lesen sie, was Finanztest-Leser auf Ihren Reisen erlebt haben. Wie man Auto­matenfallen erkennt und umgeht, lesen Sie im Test „Touristenfalle Geldautomat“.

Ein deutlich schlechterer Wechselkurs

Für das Ehepaar Lange kam unser Beitrag im Juni-Heft von Finanztest zu spät. Erst nach der Rück­kehr von ihrer Kroatienreise lasen die beiden unseren Bericht über die Fallen an Geld­automaten außer­halb der Eurozone. Sie sind nun für künftige Reisen gewarnt. Wir hatten geschildert, wie unsere Tester dazu verleitet werden sollten, beim Geld­abheben die Sofortum­rechnung in Euro zu wählen. Sie hätten so einen schlechten Wechselkurs bekommen und zwischen 2,5 und 9,6 Prozent Verlust gemacht. Das passiert mit Girocards (ehemalige ec-Karte), Kreditkarten und der Post­bank Sparcard.

Erst der Auszug zeigte die Abzocke

Reisekasse Special

Erst der Abrechnungs­beleg machte Iris und Jürgen Lange klar, dass sie am Geld­automaten in Kroatien abge­zockt wurden.

„Diese Abzocke können wir bestätigen“, schrieb uns Jürgen Lange. „Die auf dem Display so eigen­artig beschriebene Wahl­möglich­keit muss mich verunsichert haben, sodass ich beim Abheben von 2 000 Kuna (etwa 264 Euro) die Sofortum­rechnung in Euro wählte. Zuhause stellte Lange im Konto­auszug fest, dass er fast 280 Euro bezahlt hatte, rund 16 Euro mehr als für eine gleich hohe Abhebung an einem anderen Auto­maten zwei Tage zuvor. Dort gab es die Sofortum­rechnung nicht.

Auto­maten­betreiber kassiert ab

Die 16 Euro gehen auf das Konto des Geld­automaten­betreibers. Er kassiert beim Umrechnen. Verzichtet der Kunde auf die Sofortum­rechnung, meldet der Betreiber den Abhebe­betrag in Landes­währung der Heimatbank des Kunden. Erst diese rechnet dann – meist fair – in Euro um.

Gleiche Falle beim Einkaufen

Jürgen Lange ist einer von über 60 Finanztest-Lesern, die auf unseren Aufruf im Juni reagiert haben. Wir wollten wissen, welche Erfahrungen sie an Geld­automaten in Nicht-Euro-Ländern gemacht haben. Leser warnten uns, dass die Sofortum­rechnung in Euro auch beim Bezahlen angeboten wird: So geschehen in Abu Dhabi beim Bezahlen einer Hotel­rechnung, in Dubai im Supermarkt, in Polen an einer Tank­stelle und in einem Mode­laden in London.

Abzocke aus neun Ländern bekannt

Unsere Ergeb­nisse für die Auto­maten bestätigten und ergänzten die Leser: Die Sofortum­rechnung boten Geräte in Tschechien und der Schweiz immer, in Polen, Groß­britannien und der Türkei manchmal an. Die Liste unserer fünf Länder aus dem Test können wir um vier erweitern. Auch in Russ­land, Ungarn, Kroatien und vereinzelt in Dänemark stießen Leser auf die Eurofalle.

Kurs­auf­schlag wird oft verschwiegen

Bestätigt wurden wir auch darin, dass die Auto­maten­betreiber bei der Sofortum­rechnung nicht nur einen schlechten Kurs nehmen, sondern auf dem Display den Kurs­auf­schlag vor der Abhebung oft verschweigen oder dreist lügen. An vielen Auto­maten steht zum Beispiel „0%-Commission“ – ohne Gebühren. Manchmal ist allgemein von Zuschlag die Rede, ohne seine Höhe zu nennen. Ein Leser fand erst nach dem Abheben in der Schweiz auf der Auto­matenquittung den Hinweis auf einen Umrechnungs­zuschlag von 3 Prozent. Auf Quittungen aus Ungarn und Polen hießt es „Wechselkurs plus Marge“. Auf dem Konto­auszug zuhause ist der Zuschlag nicht zu erkennen, denn es wird der Euro-Betrag abge­bucht, den der Auto­maten­betreiber in Rechnung stellt.

Bewusste Irreführung am Auto­maten

Viele Reisende ärgerten sich zu Recht über miss­verständliche Bild­schirm­anzeigen. Einen typischen Fall erlebte unser Leser Christian Drescher an einem Geld­automaten im Nach­barland Polen. Auf dem Bild­schirm stand, dass Kurse von Fremdwährungs­trans­aktionen stetigen Schwankungen unterliegen und ob er nicht einen „fixen Kurs“ wolle. Der Kurs wurde ange­zeigt, dahinter stand „Gebühren 0 %“. Als Drescher „Nein“ wählte, wurde insistiert: „Die Mehr­zahl unserer Kunden entscheidet sich für diese DCC-Option.“ Christian Drescher musste „Unbe­kannter FX“ wählen, um eine faire Abrechnung zu bekommen.

Der Trick mit den Farben

In anderen Fällen färbt sich die Anzeige für die Abrechnung in Landes­währung rot und die Anzeige für die ungüns­tige Euro-Umrechnung grün. Wir meinen, so sollen Reisende ganz bewusst in die Falle gelockt werden. Wer in die Falle getappt ist, kann sich dann nicht bei seiner Haus­bank beschweren, denn den Mehr­betrag hat in diesem Fall der Auto­maten­betreiber kassiert. Wer das ist, wird nicht immer sofort klar. Interna­tionale Finanz­dienst­leister wie „Euronet“ über­nehmen immer häufiger den Geld­automaten­betrieb von Banken im Ausland. Ihr Logo auf den Geld­automaten ist meist viel kleiner als das der Bank, für den der Dienst­leister den Auto­maten betreibt.

Teure Auto­maten an Touristenplätzen

Reisekasse Special

Sebastian van Treeck hat den schlechten Wechselkurs erkannt und die Falle vermieden.

Wie teuer die Sofortum­rechnung wird, hängt auch vom Stand­ort des Geld­automaten ab, berichten mehrere Reisende. Sebastian van Treeck fiel ein Geld­automat auf dem Flughafen der ungarischen Haupt­stadt Budapest im Ankunfts­bereich auf. „Der Auto­mat zeigt vor dem Abheben den Kurs an. Ich hatte mich schon in Tegel beim Abflug über den Währungs­rechner des Banken­verbandes online informiert. Deshalb sah ich, dass der ange­zeigte Kurs sehr schlecht war und konnte den Vorgang abbrechen.“ Ein anderer Auto­mat in der Innen­stadt bot einen wesentlich besseren Kurs.

Gute Vorbereitung hilft

Reisekasse Special

Vor ihren Polen-Reisen hat sich Katrin Schneider gründlich informiert.

Wie wichtig es ist, sich vor der Reise über den Kurs zu informieren, berichtet auch Leserin Katrin Schneider. Sie reist sehr häufig nach Polen. „Ich habe mich vorher schlau gemacht, wie der Euro zum Złoty steht. Deshalb ist mir gleich aufgefallen, dass der angeblich ,sichere Kurs’ für die Abrechnung in Euro wesentlich schlechter war.“

Dieser Artikel ist hilfreich. 32 Nutzer finden das hilfreich.