Reisekasse Test

Ein Geldautomat auf Bali. Unseren Testern ist es nicht gelungen, mit der American-Express-Karte Bargeld abzuheben.

Beim Geldziehen an Automaten im Ausland stellten unsere Tester riesige Preisunterschiede fest. Die Auswahl der Karte entscheidet über den Kurs und die Gebühren.

Zum Bargeldholen auf Auslandsreisen sind die Mastercards der KarstadtQuelle Bank und der Santander Consumer Bank tabu. Unser Test beweist, dass die beiden Kreditkarten an ausländischen Automaten viel zu teuer sind.

Testpersonen haben für uns in der Schweiz 50 Franken abgehoben und in Indonesien 500 000 Rupien, beides entspricht – ohne Gebühren – knapp 33 Euro. In der Schweiz ist das oft der Mindestabhebebetrag, in Indonesien der Höchstbetrag.

Ungefähr 33 Euro rechneten die günstigsten Anbieter auch ab. KarstadtQuelle und Santander Consumer schlugen auf dieselbe Auszahlung mehr als 6 Euro drauf.

Finanztest hatte die Testpersonen mit 20 Plastikkarten nach Indonesien und in die Schweiz geschickt, um dort an einem vorgegebenen Tag Bargeld am Automaten zu ziehen. Sie setzten zwölf Kreditkarten verschiedener Banken von Mastercard und Visa ein, eine Kreditkarte von American Express, sechs Bankkundenkarten (ec-/Maestro-Karten) und die Postbank Sparcard.

Wir wollten wissen, wer das heimische Konto mit dem geringsten Betrag belastet. Wir waren gespannt, welche Kosten die Banken berechnen und welche Kurse sie bei der Umrechnung in Euro stellen.

Gebühren und Kurse

Reisekasse Test

Sogar Automaten, die der Geldautomatenfinder auf der Homepage von American-Express empfahl, akzeptierten die Karte nicht.
Nach unserem Test waren diese Angaben allerdings auch von der Homepage von American Express verschwunden.

Am günstigsten waren die Karten, für die der Herausgeber außerhalb des Euro-Raums auf die übliche Geldautomatengebühr und Auslandseinsatzprovision verzichtet: die Postbank Sparcard und die Visa-Kreditkarten von comdirect bank und DKB.

Wegen der geringen Abhebebeträge fiel besonders der Verzicht auf die Automatengebühr ins Gewicht, weil zum Beispiel für Kredikarten oft mindestens 5 Euro fällig sind. Die drei Siegerkarten bescherten den Kunden aber auch faire Kurse. Als Messlatte haben wir für die Indonesische Rupie den Kurs der Europäischen Zentralbank und für die Schweizer Franken den EuroFX-Kurs vom Abhebetag angesetzt.

Die schlechtesten Kurse berechneten die Citibank und die KarstadtQuelle Bank und machten so ein zusätzliches Geschäft. Im Test ergab das zwar nur einen Unterschied von rund 80 Cent (Indonesische Rupien) und 40 Cent (Schweizer Franken) zum besten Kurs. Doch bei größeren Abhebebeträgen ist die Differenz beträchtlich.

Hätten unsere Tester zum Beispiel 500 Schweizer Franken mit der Mastercard von KarstadtQuelle abgehoben, hätten sie allein über den Kurs rund 4 Euro verloren.

Neben den Kartenherausgebern stellten uns auch die Automatenbetreiber Gebührenfallen. Wer in der Schweiz die Taste „Belastung in Euro“ wählte, zahlte 2,5 Prozent drauf – mit jeder Karte (siehe Foto).

Bargeld mit der ec-Karte

Reisekasse Test

Aufgepasst, sonst wird es teuer: Kreditkartenbesitzer, die am schweizerischen Geldautomaten ihrem Reflex folgen und das Feld „Belastung in Euro“ tippen, machen Miese.
Der Kurs für den auf dem Display erscheinenden Euro-Betrag wurde vom Betreiber des Geldautomaten gestellt und enthält einen Aufschlag von 2,5 Prozent. Die Höhe des Aufschlags war nicht an jedem Automaten zu erkennen.
Wenn der Kunde „Belastung in CHF“ wählt, wird der Kurs vom deutschen Kartenanbieter gestellt. In unserem Test war das immer günstiger.

Aufgepasst, sonst wird es teuer: Kreditkartenbesitzer, die am schweizerischen Geldautomaten ihrem Reflex folgen und das Feld „Belastung in Euro“ tippen, machen Miese.
Der Kurs für den auf dem Display erscheinenden Euro-Betrag wurde vom Betreiber des Geldautomaten gestellt und enthält einen Aufschlag von 2,5 Prozent. Die Höhe des Aufschlags war nicht an jedem Automaten zu erkennen.
Wenn der Kunde „Belastung in CHF“ wählt, wird der Kurs vom deutschen Kartenanbieter gestellt. In unserem Test war das immer günstiger.

Bargeld ziehen mit der Bankkundenkarte (ec-/Maestro-Karte) ist nicht mehr generell günstiger als mit der Kreditkarte. Das war noch vor einigen Jahren so. Doch auch mit der Bankkundenkarte wird immer eine Geldautomatengebühr fällig. In unserem Test waren es zwischen 2,56 Euro pauschal bei der Volkswagen Bank direct und 4,99 Euro Mindestgebühr bei der Postbank.

Geldabheben mit ec-/Maestro-Karte ist nur noch im Vergleich zu Kreditkarten mit den üblichen Gebühren günstiger. Bei den wenigen Banken, die wie die Volkswagen Bank direct eine pauschale Automatengebühr berechnen, wird zumindest das Abheben hoher Beträge relativ preiswerter.

Die teuerste Karte im Test wäre eigentlich die Maestro-Karte der DKB gewesen. Denn laut Preisverzeichnis beträgt die Geldautomatengebühr mindestens 10 Euro. In unserem Test wurden aber nur 2,56 Euro berechnet. Die DKB bestätigte auf Nachfrage, dass das ein technischer Fehler war und sonst wirklich 10 Euro fällig sind.

Die Kursaufschläge fielen bei den Bankkundenkarten meist etwas moderater aus als bei den Kreditkarten. Sechs Banken waren mit Bankkundenkarten und Kreditkarten im Test. Doch selbst dann fielen die Umrechnungskurse der Karten unterschiedlich aus. Offenbar greifen die Banken je nach Karte auf unterschiedliche Quellen für die Kurse zurück oder treiben auch hier eine unterschiedliche Gebührenpolitik.

Undurchsichtige Abrechnungen

So übersichtlich wie in unserer Tabelle „Was Bargeld am Automaten kostet“ finden Bankkunden die Gebühren und den abgehobenen Betrag auf ihren Belegen selten. Auf den Kreditkartenabrechnungen und den Girokontoauszügen ging es kunterbunt zu.

Keine Bank hatte eine einwandfreie Abrechnung. Sie sollte zeigen, an welchem Tag Geld abgehoben wurde und in welchem Ort. Der Kunde muss erkennen können, welchen Betrag er in Landeswährung abgehoben hat und welcher Kurs pro Euro gilt. Wichtig ist auch die Angabe, von welchem Tag der Kurs stammt und wie hoch der Betrag in Euro ist. Deutlich ist eine Abrechnung, wenn die Gebühren in Prozent und als Betrag gesondert vom Gesamtbetrag aufgeführt werden. Die ING-Diba, die Volkswagen Bank direct und die Hypovereinsbank verstecken die Auslandseinsatzprovision beispielsweise im Kurs.

Zu den undurchsichtigsten Abrechnungen zählt die von American Express: Unsere Tester fanden lediglich auf ihrem Girokontoauszug unter dem Stichwort „Express Cash“ den Endbetrag von 38,37 Euro. Sie erfuhren weder Ort, Kurs noch die Gebühren für ihre Auszahlung.

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