Viele müssen künftig mehr Steuern zahlen, wenn sie erben. Einen Ausweg bieten Schenkungen, die jetzt nach altem Recht noch möglich sind.

Über die höheren Freibeträge haben sich alle erst einmal gefreut. Ehepartner dürfen jetzt 500 000 Euro statt 307 000 Euro steuerfrei erben, Kinder 400 000 statt 205 000 Euro. Auch weiter entfernt oder gar nicht verwandte Erben bekommen höhere Freibeträge.

Im Gegenzug steigen jedoch in vielen Fällen die Steuersätze für Erbschaften, die über den Freibeträgen liegen. Außerdem schlagen Immobilien künftig stärker zu Buche. Bislang setzt das Finanzamt sie deutlich unter ihrem Wert an.

Für viele ist deshalb die alte Regelung günstiger als die neue. Wer seinen Lieben höhere Steuern ersparen will, sollte über eine baldige Schenkung nachdenken.

Zwar fallen für Schenkungen ebenso wie für Erbschaften Steuern an. Solange das neue Gesetz noch nicht in Kraft ist, gelten aber die alten Regeln. Experten rechnen frühestens im April mit der Reform.

Wann Schenken sich lohnt

Welches Recht günstiger ist, hängt von der Art des Geschenks ab und davon, wer der Beschenkte ist. Für entfernte Verwandte und unverheiratete Paare ist das alte Recht fast immer besser. Zählt der Beschenkte dagegen zur engeren Familie, kann die neue Regelung günstiger sein.

Die Freibeträge für Schenkungen sind genauso hoch wie die für Erbschaften, Versorgungsfreibeträge gibt es allerdings nicht. Es gelten zudem dieselben Steuersätze (siehe Tabellen „Alte Steuersätze“, „Neue Steuersätze“). Es gibt eine Ausnahme: Eltern, Groß- und Urgroßeltern zählen bei Schenkungen steuerlich nicht zur engsten Familie. Anders als bei Erbschaften gilt für sie nicht die Steuerklasse I. Sie zahlen als Beschenkte mehr Steuern, als wenn sie erben würden.

Partner und Kinder zuerst

Zum engsten Familienkreis und damit zur Steuerklasse I zählt der Fiskus bei Schenkungen nur die Ehepartner und die Kinder oder Enkel. Ihre Freibeträge steigen so stark, dass für Geld- und Wertpapiergeschenke nach der Reform immer weniger Steuern fällig sind.

Bei Immobilien ist die Lage anders, weil das Finanzamt deren Wert bald höher ansetzt. Wollen Eltern ihrem Kind das Eigenheim übertragen, so lohnt es sich ab einem Wert von rund 500 000 Euro, noch das alte Recht zu nutzen.

Ein Beispiel: Angenommen, die Immobilie ist 480 000 Euro wert und das Finanzamt setzt nach altem Recht 60 Prozent des Verkehrswerts an, so bleiben 288 000 Euro. Der Freibetrag beträgt 205 000 Euro, demnach sind 83 000 Euro zu versteuern. Nach neuem Recht wären es 80 000 Euro.

Wäre das Haus 500 000 Euro wert, müsste das Kind bislang 95 000 Euro versteuern, neu wären es 100 000 Euro.

Was Eigenheime angeht, haben es Eheleute einfacher: Schenkungen von selbst genutzten Immobilien unter Verheirateten sind steuerfrei.

Will ein Ehemann seiner Frau indessen eine Mietimmobilie schenken, bittet der Fiskus zur Kasse. Bei einer Immobilie im Wert von 650 000 Euro oder mehr fährt er mit dem alten Recht meist besser, weil im Schnitt nur 60 Prozent des Verkehrswerts besteuert werden. 60 Prozent von 650 000 sind 390 000 Euro, minus Freibetrag von 307 000 Euro ergibt 83 000 Euro. Nach neuem Recht nimmt das Finanzamt einen Abschlag um 10 Prozent des Verkehrswerts vor, macht 585 000 Euro. Nach Abzug des Freibetrags bleiben 85 000 Euro, die zu versteuern sind. Wäre die Immobilie nur 640 000 Euro wert, lohnte es sich hingegen, die Reform abzuwarten.

Nicht in allen Fällen setzt das Finanzamt 60 Prozent des Verkehrswerts an. Auf den Wertansatz kommt es beim Vergleich von altem und neuem Recht jedoch an. „Das lässt sich aber im Vorfeld unter Berücksichtigung der Grundstückswerte und der Vergleichsmieten recht genau abschätzen“, sagt Klaus Michael Groll vom Deutschen Forum für Erbrecht. Hier hilft ein Anwalt oder Steuerberater.

Wer noch zur Familie gehört

Geschwister, Nichten und Neffen sind für den Fiskus nur entfernte Verwandte. Sie dürfen nach neuem Recht 20 000 Euro steuerfrei erben statt bisher 10 300. Allerdings steigen die Steuersätze. Für ein Haus im Wert von 250 000 Euro zahlt der Bruder bisher 23 749 Euro Steuern – sofern der Fiskus den Wert des Hauses zu 60 Prozent ansetzt. Nach neuem Recht werden 69 000 Euro fällig.

Geld- und Wertpapiergeschenke sind ab einem Wert von rund 27 000 Euro nach altem Recht besser.

Auch unverheiratete Paare sollten sich überlegen, ob sie das alte Recht noch nutzen wollen. Zwar wurde ihr Freibetrag von 5 200 auf 20 000 Euro erhöht, aber auch sie müssen höhere Steuersätze und Bemessungsgrenzen in Kauf nehmen.

Wer seinem unverheirateten Partner Geld schenken will, fährt von einem Betrag ab 40 000 Euro nach alten Recht besser, darunter nach dem neuen. Für Immobilien ist das alte Recht günstiger.

Ein Haus schenken

Eine Schenkung ist ein Vertrag, der nur zustande kommt, wenn beide einverstanden sind, derjenige, der schenkt, und der Beschenkte. Der Vertrag ist nur gültig, wenn ein Notar ihn beurkundet – es sei denn, die Schenkung wird vollzogen, zum Beispiel durch die Übergabe von Bargeld.

Wer eine Immobilie verschenken will, muss auf jeden Fall zum Notar gehen. Der beurkundet den Vertrag und übernimmt auch die Änderung im Grundbuch.

Wichtig ist, die Einzelheiten der Übertragung in dem Übergabevertrag genau festzulegen. Es kommt zum Beispiel häufig vor, dass Eltern weiterhin in dem Haus wohnen wollen, das sie ihrem Kind überschreiben. Ein lebenslanges Wohnrecht können die Eltern sich entweder in Form eines sogenannten Nießbrauchs oder eines Wohnungsrechts einräumen lassen. Beides wird im Grundbuch als Belastung des Grundstücks eingetragen.

Der Nießbrauch

Der Nießbrauch bietet sich an, wenn das Kind nicht in das Haus einziehen will. Die Eltern dürfen dann die gesamte Immobilie nutzen. Sie dürfen selbst in dem Haus wohnen oder es vermieten. Sie müssen die laufenden Kosten des Hauses und auch die Gebühren für Abwasser und Müllabfuhr bezahlen. Auch für Schönheitsreparaturen sind sie zuständig. Sie zahlen die Zinsen für Hypotheken, die auf dem Haus lasten. Üblicherweise vereinbaren die Vertragsparteien auch, dass die Eltern den Hypothekenkredit tilgen und außergewöhnliche Unterhaltskosten tragen, etwa den Austausch der alten Heizungsanlage.

Das Wohnungsrecht

Wollen Eltern und Kind gemeinsam unter einem Dach wohnen, vereinbaren sie ein Wohnungsrecht. Die Eltern können dann genau festlegen, welche Räume sie selbst nutzen und welche das Kind.

Sie können auch ausmachen, dass sie den Teil des Hauses, den sie bewohnen, beispielsweise den oberen Stock des Zweifamilienhauses, später vermieten dürfen. Wer das nicht tut, hat nach einem Umzug in ein Heim in der Regel keinen Nutzen mehr vom Wohnungsrecht.

Haben die Eltern ein Wohnungsrecht, tragen sie nur die laufenden Kosten für die Räume, die sie nutzen. Die übrigen Kosten zahlt das Kind. Es ist allerdings nicht automatisch zur Instandhaltung der Wohnung verpflichtet. Das muss eigens vereinbart werden.

Mögliche Gegenleistungen

Für ihr Haus können die Eltern aber auch andere Gegenleistungen als ein Wohnrecht verlangen. Die Kinder können sich zum Beispiel verpflichten, ihre Eltern im Alter zu pflegen. Den Umfang der Pflege sollten die Vertragspartner klar festlegen, damit es nicht zu Streit kommt.

Eltern und Kinder können als Gegenleistung auch Geldzahlungen vereinbaren. Das kann eine Einmalzahlung sein oder monatliche Zahlungen als Ergänzung zur Rente. Anders als bisher kann das Kind die monatlichen Zahlungen seit Jahresbeginn aber nicht mehr steuerlich geltend machen (siehe Steueränderungen 2008).

Wollen die Eltern die Rente lebenslang beziehen, sollten sie daran denken, dass die Höhe der Raten an die allgemeine Preissteigerung angepasst wird.

Streit vermeiden

Um Streit in der Familie zu vermeiden, sorgen Eltern mehrerer Kinder, die ihre Immobilie nur an eines von ihnen übertragen, am besten für einen Ausgleich.

Sie können zum Beispiel festlegen, dass das beschenkte Kind den anderen eine Abfindung bezahlt. Die Zahlungen mindern seine Schenkungsteuer. Gleichzeitig sollten die Eltern mit den Geschwistern einen Pflichtteilsverzicht vereinbaren, damit es später nach ihrem Tod nicht zum Streit kommt (siehe „Pflichtteil bleibt“). Auch der Pflichtteilsverzicht muss vor einem Notar vereinbart werden.

Kann das Kind keine Abfindung bezahlen, können die Eltern stattdessen ausdrücklich festlegen, dass sich das Kind das Haus auf seinen Pflichtteil anrechnen lässt – auch wenn die Zehnjahresgrenze bereits verstrichen ist. Wenn die Eltern sterben, wird das verbliebene Vermögen zunächst unter den anderen Kindern verteilt.

Rückfallklausel

Wer eine Immobilie verschenkt, kann sicherstellen, dass sie nicht in fremde Hände gerät. Dazu muss der bisherige Eigentümer im Übergabevertrag ein Recht auf Rückübertragung vereinbaren. Dieses Recht sollte außerdem im Grundbuch eingetragen und durch Vormerkung gesichert sein.

Eltern können so verhindern, dass das Kind das Haus verkauft oder dass es in die Hände von Gläubigern fällt, wenn das Kind überschuldet ist. Das Haus fiele auch an sie zurück, wenn das Kind vor ihnen sterben würde.

Auch nicht verheiratete Paare können so vorgehen. Um hohe Erbschaftsteuern zu vermeiden, kann der Besitzer einer Immobilie schon zu Lebzeiten die Hälfte auf seinen Partner übertragen. Bei seinem Tod kommt dann nur noch eine halbe Immobilie dazu. Das mindert die Steuer, wenn zwischen Übertragung und Tod mehr als zehn Jahre liegen. Eine Rückfallklausel im Vertrag ist für den Fall sinnvoll, dass das Paar sich trennt.

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