Für Kleinwagen, Kompakt- und Mittel­klassewagen stehen gute Reifen zur Wahl. Doch einer ist mangelhaft: Der Chengs­han ist bei Tempo 230 geplatzt.

Wenn bei hoher Geschwindig­keit ein Auto­reifen mit lautem Knall zerplatzt, braucht der Fahrer nicht nur Nerven wie Drahtseile, sondern auch eine große Portion Glück, um das Auto auf der Straße zu halten und es ohne weiteren Schaden für Mensch und Maschine zum Stehen zu bringen. Zum Glück passierten die Reifenpannen im Schnell­lauftest unter kontrollierten Bedingungen auf dem Prüf­stand.

Versagt auf voller Breite

Bedingt bestanden: Der geplatzte Point S erfüllte im Nachtest wenigs­tens die milderen Anforderungen des Normtests.

Wir wollen niemanden zum Rasen auffordern, sondern prüfen, ob die Reifen auch bei der angegebenen Höchst­geschwindig­keit noch sicher sind. Zur Orientierung gehen wir dabei um 10 Kilo­meter pro Stunde über die Nenn­geschwindig­keit hinaus. Das heißt: Die Kleinwa­genreifen mit der Kenn­ziffer T müssen 200 statt 190 km/h aushalten und die größeren V-Reifen 250 statt 240 km/h. Der Point S Summer­star 2 war damit über­fordert, erreichte aber in einem weiteren Test zumindest die angegebene Höchst­geschwindig­keit von 240 km/h. Für den Chengs­han CSR66 war aber selbst das zu schnell, denn er war schon bei Tempo 230 am Ende. Auch bei den Fahr­prüfungen auf nasser Fahr­bahn versagte der Chinareifen auf voller Breite.

Die können es besser

Schnell­laufprüf­stand: Geprüft wird nach verschärften Anforderungen.

Schnell­laufprüf­stand: Geprüft wird nach verschärften Anforderungen.

Dass es auch besser geht, beweisen fünf Reifen in der Test­größe für Kleinwagen und sieben für Kompakt- und Mittel­klassewagen. Die besten Noten auf nasser und trockener Straße gehen an den Testsieger in der Kleinwagengröße, Continental PremiumContact 2. Gut sind in dieser Gruppe außerdem Michelin Energy Saver, Uniroyal Rain­Expert, Hankook Optimo und Semperit Comfort-Life 2. Unter den Reifen für Kompakt- und Mittel­klasseautos ist der Vrede­stein Sport­rac 3 der Testsieger, gefolgt von Bridge­stone Ecopia EP 150, Maloya Lugano und Nokian V sowie Continental PremiumContact 2, Dunlop SP Sport Fast Response und Semperit Speed-Life.

Meist Schwächen auf nasser Straße

Kleinwa­genreifen: Testwagen Ford Fiesta auf dem beregneten Hand­lingkurs.

Bei den meisten anderen Reifen im Test führten Schwächen auf nasser Fahr­bahn zur Abwertung. Auf trockener Fahr­bahn verpassten nur der Kleinwa­genreifen von Debica und der Kompakt­wagenreifen von Sava die Note gut.

Pirelli Cintur­ato P1 spart Kraft­stoff

Als ausgesprochener Leicht­laufreifen erwies sich der neue Pirelli Cintur­ato P1. In beiden Test­größen ist der Kraft­stoff­verbrauch mit ihm sehr gut – ein Indiz für sehr geringen Roll­widerstand. Die Mitbewerber liegen in dieser Prüfung um bis zu einer Noten­stufe hinter ihm.

Ähnlich groß ist auch die Band­breite bei der Geräusch­wertung. Der Point S Summer­star 2 dröhnt innen am lautesten. Auch recht laut sind Maloya und Dunlop sowie die beiden Kleinwa­genreifen Sava Perfecta und Debica Passio 2.

Nun mit der Dezimal­stelle

Reifen­wechsel: Der Testfahrer weiß nicht, welche Reifen als nächste montiert werden.

Beim Vergleich der Ergebnis­tabellen mit denen früherer Tests fällt auf, dass es die Wertungs­gruppe Umwelt­eigenschaften nicht mehr gibt. Wir haben die Prüf­punkte prominenter als jeweils eigene Gruppe dargestellt: die Verschleiß­festig­keit, den Kraft­stoff­verbrauch, die Geräusche und die Schad­stoffe. Wir kommen damit auch einem häufig geäußerten Wunsch von Lesern nach, für diese Test­kriterien nicht nur das Noten­symbol, sondern auch den Wert mit der Dezimal­stelle zu veröffent­lichen.

Damit wird klarer, wie groß der Abstand zwischen zwei Reifen beim Verschleiß oder beim Kraft­stoff­verbrauch wirk­lich ist. Der Abstand kann zum Beispiel zwischen einem Sehr Gut und einem Gut fast zwei Noten oder nur eine Zehntelnote betragen.

Fahr­stabilität: Auf trockener Fahr­bahn gab es über­wiegend gute und sehr gute Noten.

Ein Beispiel: Die Verschleiß­festig­keit des Vrede­stein Sport­rac3 ist mit der Note 1,5 noch knapp sehr gut, während der Chengs­han hier mit 0,6 fast eine Note besser ist – was ihm mit Blick auf die Schwächen bei Nässe freilich nichts nutzt. Wieder einmal wird die bekannte Wechsel­wirkung zwischen Nass­griff und Halt­barkeit deutlich. Vrede­stein hat den Spagat optimal hinbe­kommen, einen sehr verschleiß­festen Reifen zu bauen, der auf Nässe gut funk­tioniert, während das bei Chengs­han gründlich daneben­gegangen ist. Dass das M+S-Kenn­zeichen auf der Flanke oben­drein noch Winter­eigenschaften vorgaukelt, disqualifiziert den Reifen endgültig.

Indischer Neuling verschleißt schnell

Nass­hand­ling: Die 195er Reifen wurden auf Skoda-Octavia-Kombis geprüft.

Seit kurzem bereichert der indische Anbieter Apollo den Markt der Auto­reifen. Das Unternehmen hat die einge­führten Marken Vrede­stein und Maloya über­nommen. Der südasiatische Neuling konnte bei den Kleinwa­genreifen auf Anhieb punkten. Sowohl auf trockener als auch auf nasser Straße braucht er den Vergleich mit der etablierten Konkurrenz nicht zu fürchten. Dennoch fällt er in der Rang­folge um ein paar Plätze zurück. Das liegt an seiner deutlich schlechteren Verschleiß­festig­keit. Für Vielfahrer ist er also keine Option, zumal der Apollo Amazer 3G Maxx auch nicht viel preis­werter ist als andere Marken­fabrikate. Bei den Kompakt­wagenreifen war die Verschleiß­festig­keit des Falken deutlich schlechter als die der Konkurrenten. Er wurde aber schon wegen seiner Schwächen auf nasser Fahr­bahn abge­wertet.

Immer weniger Schad­stoffe

Im Reifen­gummi sind immer weniger der krebs­er­regenden poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoffe (PAK) enthalten. Die Labor­analyse ergab lediglich bei den 175er Reifen von Sava und Debica sowie den 195er Reifen von Fire­stone und Good­year nur ausreichende Werte zwischen 11 und 14 Milligramm PAK pro Kilogramm Reifen­gummi. Zum Vergleich: Neun Reifen im Test enthalten nur noch 1 Milligramm oder weniger.

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