Lange hat es gedauert, doch jetzt ist sie endlich da: Am 1. Juli ist die „Anerkennungs- und Zulassungsverordnung zur Weiterbildung“ (AZWV) in Kraft getreten. Damit überträgt die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Zulassung von Weiterbildungsanbietern und -angeboten unabhängigen, privaten Zertifizierungsagenturen. Da die BA wiederum diese so genannten fachkundigen Stellen prüfen soll, bleibt sie dennoch zentraler Bestandteil des Anerkennungs-Verfahrens.

Bislang prüfte die BA Weiterbildungsträger und Bildungsangebote selbst. Diese Aufgabe sollen nun die unabhängigen Agenturen übernehmen, um sicher zu stellen, dass Träger und Angebote die gesetzlichen Anforderungen gemäß den Paragraphen 84 und 85 des dritten Sozialgesetzbuches erfüllen. Nur wenn das der Fall ist, fördert die BA berufliche Weiterbildung. So will es der Gesetzgeber.

Wettbewerb und Qualität in der Weiterbildung

Laut Verordnung sollen die fachkundigen Stellen die Träger selbst und Teile ihrer Angebote unter die Lupe nehmen. Ist das Ergebnis positiv, können sie den Trägern ein Zertifikat vergeben. Die Anzahl der Kurse, die geprüft werden, sollen dabei „in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Maßnahmen des Trägers stehen, für die er die Zulassung beantragt“, heißt es in der Verordnung. Die Verantwortlichen versprechen sich von der AZWV mehr Wettbewerb und Qualität in der beruflichen Weiterbildung. „Die Verordnung zwingt die Weiterbildungsanbieter fortlaufend dazu, die Qualität ihres Unternehmens und ihres Weiterbildungsangebots konsequent und systematisch zu verbessern“, sagt Gerd Andres, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit.

Bevor die Agenturen zertifizieren dürfen, müssen sie sich selbst prüfen lassen: Die BA richtet eine Anerkennungsstelle ein, die das Know how und die Unabhängigkeit der fachkundigen Stellen erst bestätigen muss, bevor diese tätig werden. Die Zulassung der Stellen gilt jeweils für drei Jahre. Zudem müssen sie einmal pro Jahr mit einer unangemeldeten Überprüfung (Audit) rechnen. Unterstützt werden soll die Anerkennungsstelle von einem Beirat, der Empfehlungen zum Anerkennungs- und Zertifizierungsverfahren aussprechen kann. Er wird sich aus insgesamt neun Mitgliedern, jeweils einem Länder-, Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und Bildungsverbandvertreter, jeweils einem Abgeordneten aus den Bundesministerien für Wirtschaft und Arbeit und Bildung und Forschung sowie drei unabhängigen Experten zusammen setzen. Dem Anerkennungsbeirat fällt damit eine Schlüsselrolle im neuen Verfahren zu.

Kritik an „überhöhten Kosten“

Unumstritten ist dieses Procedere allerdings nicht: So bezeichnete zum Beispiel das Sachverständigengremium Konzertierte Aktion Weiterbildung (KAW) die Kosten für die Anerkennung als Zertifizierungsstelle als „überhöht“. Laut Verordnung müssen die antragstellenden Firmen bis zum Erhalt der Anerkennungsurkunde 11 400 Euro berappen. Zudem befürchtet die KAW eine Benachteiligung kleiner Bildungsanbieter eben durch die Kosten und den erhöhten bürokratischen Aufwand, der mit einer Zertifizierung einher geht.

Die Einrichtung der fachkundigen Stellen ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Reform der Weiterbildungsförderung. Angekündigt wurde er bereits bei der Einführung des Bildungsgutscheins Anfang 2003. Nun soll die Verordnung bis Ende des Jahres 2005 schrittweise umgesetzt werden.

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