Reiseärger

Reiseärger: Ärger mit Aida

20.07.2004

Mitunter ändern Reiseveranstalter das Programm noch kurz vor der Abfahrt. Ein anderes Hotel oder einen verschobenen Reisetermin müssen Urlauber aber nicht immer hinnehmen.

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Thomas Weisgerber war ein wahrer Aida-Fan. Neunmal ist er auf dem Clubschiff gewesen, nun ist er sauer. „Die Rückreise organisiert Veran­stalter Seetours dilettantisch.“

Tatsächlich werden Aida-Reisende keineswegs immer zurück zum Abflugort gebracht. Der Berliner Weisgerber und seine Begleiter sollten 2003 vom Mittelmeer nach Frankfurt am Main zurückfliegen und dann selber weitersehen. Er widersprach vor Reisebeginn, Seetours versprach eine Prüfung. Letztlich blieb es bei Frankfurt. Von da gebe es doch günstige Flüge nach Berlin, meinte Seetours.

„Notgedrungen haben wir selbst bezahlt. Freunde hatten die Reise bereits gebucht, uns blieb keine Wahl.“ Zuvor hatte Weisgerber erklärt, dass er das Geld zurückverlangen werde. „Den Ärger hatten wir schon oft. Dabei hat Seetours viel Zeit für die Organisation.“

Zu allem Überfluss erreichte Weisgerbers Gruppe den bereits gebuchten Berlinflug aufgrund einer Flugverspätung nicht rechtzeitig und musste weitere Flüge zahlen.

Erfolglos verlangte Weisgerber Kostenerstattung (rund 1500 Euro). Mit Zahlung des Reisepreises habe er die unschönen Bedingungen eben akzeptiert, meinte das Amtsgericht Rostock (Az. 55 C 66/03). „Keineswegs“, sagt Thomas Weisgerber, „wir sind unter Vorbehalt gereist.“ Jetzt geht er in die Berufung.

Vor der Reise unter Druck

Der Fall Weisgerber ist knifflig, denn mit dem Widerspruch vor Reisebeginn ist umstritten, unter welchen Bedingungen der Vertrag abgeschlossen ­wurde. Klarer ist die Lage, wenn der Veranstalter nach einer verbindlichen Buchung plötzlich Änderungen mitteilt. Oft kommt es auf Feinheiten an:

  • Geringfügige Änderungen wie die Verlegung der Flugroute aus Sicherheitsgründen oder ein Hoteltransfer mit Bahn statt Bus sind hinzunehmen. Auch eine Verlegung der Reisezeiten um wenige Stunden ist erlaubt, ebenso die Umbuchung in ein anderes Hotel gleicher Lage und Qualität. Mindern lässt sich der Preis in solchen Fällen meist nicht. Im Zweifel kommt es darauf an, ob sich der Veranstalter die Änderungen vorbehalten hat und sie zumutbar sind.
  • Bei erheblichen Änderungen aber haben Reisende Rechte. Wer plötzlich mit dem Bus statt dem Flugzeug reisen soll, ein Innenstadthotel statt Strandlage bekommt oder bei einer Kreuzfahrt weniger Landgänge hinnehmen muss, hat drei Möglichkeiten.

So ist es häufig sinnvoll, dem Veranstalter per Einschreiben mit Rückschein mitzuteilen, dass man die Reise nur „unter Vorbehalt der Geltendmachung weiterer Ansprüche“ antrete. Am Urlaubsort kann man dann entscheiden, ob man etwa andere Zimmer verlangt, selbstständig das Hotel wechselt oder aber abreist. Möglich ist es auch, das veränderte Angebot des Veranstalters zu akzeptieren und den Reisepreis zu mindern (siehe „Tipps“).

Hat der Veranstalter fürs gleiche Geld vergleichbare Reisen im Angebot, kann man unter Berufung auf Paragraph 651 a des Bürgerlichen Gesetzbuchs Umbuchung fordern. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass angebotene Ersatzreisen zu akzeptieren sind.

Schließlich können Kunden bei unzulässigen Änderungen auch ohne Stornogebühren kündigen. Doch ratsam ist es, dem Veranstalter vor Kündigungs- oder Vorbehaltsschreiben selber eine Frist zu setzen, in der er Gelegenheit hat, Abhilfe zu schaffen. So wie der Urlauber, der plötzlich einen Tag früher abfliegen sollte. Er forderte seinen Reisepreis erfolgreich zurück (Landgericht München I, Az. 6 S 12501/03).

Eile ist immer geboten. Veranstalter setzen für die Kundenreaktion oft eine Frist von zehn Tagen, das Gesetz fordert eine „unverzügliche“ Reaktion. Wer sich nicht regt, riskiert seine Ansprüche.

  • Bei Streichung einer Reise kurz vor Urlaubsbeginn müssen Kunden keine Ersatzreise akzeptieren. So war ein Urlauber vor dem Oberlandesgericht Celle erfolgreich. Er bekam den Preis seiner teuren Reise zurück und erhielt für sich und seinen Begleiter insgesamt 3 000 Euro Schadenersatz (Az. 11 U 1/02).
  • Nachträgliche Preiserhöhungen sind nur unter strengen Voraussetzungen erlaubt. Liegen zwischen Reisebestätigung und Abreise weniger als vier Monate, sind sie verboten.

Wer früher gebucht hat, muss aber mit Nachforderungen rechnen, wenn sie sich der Veranstalter vorbehalten hat und sich Beförderungskosten, Wechselkurse oder Abgaben wie Flughafengebühren ändern. Erhöht sich dann der Preis aber um mehr als 5 Prozent vom Gesamtpreis, dürfen Urlauber kündigen. Andere Gründe („haben uns verrechnet“) zählen nicht. Und spätestens drei Wochen vor Reisebeginn sind Erhöhungen generell unzulässig.

Böse Überraschung am Urlaubsort

Mitunter kommt das dicke Ende ohne Vorankündigung. Der Pool ist dreckig, die Zimmer zu laut, die versprochene Kinderbetreuung fällt aus. Nach Angaben des Reiserechtlers Ernst Führich bemängeln Urlauber am häufigsten Unterkunft und Ausstattung. Auch Verpflegung, Lärm und schlechte Freizeiteinrichtungen sorgen für Verdruss.

Doch längst nicht jede Unannehmlichkeit berechtigt zur Preisminderung. Landestypische Insekten, Discolärm bis Mitternacht oder gelegentliches Warten aufs Essen akzeptieren Gerichte in der Regel nicht als Mangel. Das gilt auch für Diebstahlsgefahr oder starke Winde. Ebenfalls leer gehen Reisende aus, denen etwa eine Algenplage den Urlaub vermiest. Ausnahme: Der Veranstalter hat zugesichert, dass so etwas am Urlaubsort nicht vorkommt.

Ist aber der Veranstalter für Probleme verantwortlich, sollten Urlauber noch am Ort Abhilfe verlangen und bei erfolgloser Rüge nach der Heimkehr den Preis mindern (siehe „Tipps“). Doch was genau Reisende für eine kaputte Dusche oder den fehlenden Meerblick fordern können, lässt sich kaum klar beziffern. Einen Anhalt bietet zumindest die Frankfurter Tabelle, in der Daumenwerte für Minderungsquoten stehen. Gerichte halten sich aber nicht stoisch an diese Werte.

Tatsächlich ist es zunächst auch zweitrangig, ob man für den fehlenden Balkon nun 5 oder 10 Prozent des Reisepreises fordern kann. Wichtiger ist, die entsprechenden Seiten des Katalogs dabeizuhaben, um Anspruch und Wirklichkeit klar zu unterscheiden und bei Mängelrügen korrekt vorzugehen.

Dabei kommt es auf die im Katalog versprochene Leistung an. Was die freundliche Dame im Reisebüro noch alles versprochen hat, berechtigt im Zweifel nicht zur Minderung (Amtsgericht München I, Az. 34 S 8856/03).

Ganz wichtig ist Besonnenheit. Wer aus lauter Ärger sofort auf eigene Faust eine neue Unterkunft bucht, ohne der Reiseleitung Gelegenheit zu geben, das Problem zu lösen, stellt sich selbst ein Bein: Er kann später weder die Mehrkosten noch eine Minderung des Preises vom Reiseveranstalter verlangen (Landgericht Kleve, Az. 12 S 332/02).

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