Regionalsiegel Meldung

Foto: supermarkt­blog.com

Ab Herbst 2013 soll ein neues einheitliches Siegel regionale Lebens­mittel zieren: das Regional­fenster. Es soll für mehr Klarheit und Verläss­lich­keit von Herkunfts­angaben sorgen. Derzeit konkurrieren eine Menge verschiedener Logos und Regionalmarken – allerdings alle mit unterschiedlicher Aussagekraft und für Verbraucher nur schwer zu durch­blicken. test.de gibt einen Über­blick über Regionalsiegel und bringt aktuell einen Test Regionale Lebensmittel.

Neu ab Herbst 2013: Das Regional­fenster

Regionalsiegel Meldung

So sah das Regional­fenster in der Test­phase aus.

So sah das Regional­fenster in der Test­phase aus.

Anfang dieses Jahres lief die Test­phase für das neue Siegel: Von Januar bis März wurde es in Supermärkten in fünf Test­regionen erst­mals den Verbrauchern gezeigt. Laut dem Verein Regional­fenster mit Erfolg: Die Verbraucher hätten es als sehr klar wahr­genommen. Einer Nutzung durch den Handel stehe damit nichts mehr im Weg, ab diesen Herbst soll das Regional­fenster verwendet werden können. Derzeit arbeitet der Verein noch die Vergabe-Richt­linien aus. Klar ist: Das Siegel soll genau über die Herkunft der Zutaten und den Verarbeitungs- und Verpackungs­ort informieren. Macht etwa bei zusammengesetzten Produkten die Haupt­zutat mehr als die Hälfte des Gesamt­gewichts aus, muss diese zu 100 Prozent aus der definierten Region kommen. Wünschens­wert wäre ein einheitliches verläss­liches Siegel für Regional­produkte – ähnlich wie das EU-Biosiegel. Es bleibt abzu­warten, ob das Regional­fenster das leisten kann. Die Nutzung wird freiwil­lig und nicht verbindlich sein.

Geschützte Spezialitäten: Die Siegel der EU

Regionalsiegel Meldung

Die drei Siegel der Europäischen Union.

Die drei Siegel der Europäischen Union.

Bereits seit 1992 ist es möglich, regional bedeut­same und traditionelle Produkte EU-weit vor Nach­ahmern zu schützen. Derzeit genießen rund 90 deutsche Spezialitäten diesen Schutz (Datenbank der EU). Zu erkennen sind sie an verschiedenen Siegeln. Zwei Drittel tragen das Logo Geschützte geografische Angabe, darunter Hessischer Apfel­wein, Spree­wälder Gurken und Schwarz­wälder Schinken. Sonderlich streng sind die Vorgaben aber nicht: Es reicht, wenn ein einzelner Produktions­schritt in der Ursprungs­region statt­gefunden hat. Für Schwarz­wälder Schinken heißt das: Er muss nur im Schwarz­wald geräuchert sein, das Fleisch kann aus dem Ausland kommen. Höhere Anforderungen stellt das Siegel Geschützte Ursprungs­bezeichnung, das unter anderem Allgäuer Emmen­taler und viele Mineral­wasser wie Bad Pyrmonter tragen. Hier müssen Erzeugung, Verarbeitung und Herstellung in einer bestimmten Region ablaufen – so wie es auch der Vorstellung vieler Verbraucher von regionalen Produkten entspricht. Das dritte EU-Siegel, die Garan­tiert traditionelle Spezialität, wird bis heute in Deutsch­land nicht verwendet – dafür häufig im EU-Ausland, etwa für italienischen Mozzarella. Hier ist nicht die Ursprungs­region maßgebend, sondern dass das Produkt traditionell zusammengesetzt oder hergestellt ist.

Föderal geregelt: Die Gütezeichen der Bundes­länder

Regionalsiegel Meldung

Eine Auswahl an häufig genutzten Gütezeichen.

Eine Auswahl an häufig genutzten Gütezeichen.

Relativ wenig bekannt sind die 14 Qualitäts- und Herkunfts­zeichen der Bundes­länder, über die die jeweiligen Landes­ministerien regionale Produkte vermarkten. Nur gut die Hälfte dieser Gütezeichen wird aktiv genutzt. Unter­einander sind sie schwer vergleich­bar, da sie sehr unterschiedliche Ansprüche an Herkunft und Qualität stellen – vor allem bei verarbeiteten Lebens­mitteln, die mehrere Zutaten enthalten. So garan­tiert Öko-Qualität Bayern für verarbeitete Produkte, dass mindestens 80 Prozent der Rohstoffe aus Bayern kommen, Gesicherte Qualität Baden-Württem­berg steht sogar für 90 Prozent Rohstoffe aus dem Bundes­land. Weniger anspruchs­voll ist da hingegen das Zeichen Geprüfte Qualität Thüringen: Hier reicht es, wenn bereits 50,1 Prozent der Rohstoffe aus Thüringen stammen.

Breit vermarktet: Die Regionalmarken des Handels

Regionalsiegel Meldung

Eine Auswahl an Regionalmarken von Handels­ketten.

Eine Auswahl an Regionalmarken von Handels­ketten.

Mehrere Supermarkt­ketten haben eigene Regionalmarken ins Leben gerufen, auch diese werden oft von Verbrauchern als Siegel wahr­genommen. So bietet Rewe seit 2012 unter Rewe Regional saison­ales Obst und Gemüse aus rund 20 verschiedenen deutschen Regionen an. Edeka Südwest startete bereits 2006 in Süddeutsch­land mit der Marke Unser Heimat – echt & gut. Das Sortiment umfasst heute mehrere hundert Produkte. Inzwischen wird dieselbe Regionalmarke auch von Edeka Nord in Nord­deutsch­land genutzt. Edeka Rhein-Ruhr bündelt seine regionalen Produkte unter der Marke Mein Land. Unter Region verstehen die verschiedenen Edeka-Regionalgesell­schaften ihr jeweiliges Absatz­gebiet – in der Regel mehrere Bundes­länder. Noch groß­zügiger hält es Lidl. Unter ein Ein gutes Stück Heimat führt der Discounter unter anderem Milch, Säfte, Fleisch­waren und Gemüse­konserven im Sortiment. Für viele dieser Produkte gilt: Sie werden deutsch­land­weit vertrieben, von echten regionalen Produkten kann damit keine Rede sein. Auch Coop macht es sich bei seiner Regionalmarke Unser Norden leicht: Im Sortiment befindet sich auch Kaffee, obwohl klar ist, dass Kaffee­bohnen weit außer­halb der EU wachsen. Es reicht Coop, wenn die Rösterei in Nord­deutsch­land liegt. Einige dieser Regionalmarken sind im aktuellen Test Regionale Lebensmittel vertreten.

Von Direkt­vermarktern: Die Siegel der Regional­initiativen

Regionalsiegel Meldung

Eine Auswahl an Logos von Regional­initiativen.

Eine Auswahl an Logos von Regional­initiativen.

Schließ­lich gibt es auch noch die Siegel der Regional­initiativen. Die Initiativen verfolgen einen ursprüng­lichen Ansatz. Es handelt sich um lokale Zusam­menschlüsse von Bauern, Betrieben oder Solidar­gemeinschaften, die ohne Zwischenhändler Lebens­mittel direkt in den Handel bringen. Viele koope­rieren mit Edeka und Rewe. Jede Initiative hat eigene Richt­linien definiert, das macht sie schwer vergleich­bar. Hier einige Beispiele: In Bayern gibt es unter anderem Unser Land und Von Hier, in Rhein­land-Pfalz Heimat schmeckt und SooNahe, in Hessen Land­markt und Main­franken-Plus, in Nord­rhein-West­falen bergisch pur und Senne Original sowie in Brandenburg Biosphärenre­servat Schorfheide-Chorin, Spree­wald und ebenfalls eine Initiative namens Von Hier. Eine Über­sicht bietet die Datenbank des Netzwerks der Regionalinitiativen.

Löhne im Fokus: Die Siegel mit fairer Komponente

Regionalsiegel Meldung

Diese Siegel verbinden regional, bio und fair.

Diese Siegel verbinden regional, bio und fair.

Viele Verbraucher kaufen regionale Produkte, weil das ihrer Meinung nach die Wirt­schaft vor Ort stärkt. Einige wenige Regionalsiegel, meist von Bioverbänden, garan­tieren bereits höhere Löhne für die Erzeuger. In Berlin und Brandenburg findet man zum Beispiel auf Produkten des demeter-Verbands das Logo fair & regional. In Süddeutsch­land ist auf Produkten des Bioverbands Biokreis das Logo regional & fair zu finden. Im aktuellen Test Regionale Lebensmittel stellten vor allem regionale Produkte mit Biosiegel ihre Glaubwürdig­keit besonders gut unter Beweis.

Dieser Artikel ist hilfreich. 17 Nutzer finden das hilfreich.