Einige Kleinwagenreifen bieten wenig Sicherheit beim Bremsen auf nasser Fahrbahn. Das bedeutet ein erhöhtes Unfallrisiko – besonders für Fahranfänger.

Breit, breiter, am breitesten lautet die Devise bei der Bereifung von Neuwagen. Daneben werden als Ersatzreifen für ältere Mobile jedoch auch noch erhebliche Stückzahlen von Kleinwagen­pneus im Sparformat abgesetzt. Im aktu­ellen Test von Sommerreifen haben wir neben den Mittelklasse-Breitreifen der Dimension 205/55 R16 deshalb auch Kleinwagenreifen der Größe 155/70 R13 auf die Teststrecke geschickt.

Straße nass, Fuß vom Gas

Auf trockener und nasser Fahrbahn mussten die Reifen Haftung und Spurtreue beweisen. Die Pneus der kleineren Größe haben wir auf VW Lupos geprüft. Sie finden sich jedoch auf einer Reihe weiterer populärer Kleinwagen. Darunter auch ältere Modelle, allesamt ohne elektronische Fahrstabilitätsprogramme wie zum Beispiel ESP und meist auch ohne Antiblockiersystem (ABS). Gerade Führerscheinneulinge mit wenig Fahrpraxis sind oft in diesen älteren Kleinwagen unterwegs.

Etliche mit zu langen Bremswegen

Wenn solche Sparmobile nun auch noch mit schlechten Reifen bestückt sind, ist das Unfallrisiko deutlich erhöht – vor allem bei nasser Straße. Das wichtige Prüfkriterium Bremsen auf nasser Fahrbahn führte im aktuellen Test bei vier Reifenmodellen zur Abwertung auf „mangelhaft“, darunter gleich drei in der Kleinwagengröße. Der BF Goodrich Touring, der Matador MP15 Stella und der Kumho Solus KH15 fielen neben der mangelnden Nasshaftung auch durch den hohen Gehalt des Schadstoffes PAK in den Laufflächengummis unangenehm auf.

Der Matador schaffte außerdem als einziger Reifen dieser Größe nicht einmal auf trockener Straße ein „Gut“. Der Kumho ist das Schlusslicht im Testfeld, aber auch BF Goodrich und Matador erreichten am Ende nur ein „Mangelhaft“. Bremswege, die das Auto im Vergleich zu guten Reifen erst zwei oder drei Wagenlängen später zum Stehen bringen, sind nicht akzeptabel. Dabei ist der zu lange Bremsweg bei weitem nicht die einzige Schwäche der genannten Modelle. Auch das Handling und die höhere Anfälligkeit gegen Aquaplaning in Kurven sowie die teilweise sehr hohen PAK-Gehalte im Reifengummi lassen die Vermutung zu, dass einige Reifenhersteller keinen nennenswerten Entwicklungsaufwand mehr bei diesen weniger attraktiven und weniger lukrativen Größen betreiben wollen.

Aber auch in der Lupo-, Twingo-, Micra-Klasse geht es besser. Das beweist zum Beispiel Continental mit dem EcoContact 3, der in der getesteten Größe 155/70 R13 etwa 45 Euro kostet und mit durchweg „guten“ Noten die Spitze des Testfelds markiert. Billiger, dabei kaum schlechter, ist der besonders verschleißfeste Hankook Optimo für rund 36 Euro pro Stück. Außerdem schnitten in dieser Größe der Bridgestone B250 für 45 Euro und der Dunlop SP 30 für 43 Euro „gut“ ab.

Breitere Pneus bieten mehr Sicherheit

Die Reifen der zweiten Testgröße 205/55 R16 V erprobten wir auf Opel Astra. Sie passen jedoch auch auf eine ganze Palette weiterer Kompakt- bis Mittelklassewagen, vom VW Golf bis zum 3er BMW. Besitzer solcher Autos können im Test zwischen einer größeren Anzahl „guter“ Produkte wählen – acht Reifen erreichten das test-Qualitätsurteil „gut“.

Die Autos dieser Klasse verfügen inzwischen häufig serienmäßig über elektronische Fahrstabilitätsprogramme. Aber auch ohne bieten viele der breiteren Pneus ein höheres Maß an Sicherheit als die schmaleren Reifen. Es ist deshalb schon überraschend, auch hier ein Modell zu finden, das keine ausreichende Sicherheit bietet. Schlusslicht ist der Falken Ziex ZE-512. Handling und Seitenführung auf nasser Straße sind nur „ausreichend“ und die „mangelhafte“ Bremsleistung führte zur Abwertung. Nur wenig besser auf Nässe sind Goodyear Excellence, Nankang Ultra Sport und Marangoni Vanto.

Bridgestone und Conti vorn

Den aktuellen Vergleich in der Mittelklassegröße gewinnt der Bridgestone Turanza ER300 (112 Euro) knapp vor dem Conti PremiumContact 2 (117 Euro). Überraschend gut, weil vergleichsweise preiswert, ist der Hankook Ventus Prime K105 (83 Euro). Er verpasste eine noch bessere Platzierung nur deshalb, weil sich das Profil schneller abfährt als bei anderen Fabrikaten. Trotz ausgewogen „guter“ Fahreigenschaften lan­det der Pirelli P7 am Ende der „guten“ Testkonkurrenz. Zur Abwertung in der Gruppe Umwelteigenschaften führte hier der vergleichsweise hohe PAK-Gehalt im Laufflächengummi. Auch der Michelin Primacy HP erreicht gerade noch „gut“ und wäre mit weniger PAK im Gummi weiter vorn platziert.

Obwohl wir diesen Schadstoff seit mehreren Jahren messen und seit einiger Zeit bewerten, haben auch einige namhafte Reifenhersteller die Produktion offenbar noch nicht auf PAK-arme Gummimischungen umgestellt – zumindest nicht bei den geprüften Reifen­größen. Unsere Untersuchungen zeigen, dass die krebser­zeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) im Reifengummi nicht erforderlich sind, um einen hochwertigen Autoreifen zu bauen.

Reifendruck wichtig für die Sicherheit

Wie wichtig der korrekte Reifenfülldruck für die Sicherheit ist, zeigte sich bei der Schnelllaufprüfung. Dazu werden die Reifen auf einem Außentrommelprüfstand mit Geschwindigkeiten getestet, die schrittweise gesteigert bis über die Nennhöchstgeschwindigkeiten von 190 Kilometer pro Stunde für die T-Reifen und 240 km/h für die V-Reifen hinausgehen. Sind die Reifen mit dem vom Fahrzeughersteller empfohlenen und an die Fahrzeugbeladung an­ge­passten Luftdruck gefüllt, bieten alle geprüften Reifen ausreichende Sicherheit auch bei hohem Tempo. Ganz anders sieht das aus, wenn der Reifen nur noch etwa den halben Fülldruck aufweist. Unsere Stich­proben zeigten, dass unter diesen verschärften Prüfbedingungen Beschädigungen der Reifen nicht ausgeschlossen sind. Das heißt nicht zwangsläufig, dass der Reifen platzt, es wurden aber Struktur­veränderungen in der Lauffläche beobachtet, die im realen Fahrbetrieb zu Reifenschäden, auch Reifenplatzern, führen können. Neben dem Sicherheitsrisiko erhöhen sich durch den niedrigen Druck auch der Verbrauch und der Verschleiß. Deshalb empfiehlt es sich, den Reifendruck regelmäßig zu prüfen und zu kor­ri­gieren, besonders aber vor längeren Reisen mit hoher Geschwindigkeit oder schwerer Beladung.

Einer für alle Jahreszeiten

Wer sich die jährliche Umbereifung von Winter- auf Sommerreifen sparen will, kann Ganzjahresreifen aufziehen. Weil es dabei vor allem auf die Eignung auf Eis- und Schneeglätte ankommt, testen wir die Allwetter-Pneus nicht zusammen mit den Sommer-, sondern mit den Winterreifen – zuletzt in test 11/06 für das Kleinwagenformat 185/60 R14 T. Testsieger der Ganzjahresreifen war der Goodyear Vector 5+, der mit dem test-Qualitätsurteil „Gut (2,3)“ nicht schlechter war als der beste reine Winterreifen im Test.

Eine Besonderheit fanden wir jetzt im Sommerreifentest: Der Nankang Ultrasport NS-2 ist auf der Flanke mit „M+S“ gekennzeichnet, was üblicherweise für einen Winter- oder Ganzjahresreifen steht. Der Nankang Ultrasport trägt jedoch das typische Profilbild eines reinen Sommerreifens, dessen Profilblöcke zum Beispiel keine Lamellen aufweisen. Offenbar zielt der fernöstliche Hersteller auf den US-Markt, wo M+S-Kennzeichnungen auch bei Sommerreifen üblich sind.

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