Die billigsten Reifen im Test sparen auf Kosten der Sicherheit. Das muss nicht sein – wir haben auch „gute“ preiswerte Pneus gefunden.

Schlechte Fahreigenschaften, extrem verlängerte Bremswege, Aquaplaning und eine mangelhafte Seitenführung bei Nässe – das kennzeichnet die vier „mangelhaften“ Reifen in diesem Test: den Avon CR322 Enviro, den Tigar TG 621 und die beiden sehr billigen Trayal T400 und Wanli S1095.

Als besonders schwach zeigte sich der Trayal T400, der als Einziger im Test selbst auf trockener Straße „mangelhaft“ abschnitt. Positiv an diesem Reifen sind nur seine „gute“ Verschleißfestigkeit und der niedrige Kraftstoffverbrauch, was dem Autofahrer aber kaum etwas nutzt. Die längere Haltbarkeit und den niedrigen Kraftstoffverbrauch erkauft er sich durch Mängel in der Sicherheit. Das ist fatal. Der Bremsweg auf nasser Fahrbahn ist zwei bis drei Wagenlängen größer als beim besten „guten“ Reifen.

Bei den schlechten Fabrikaten handelt es sich meist um weniger bekannte Reifen, die zunehmend auf dem deutschen Markt auftau­chen, gelegentlich sogar als Drittmarke namhafter Reifenanbieter.

Ist das zu viel verlangt?

Sicheres Fahrverhalten, kurze Bremswege auch auf nasser Fahrbahn – das sind die wesentlichen Anforderungen an einen guten Autorei­fen. Außerdem soll er leise abrollen, Kraftstoff sparen und möglichst lange halten. Ist das zu viel verlangt? Offenbar ja. Das gilt nicht nur für die vier „mangelhaften“ und den „ausreichenden“ Reifen, den Sava Perfecta. Auch unter den besseren Pneus gibt es keinen einzigen, der diese Ansprüche in allen Punkten gleichermaßen „gut“ erfüllt.

Dass Reifen mit einem geringen Rollwiderstand und solche mit einer hohen Verschleißfestigkeit Probleme auf nasser Straße haben können, ist aus vielen früheren Tests bekannt. Die aktuelle Untersu­chung beweist aber, dass es auch Reifenhersteller gibt, die hier einen ordentlichen Kompromiss schaffen.

Für den Vergleichstest, den wir wieder mit dem ADAC und weiteren europäischen Autoclubs und Verbraucheror­ga­ni­sationen durchgeführt haben, wurden 18 Kleinwagenreifen und 19 Pneus für Autos der Kompakt- und Mittelklasse ausge­wählt. Als Testwagen nutzten wir Fahrzeuge der Marke Ford Fiesta für die kleinen Reifenformate und den Volkswagen Golf für die größeren.

Sommerreifen mit M&S-Zeichen?

Wenn im Frühjahr die Temperaturen wieder in den zweistelligen Plusbereich klettern, empfiehlt es sich, die Winterreifen fachgerecht einzulagern und Sommerreifen zu montieren. Die unterscheiden sich nicht nur im Profilbild von Winterreifen, sondern auch durch ihre Gummimi­schung. Bei Winterpneus ist das Gummi weicher, daher bei Kälte griffiger. Sie sind am M&S-Zeichen – es steht für Matsch und Schnee – auf der Reifenflanke zu erkennen. So führte es denn auch zu einiger Verwunderung, dass die drei „mangelhaften“ Reifen von Tigar, Trayal und Wanli das M&S-Zeichen tragen. Der Tigar ist sogar mit „All Season“ beschriftet, er ist demnach also ein Ganzjahresreifen. Bei den anderen beiden liegt die Vermutung nahe, dass die Hersteller auch auf den nordamerikanischen Markt abzielen. Dort ist es üblich, Sommerreifen mit dem M&S-­Stempel zu versehen – auch ohne Wintereignung. Wir haben die drei Kandidaten zusätzlich in die Winterprüfung genommen und können nur warnen: Finger weg von diesen Reifen! Sie sind im Winter genauso schlecht wie im Sommer. Die Bremswege auf Schnee sind doppelt so lang wie mit echten Winterreifen.

Pirelli an der Spitze bei Kleinwagen

Der Testsieger in der Kleinwagenklasse kommt diesmal von Pirelli. Der neue Cinturato P4, der in der Dimension 175/65 R14 etwa 60 Euro pro Stück kostet, erwies sich im Test als sehr verschleißfest, als sparsam im Verbrauch und erreichte dennoch „gute“ Noten auf nasser Straße. Seine Bremsleistung war sogar „sehr gut“ und damit besser als bei jedem anderen Reifen im Test. Ausgewogen gute Fahreigenschaften auf trockener und nasser Straße bietet auch der Zweitplatzierte in dieser Gruppe, der Continental EcoContact 3. Anders als die Bezeichnung „Eco“ vermuten lässt, überzeugt der Reifen jedoch nicht durch einen besonders niedrigen Rollwiderstand. Ganz im Gegenteil. Als einziger Reifen dieser Größe schaffte er kein „Gut“ beim Kraftstoffverbrauch.

Anders der preiswerte, ausgewogene Fulda EcoControl auf dem dritten Rang: Er ist beim Verschleiß und beim Kraftstoffverbrauch „gut“. Die knapp „guten“ Yokohama und Maloya sind auf Nässe kaum schlechter und auf trockener Straße sogar besser als der Testsieger, erwiesen sich jedoch als etwas weniger verschleißfest. Sie eignen sich eher für Wenigfahrer als für „Kilometerfresser“.

Für Kompakt- und Mittelklassewagen

In der zweiten Testgröße der Sommerreifen für Kompakt- und Mittelklasseautos sind „gute“ Nasshaftung bei gleichzeitig niedrigem Verschleiß und Verbrauch offenbar noch schwerer zu realisieren. Die Besten auf Nässe kommen bei der Verschleißfestigkeit nicht über „befriedigend“ hinaus und umgekehrt. So erreichten der sehr verschleißfeste Michelin Energy Saver für stolze 92 Euro und der preiswertere Ceat Tornado für 72 Euro auf nasser Straße nur „befriedigend“.

An der Spitze des Testfeldes liegen punktgleich der auf trockener Straße durchweg „sehr gute“ Bridgestone Turanza ER300 und der Pirelli P6, der auf nasser Fahrbahn geringfügig besser ist als der Bridgestone Turanza. Beide sind außerdem sparsam im Kraftstoffverbrauch. Auf den weiteren „guten“ Plätzen mit der Note 2,4 folgen der Continental PremiumContact 2 und der Vredestein Sportrac 3. Während sie auf trockener und nasser Fahrbahn vergleichbar gut abschneiden, sind beide Modelle beim Kraftstoffverbrauch jedoch nur Mittelmaß.

Kraftstoffverbrauch und Verschleiß

Reifen mit einem geringen Rollwiderstand verringern den Kraftstoffverbrauch des Autos und damit auch den Schadstoffausstoß. Ein geringer Verschleiß wiederum schont die Rohstoffreserven und verringert so ebenfalls die Umweltbelastung – auch durch weniger Abrieb.

In unseren Reifentests ermitteln und bewerten wir diese umweltrelevanten Eigenschaften. So weicht der Kraftstoffverbrauch zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen um 0,3 bis 0,5 Liter je 100 Kilometer ab. Bei der Verschleißfestigkeit gibt es sehr viel größere Unterschiede. Ein guter Reifen kann mehr als doppelt so viele Kilometer zurücklegen wie ein schlechter. Wie hoch die Laufleistung exakt ausfällt, hängt jedoch vom Einzelfall ab. Entscheidend sind das Fahrzeugge­wicht und die Leistung, vor allem aber die individuelle Fahrweise.

Beide Eigenschaften, Verschleißfestigkeit und Kraftstoffverbrauch, können helfen, Geld zu sparen, die Sicherheit der Reifen darf darunter aber nicht leiden. Neben der schon beschriebenen Verschlechterung der Nasshaftung bei besonders verschleißfesten und rollwiderstandsarmen Gummimischungen beeinflusst auch die abnehmende Restprofiltiefe die Sicherheit. Auch wenn der Gesetzgeber erlaubt, die Reifen bis zu 1,6 Millimeter abzufahren, sollten Sommerreifen spätestens bei drei Millimetern Restprofiltiefe ausgewechselt werden.

Leise abrollende Reifen verringern die Geräuschbelastung der Umgebung und der Fahrzeuginsassen. Der gemessene Schalldruckpegel des Außengeräuschs korrespondiert nicht immer mit dem subjektiven Geräuscheindruck. Der Tigar TG 621 ist, obwohl mit 71 Dezibel durchschnittlich, subjektiv der lauteste Reifen im Test und wurde deshalb auch in dem Punkt mit „mangelhaft“ benotet. Einen negativen Höhepunkt innerhalb der Gruppe der Kleinwagenreifen setzt der Tigar auch beim PAK-Gehalt im Reifengummi. Sein Anteil an krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) ist am höchsten. Kaum besser, ebenfalls „mangelhaft“ schnitten in diesem Punkt Avon, Sava und Trayal ab.

Dass ein zu hoher PAK-Gehalt aber nicht nur ein Problem bei Billigreifen ist, zeigen die noch schlechteren Werte des Fulda Carat und des Goodyear Excellence in der Kompakt- und Mittelklassegröße.

Am wenigsten PAK fanden wir in den Laufflächen des Barum Bravuris und des BFGoodrich Profiler 2, die hier beide die Note „sehr gut“ erreichten. Der finnische Reifenhersteller Nokian, der stark damit wirbt, schon seit dem Jahr 1999 mit PAK-freien Ölen zu produzieren, wurde inzwischen deutlich von der Konkurrenz überholt. Der PAK-Gehalt im geprüften Nokian V ist nur „befriedigend“.

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