Reifen Test

Sicher fahren und bremsen, auf trockenen und auf nassen Straßen, leicht abrollen, lange halten: Sechs Reifen wurden den vielfältigen Anforderungen nicht gerecht und kassierten ein „Mangelhaft“ im Test.

Die chinesischen Importreifen Good­ride und Interstate halten sehr lange und haben einen geringen Kraftstoffverbrauch. Das haben sie im Test bewiesen. Da hat sich aber auch gezeigt: Auf nasser Fahrbahn sind sie glatt „mangelhaft“. Dabei gaukelt der M+S-Stempel auf der Reifenflanke – er steht für Matsch und Schnee – sogar eine Wintereignung vor. Unser Tipp: Versu­chen Sie es mit diesen Reifen erst gar nicht im Winter. Das sind lupenreine Sommerreifen – und besonders schlechte dazu.

Wie bei den Reifen für Klein- und Kompaktwagen zeigt sich ein ähnliches Bild auch bei den Breitreifen für Mittelklassefahrzeuge. Während der Nankang, der Pneu eines Herstellers aus Taiwan, insge­samt auf ein „befriedigendes“ Ergebnis kommt, versagen die fernöstlichen Mitbewerber Sunny und Good­ride – beide mit M+S-Zeichen – sowie der Wanli auf nasser Straße völlig.

Außerdem ist bei ihnen der Gehalt an krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, PAK, im Reifengummi um ein Vielfaches höher als bei den europäischen Produkten. Stand der Technik sind inzwischen Werte unter 1  Milligramm pro Kilogramm Reifengummi. Der Goodride Neza 200 liegt indes bei extremen 153,8 Milligramm.

Auch europäischer Pneu versagt

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Autoreifen nur nach der Optik auszuwählen, kann schnell danebengehen, wie dieses Beispiel zeigt:Ein ausgeprägtes V-Profil mit seitlichen Längsrillen haben der Uniroyal und der Sunny. Während der Uniroyal auf nasser Fahrbahn jedoch „gut“ abschneidet, kassiert der Sunny wegen etlicher Schwächen ein „Mangelhaft“. Selbst der Testsieger Pirelli Cinturato P7 und der „mangelhafte“ Wanli S-1063 sind sich optisch nicht unähnlich: Beide haben ein asymmetrisches Profil mit vier Längsrillen.

Autoreifen nur nach der Optik auszuwählen, kann schnell danebengehen, wie dieses Beispiel zeigt:Ein ausgeprägtes V-Profil mit seitlichen Längsrillen haben der Uniroyal und der Sunny. Während der Uniroyal auf nasser Fahrbahn jedoch „gut“ abschneidet, kassiert der Sunny wegen etlicher Schwächen ein „Mangelhaft“. Selbst der Testsieger Pirelli Cinturato P7 und der „mangelhafte“ Wanli S-1063 sind sich optisch nicht unähnlich: Beide haben ein asymmetrisches Profil mit vier Längsrillen.

Aber auch ein europäisches Markenprodukt – immerhin aus dem Hause Goodyear Dunlop – fährt ein „mangelhaftes“ Ergebnis ein: der Sava. Auch bei diesem Reifen stehen der „sehr guten“ Dauerhaltbarkeit und dem sehr geringen Verbrauch „mangelhafte“ Eigenschaften auf nasser Straße gegenüber, die zur Abwertung führten. Der Sava ist – wie 16 weitere Pneus im Test – ein Breitreifen mit niedrigem Querschnitt und großem Felgendurchmesser. Diese Reifen liegen im Trend. Sie sind 225 Mil­li­me­ter breit, haben ein Breiten-Höhen-Verhältnis von 100 : 45 Prozent und sind für Felgendurchmesser von 17 Zoll produziert, kurz gesagt: Ihre Größe ist die 225/45 R17. Die findet sich bereits in der Golfklasse, aber auch auf Mittelklassefahrzeugen von Alfa bis Saab. Im Test, den wir wie immer in Zusammenarbeit mit dem ADAC durchführten, kamen vorwiegend Audi A3 Sportback (siehe Foto) zum Einsatz.

Aber auch der Durchmesser der Kleinwagenbereifung wird immer größer. Statt auf 13- oder 14-Zoll-Rädern – ein Zoll entspricht 25,4 Millimeter – stehen moderne Kleinwagen wie der Peugeot 207, der Citroën C3 oder der Fiat Grande Punto inzwischen auf größerem Fuß, auf 15-Zoll-Reifen. Im Test sind 19 Fabrikate der Reifendimension 185/65 R15 vertreten. Die haben wir auf der Mercedes-A-Klasse getestet.

Fünf „gute“ 185er Reifen

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Beim Bremsweg aus 80 km/h auf nasser Fahrbahn liegt zwischen den guten und den schlechten Reifen der deutliche Unterschied von mehr als einer Wagenlänge.

Der in der kleineren Größe geprüfte Leichtlaufreifen Energy Saver von Michelin bietet nicht nur einen niedrigen Kraftstoffverbrauch, sondern erweist sich auch in der Dauerprüfung als ausgesprochen verschleißfest. Der Kumho verliert sein Profil im Vergleich zum Michelin doppelt so schnell. Die guten Umwelteigenschaften erkauft sich der Michelin jedoch durch eine leichte Schwäche auf nasser Fahrbahn. Sein Handling, das Bremsen und Aquaplaning auf Geraden ist nur „befriedigend“. Die „guten“ Konkurrenten von Nokian, Pirelli, Continental und Dunlop sind besser bei Nässe, dafür aber allesamt etwas schlechter in den Disziplinen Kraftstoffverbrauch und Verschleißfestigkeit. Aber dennoch erzielen sie einen brauchbaren Kompromiss zwischen einem guten Nassgriff und einem niedrigen Rollwiderstand. Der wiederum ist für einen geringeren Kraftstoffverbrauch mitverantwortlich.

Mittelklassewagen „gut“ bereifen

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Der Pirelli Cinturato P7 ist der beste Reifen in der Größe 225/45 R17 für Mittelklassewagen. Als einziger im Test erreicht er in allen drei Wertungsgruppen – auf nasser und trockener Fahrbahn und bei den Umwelteigenschaften – die Note „gut“. Die beiden Nächstplatzierten, Dunlop SP Sport Maxx TT und Goodyear Eagle F1, sind trotz „guter“ Verschleißfestigkeit in den Umwelteigenschaften nur „befriedigend“, weil sie etwas mehr Kraftstoff verbrauchen und etwas lauter abrollen. Dass beide Reifen auf nasser Fahrbahn besser abschneiden als der Testsieger, liegt am „Sehr gut“ in Handling und Seitenführung sowie dem etwas besseren Aquaplaningverhalten in Kurven.

Die Bestnote „sehr gut“ auf trockener Fahrbahn erreichten im Test nur zwei Reifen in der Mittelklassegröße, der Continental SportContact 3 und der Michelin Pilot Sport 3. Der Bridgestone Potenza RE050 A liegt nur knapp dahinter. Alle drei sind jedoch nur „befriedigend“ verschleißfest, was zumindest für den Michelin-Reifen recht ungewöhnlich ist.

Energiekennzeichnung kommt 2012

Die Reifenhersteller müssen Autofahrer künftig schon vor dem Kauf über den Kraftstoffverbrauch der Reifen informieren. Was für Kühlschränke und Waschma­schi­nen schon lange Pflicht ist, soll nun auch bald für Reifen gelten. Die Europäische Union macht die Energiekennzeichnung zur Pflicht. Buchstaben werden die Energieeffizienz kennzeichnen: Ein grünes „A“ steht für die beste, ein rotes „G“ für die schlechteste. Zusätzlich müssen die Hersteller über Nasshaftung und Abrollgeräusch der Reifen informieren. In Kraft treten soll die Verordnung aber erst Ende 2012.

Für die Stiftung Warentest sind diese Reifeneigenschaften nichts Neues. Schon seit Jahren überprüfen wir diese drei Kriterien, aber noch vieles mehr. Neben guten Fahr- und Bremseigenschaften auf trockenen und nassen Straßen müssen die Pneus durch gute Umwelteigenschaften überzeugen. Neben einem geringen Kraftstoffverbrauch gehören dazu vor allem die Verschleißfestigkeit, auch das Außen- und Innenge­räusch sowie ein möglichst geringer PAK-Gehalt im Reifengummi. Und es geht um Sicherheit. Deshalb beschleunigen wir die Reifen auf dem Prüfstand über die zulässige Höchstgeschwindigkeit hin­aus. Unter den schnellen 225er Reifen hielten zwei dieser Prüfung nicht stand.

Wie schnell die Reifen fahren dürfen

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Der dauerberegnete Kurs muss in möglichst kurzer Zeit umrundet werden. Der Testfahrer bewertet beim Handling auch das subjektive Fahrgefühl.

Welche Höchstgeschwindigkeit ein Reifen verträgt, erkennt der Autofahrer am Geschwindigkeitssymbol, das in der Reifendimension genannt wird. So steht das H der 185er Reifen für 210 Kilometer pro Stunde, das W der 225er Reifen für 270 Kilometer pro Stunde und das Y sogar für maximal 300 km/h. Einige Reifen sind mit dem Kürzel ZR gekennzeichnet. Es bescheinigt eine Eignung für den Geschwindigkeitsbereich über 240 Kilometer pro Stunde ohne definierte Höchstgrenze. Freilich kann das kaum jemand in der Praxis ausprobieren, da die Reifen im Test überwiegend auf Fahrzeugen montiert werden, deren maximale Höchstgeschwindigkeit weit unterhalb dieser Limits liegt.

Schnelle, die Schwächen zeigen

Dennoch haben wir wieder den Höchstge­schwindigkeitstest durchgeführt, der über die Anforderungen der Norm hinausgeht. Die Prüfung ist wichtig, weil ein Reifen bei hohen Temperaturen, voller Beladung und zu geringem Luftdruck auch schon bei niedrigerem Tempo überfordert sein kann.

Sunny und Wanli schafften den Schnelllauftest mit den erhöhten Anforderungen nicht. Sie erfüllten im Nachtest nur die milderen Normwerte. Und so lautet das Urteil für sie nur „bedingt bestanden“.

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