Ausländische Geldautomaten: Aufgepasst und nachgedacht – teure Fallen beim Geldziehen

Geldabheben an Automaten in Ländern mit Euro-Währung ist meist unproblematisch. Der abgehobene Betrag plus möglicher Gebühren erscheint auf dem Kontoauszug oder der Kreditkartenabrechnung. Fallen lauern außerhalb der Euroländer.

Geldabheben im Ausland läuft im wesentlichen wie in Deutschland ab. Aber der Teufel steckt im Detail.

Häufig kann der Urlauber die Sprache wählen, in der das Auswahlmenü erscheinen soll. Danach muss er die persönliche Geheimzahl (Pin) eingeben und auswählen, welchen Betrag er haben möchte. Solange es sich um Euro-Währung handelt, ist das kein Problem. Er drückt eine der vorgeschlagenen Betragstasten. Zuhause stehen dann auf dem Kontoauszug oder der Kreditkartenabrechnung der abgehobene Betrag und die Gebühren. Das ist nicht immer übersichtlich, aber meist mit gutem Willen nachvollziehbar.

Etwas schwieriger wird es beim Abheben ausländischer Währung, denn dann muss irgendwann eine Umrechnung in Euro erfolgen. Im üblichen Fall übernimmt das der kartenausgebende Anbieter, zum Beispiel die Bank, die das Girokonto des Reisenden führt und ihm seine Bankkarte ausstellt, oder der Herausgeber seiner Kreditkarte.

Geldautomatenbetreiber können ihren Kunden aber anbieten, den Betrag direkt in Euro umzurechnen. Doch in diesem Fall leidet die Klarheit und es wird viel teurer. Zusätzliche Gebühren werden im Umrechnungskurs versteckt. In unserem Test im vorigen Jahr war das immer die schlechtere Variante.

Zwei auffällige Beispiele zeigen unsere Fotos aus der Schweiz und England.

1. Beispiel: Geldautomat Schweiz

Reisekasse Meldung

Reiseziel Schweiz. Nur wenn der Urlauber das Feld „Belastung in CHF“ wählt, gilt der Kurs des deutschen Kartenanbieters. Das ist fast immer günstiger als die Abrechnung in Euro.

Reiseziel Schweiz. Nur wenn der Urlauber das Feld „Belastung in CHF“ wählt, gilt der Kurs des deutschen Kartenanbieters. Das ist fast immer günstiger als die Abrechnung in Euro.

Tester von Finanztest bekamen 2009 bei vielen Banken diese oder eine ähnliche Anzeige zu sehen (siehe Foto). Sie konnten wählen zwischen der Belastung in Schweizer Franken (CHF) und der Belastung in Euro (EUR). Deutsche Urlauber, die ihrem Reflex folgen und die Abrechnung in der Heimatwährung wählen, machen Miese, weil sie einen überhöhten Umrechnungszuschlag zahlen müssen. Die Folge: rund 8,50 Euro Aufschlag für eine Abhebung von 500 Schweizer Franken.

Auf dem Bildschirm fehlt der Hinweis auf den Zuschlag von 2,5 Prozent auf den abgehobenen Betrag. Er ist auch in der Abrechnung nicht ausgewiesen.

2. Beispiel: Geldautomat England

Reisekasse Meldung

Reiseziel England. Wählt der Urlauber die grüne Taste „Accept Home Offer“, rechnet der ausländische Automatenbetreiber ab. Das ist meist teuer. Günstiger ist die Abrechnung über den deutschen Kartenherausgeber (Issuer). Dafür steht die rote Taste „Accept Issuer Offer“.

Reiseziel England. Wählt der Urlauber die grüne Taste „Accept Home Offer“, rechnet der ausländische Automatenbetreiber ab. Das ist meist teuer. Günstiger ist die Abrechnung über den deutschen Kartenherausgeber (Issuer). Dafür steht die rote Taste „Accept Issuer Offer“.

Eine Reisende hat nach Ankunft auf dem Flughafen Bristol 500 britische Pfund (zirka 568 Euro) mit ihrer Postbank Sparcard am Geldautomaten von Travelex abgehoben. Die Postbank berechnet keine Geldautomatengebühr und keine Auslandseinsatzprovision. Der Betrag wird von der Postbank zum EuroFX-Kurs fair umgerechnet.

Die Reisende drückte aber intuitiv auf die grüne Abrechnungstaste „Accept Home Offer“ und entschied sich damit – ohne es zu wissen – für die Währungsumrechnung durch den Automatenbetreiber. Erst die anschließend ausgegebene Quittung klärte sie darüber auf, dass sie soeben einen Aufschlag von 5 Prozent auf den Kurs zahlen musste. Auf dem Bildschirm hätte sie das nur merken können, wenn sie erkannt hätte, dass der angebotene Kurs sehr schlecht war.

Wie das Bildschirmfoto zeigt, gibt es vorher keine Informationen über zusätzliche Kosten. Im Gegenteil: unter „Commission“ (Gebühr) erscheint 0,00 Euro. Ein Laie kann kaum erkennen, dass zwei Abrechnungsvarianten angeboten werden. Die grüne Taste „kostete“ die Urlauberin rund 29 Euro.

Tipp: Wenn Sie erkennbar die Wahl haben, wählen Sie immer die Abrechnung in Landeswährung. Zudem ist es hilfreich, wenn Sie sich kurz vor dem Geldabheben über den Kurs Ihrer Reisewährung informieren. Dann können Sie erkennen, ob der Anbieter fair abrechnet.

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