Immer wieder fallen Verbraucher auf vermeintliche Gewinne herein. Doch umsonst ist nichts. Die gewonnenen Reisen erweisen sich nicht selten als teure Horrortrips.

Alfred Jähnke ist ein aufgeklärter Verbraucher, der seit Jahrzehnten regelmäßig test liest. Und doch ist er auf einen angeblichen Reisegewinn hereingefallen. „Trotz gewisser Bedenken“, so berichtet er etwas zerknirscht, „traten meine Freundin und ich im Februar eine Türkeireise an, die ich bei einem Preisausschreiben eines Stromkonzerns gewonnen hatte.“ Seine Befürchtungen wurden noch weit übertroffen. „Was wir erlebt haben“, so Jähnke, „war reine Bauernfängerei.“

Nicht nur, dass von Gewinn keine Rede sein konnte, denn etliche Leistungen mussten teuer bezahlt werden. Die angepriesenen Traumhotels entpuppten sich teilweise als billige Absteigen auf freiem Feld und die Qualität des Essens war häufig weit entfernt von den versprochenen „türkischen Köstlichkeiten“. „Nur die Preise für die Getränke“, so Jähnke bitter, „bewegten sich in der Luxusklasse.“ Das Schlimmste aber waren die vielen Verkaufsveranstaltungen, die die Rundreise zur Tortur machten. Stundenlang wurden die Reisegewinner in Teppichknüpfereien, Schmuck- und Lederge­schäften festgehalten und in aufdringliche Verkaufsgespräche verwickelt.

„Für den gleichen Preis“, so Jähnkes Fazit, „hätten wir einen tollen Urlaub auf den Kanaren verbringen können.“

Gewinner zahlen meist drauf

Deutschland wird seit ein paar Jahren geradezu von einer Gewinnwelle überrollt. Kaum einer, der nicht schon mal ein Schreiben in seinem Briefkasten fand, das mit den Worten beginnt: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen.“ Wohl dem, der dem rigorosen Rat der Verbraucherzentrale Hamburg folgt: „Nicht mitfahren! Nichts bestellen! Nicht anrufen.“ Denn wer seinen angeblichen Gewinn in Anspruch nimmt, zahlt meist drauf. Die Hamburger Verbraucherschützer führen eine schwarze Liste mit unseriösen Gewinnspielbetreibern, die schon über 460 Firmen enthält (siehe Tipps), darunter übrigens auch den Anbieter von Alfred Jähnkes Reisegewinn. Offenbar lebt eine ganze Branche von der Gutgläubigkeit vieler Menschen.

Denn das Geschäftsmodell fußt auf falschen Versprechungen. In den Gewinnbriefen, so die Verbraucherzentrale Hamburg, „wird gelogen, dass sich die Balken biegen.“ Der Gewinn schrumpft in der Praxis meist auf ein Minimum, die Kosten, die der Beschenkte zu tragen hat, wachsen dagegen beträchtlich. Sie landen fast immer bei Summen, für die man eine seriöse Reise buchen kann, bei der die versprochenen Leistungen auch wirklich inklusive sind.

So wird bei „Gratisreisen“ abkassiert

Die Gewinnspielbetreiber lassen sich immer wieder neue Varianten einfallen, wie sie ihre Kunden bei einer „Gratisreise“ abkassieren können. Zum Beispiel:

  • Der Gewinn umfasst nur die Übernachtung, eventuell mit Frühstück. Die Anreise und übrige Verpflegung müssen dazugebucht werden, oft zu überhöhten Preisen.
  • Der Gewinn gilt nur für eine Person. Die Begleitperson muss voll zahlen.
  • Anmeldegebühren, Eintrittspreise und Einzelzimmerzuschläge werden so hoch angesetzt, dass die Reise damit bezahlt ist.
  • Sogenannte Übergabeveranstaltungen entpuppen sich als Verkaufsveranstaltungen, auf denen einem so manches aufgedrängt wird, nur nicht der Gewinn.

„Wir kamen uns vor wie Geiseln“

Besonders ärgerlich sind die vielen Verkaufsveranstaltungen während der Reise. Vor allem in der Türkei werden die Gäste beim Hotelwechsel immer wieder zu Teppich-, Schmuck- und Lederfabriken gefahren, wo ihnen etwas aufgeschwatzt wird. Die Verkaufsstopps ziehen sich fast immer in die Länge, sodass für die angekündigte Sehenswürdigkeit fast gar keine Zeit mehr bleibt. Die Teilnahme ist zwar freiwillig, ausweichen kann man aber kaum, weil sich die Fabriken meist irgendwo auf dem platten Land befinden.

Mitunter wird sogar zu rüden Methoden gegriffen. So schrieb uns ein Leser aus Leipzig: „Wir kamen uns vor wie Geiseln, denn die Türen wurden verschlossen. Und da niemand etwas kaufen wollte, wurden die Verkäufer immer aggressiver.“

Die Amerikaner sagen: „There are no free lunches.“ Wenn dich jemand zum Essen einlädt, will er etwas von dir. Das gilt erst recht, wenn Gewerbetreibende angebliche Geschenke verteilen. Zwar besagt Paragraf 661 a BGB, dass Gewinnzusagen erfüllt werden müssen, und es gibt auch etliche Gerichtsurteile, die die Ansprüche der Beschenkten bestätigen, das versprochene Geld bekommt aber trotzdem niemand. Entweder residieren die Firmen unerreichbar im Ausland oder sie sind in Konkurs gegangen. Die Kläger bleiben auf den Anwalts- und Gerichtskosten sitzen.

Preiswerte Reisen gibt es genug

Für Hartgesottene lässt sich aber auch aus den Reisegewinnen etwas machen. Wer konsequent auf alle kostenpflichtigen Zusatzleistungen verzichtet und bei Verkaufsverhandlungen hartnäckig nein sagt, kann mitunter tatsächlich einen preiswerten Urlaub verleben. Ob unter diesen Bedingungen eine entspannte Urlaubsstimmung aufkommt, ist aber fraglich.

Preiswerte Reisen, die oft nicht mehr kosten als die vermeintlichen Gratisangebote, gibt es reichlich, ob im Reisebüro, vom Discounter oder im Internet. Das sind in der Regel seriöse Angebote, die halten, was sie versprechen. Und wenn mal etwas schiefgeht, kann man notfalls im Nachhinein den Preis mindern. Die geschenkte Reise wird dagegen häufig zum Horrortrip.

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