Reise buchen Test

Urlaub genießen. Sieben Portale navigieren Kunden gut zur gewünschten Pauschal­reise.

Pauschal­urlaub lässt sich gut übers Internet buchen – sofern die Kunden wissen, was sie wollen und keine weiteren Fragen haben. Denn bei der Beratung hapert es gewaltig.

Mit nur einer Buchung alles Wichtige erledigen: Flug, Transfer, Hotel und oft noch viel mehr. Pauschal­reisen sollen Urlaub einfach machen. Wer sie übers Internet ordern möchte und Fragen dazu hat, wird ziemlich allein gelassen. Der Service von Onlineportalen hilft Kunden kaum weiter, zeigt unser Test.

Zwar beant­worten die Anbieter fast sämtliche E-Mails, auch ihre Telefonhotlines sind gut erreich­bar. Doch ihre Auskünfte lassen sehr zu wünschen übrig, selbst bei einfachen Fragen. So baten wir etwa um eine Empfehlung für ein barrierefreies Hotel auf Gran Canaria. Neckermann Reisen schickte eine Liste mit Hunderten behindertenfreundlichen Hotels auf der ganzen Welt – lediglich mit Ziel­gebiets­angabe, aber ohne den Ort zu nennen. Auch mit den Antworten der meisten anderen Anbieter konnten wir wenig anfangen, insbesondere mit denen per Mail.

Vermittler und Veranstalter

Schwache Beratung ist ein fast durch­gehender Makel der 14 Onlineportale im Test. Beim Suchen und Buchen sind viele deutlich besser. Sieben Portale schaffen insgesamt das Qualitäts­urteil gut.

Untersucht haben wir acht Onlineportale, die – wie traditionelle Reisebüros – Pauschal­reisen vieler verschiedener Veranstalter vermitteln. Dazu kamen fünf Portale von Unternehmen, die nur Reisen ihrer eigenen Veranstalter anbieten, und als Sonderfall das von FTI: Es vermittelt neben den Angeboten seiner 7 Unter­nehmens­marken auch die von 52 weiteren Veranstaltern.

Gleiche Reise, gleicher Preis

Alle getesteten Vermitt­lerportale greifen auf die Daten­bank von Traveltainment zu, einem der größten Vertriebs­systeme im Tourismus (Warum Pauschalreisen binnen Minuten teurer werden können). Identische Pauschal­reisen kosten somit bei allen Portalen dasselbe. Die Sortimente können sich aber unterscheiden: Nicht alle Portale vermitteln die Reisen der 120 Veranstalter, mit denen Traveltainment zusammen­arbeitet, und einige nutzen weitere Vertriebs­partner. Preis­vergleiche zwischen den Portalen können sich also lohnen.

Treffer­liste sortieren

Der Besuch im Online-Reisebüro startet mit der Suche nach passenden Angeboten. Der Kunde muss Reiseziel, Abflug­ort, Termin und Teilnehmerzahl eingeben. Dann bekommt er eine erste Treffer­liste, auf der er seine Wünsche präzisieren kann, etwa nach Hotelkategorie, Verpflegung oder Kundenbe­wertung.

Die Portale sortieren ihre Treffer­listen häufig nach dem Preis, aber auch nach wenig nach­voll­zieh­baren Kriterien wie Empfehlung, Relevanz oder Beliebtheit. Es empfiehlt sich, die Liste nach eigenen Wünschen neu zu sortieren.

Nicht alle Treffer in der Ergeb­nisdarstellung sind sofort buch­bar. Der Kunde muss meist mit einem Klick prüfen, ob eine ange­zeigte Reise verfügbar ist. Im Test war das fast immer der Fall.

Preis beob­achten

Während der Auswahl sollten Nutzer die Preise im Auge behalten. Wir haben bei jedem Portal 30 Reisen über­prüft. Bei etwa jeder vierten änderte sich der anfangs gezeigte Preis. In den meisten Fällen davon wurden die Reisen teurer. Weit­gehend preisstabil blieben die Angebote bei Check24, Holidaycheck, ITS, Schauinsland-Reisen und Tui.

Besonders negativ fällt Ab-in-den-Urlaub auf: Bei 17 von 30 Reisen stieg der ange­zeigte Preis nach dem Check der Verfügbarkeit – mitunter deutlich.* So sollte ein All-Inclusive-Urlaub nach Punta Cana in der Dominika­nischen Republik laut erster Anzeige 1 161 Euro kosten. Nach der Verfügbarkeits­prüfung waren es 1 436,50 Euro.

Ab-in-den-Urlaub gehört zur Unister Holding, die sich unter Insolvenz­verwaltung befindet. Für Kunden besteht kein finanzielles Risiko, wenn sie in dieser Phase über das Portal buchen, da alle wichtigen Geld­flüsse über die Veranstalter laufen und der Sicherungs­schein sie schützt. Wir können es dennoch nicht empfehlen.

Ab-in-den-Urlaub belegt den mit Abstand letzten Platz im Test. Neben den vielen Preissteigerungen stört etwa auch die unüber­sicht­liche Webseite mit viel Werbung und dass der Vermittler Kunden aufdringlich zu Versicherungs-Abos drängt.

Haken bei Reisen mit X

Etwa die Hälfte der Angebote sind klassische Pauschal­reisen, wie sie in den Katalogen der Veranstalter zu finden sind. Die andere Hälfte sind sogenannte dyna­misch produzierte Reisepakete: Ein Computer schnürt sie in dem Moment, in dem der Kunde seine Anfrage stellt, mit aktuellen Preisen. Dyna­mische Angebote sind meist an einem X im Veranstalter­namen zu erkennen.

Sie haben einen Haken: Es können schon mal Leistungen fehlen, die typischer­weise zu Pauschal­reisen dazu­gehören – etwa der Transfer vom Flughafen zum Hotel. Außerdem sind die Anzah­lungen zum Teil gepfeffert. Mitunter mussten wir im Test sofort den vollen Preis bezahlen, obwohl die Reise erst in sieben Wochen starten sollte. Nach der aktuellen Recht­sprechung ist eine Anzahlung von maximal 20 Prozent erlaubt. Auffällig: Die hohen Anzah­lungen betrafen fast immer Reisen des Hamburger Veranstalters Tropo.

Problemlos buchen

Wir buchten bei jedem Portal drei Reisen und stornierten sie anschließend. Das funk­tionierte fast immer problemlos. Erfreulich ist, dass zwei unfreundliche Praktiken, die wir in voran­gegangenen Tests kritisiert haben, diesmal nicht auftauchten: In keinem Fall war der Abschluss von Versicherungen voreinge­stellt, und sämtliche Anbieter akzeptierten mindestens eine gängige Zahlungs­methode ohne Aufschlag – etwa Bank­einzug oder Über­weisung. *

Hinder­nisse beim Reser­vieren

Wer nicht verreisen kann, muss meist kosten­pflichtig stornieren. Ab-in-den-Urlaub bietet oft eine kostenlose Reser­vierung am Tag der Buchung bis 17 Uhr an. Bei einer Test­buchung funk­tionierte es aber nicht. Bei Check24 konnten wir die kostenlose Stornierung inner­halb von 24 Stunden erst nach telefo­nischer Intervention nutzen.

Für vieles vor und nach dem Buchungs­klick ist nicht das Buchungs­portal verantwort­lich, sondern der Veranstalter. Er bestimmt zum Beispiel die Höhe der Anzahlung, die möglichen Zahlungs­mittel sowie die Stornierungs­bedingungen (Fallen beim Buchen).

Nutzer­daten werden ausgewertet

Auf den Webseiten aller Anbieter laufen im Hintergrund Tracking- oder Webanalysetools, sodass Kunden­daten aus den Such­anfragen auf Speichern irgendwo auf der Welt landen. Fluggesell­schaften, Reise­ver­anstalter und Versicherungen können sie auswerten. Nutzer sehen es etwa daran, dass auf ihrem Bild­schirm Werbung für Reiseziele aufploppt, die sie gerade gesucht haben. Verhindern können sie den Zugriff, indem sie für ihren Netz-Browser keine Cookies zulassen. Das sind Daten­pakete, die Anbieter auf Nutzer-Computern ablegen. Leider funk­tionieren viele Buchungs­portale ohne Cookies nicht mehr richtig.

* Passage korrigiert am 23. Dezember 2016

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