Rechts­streit um „Ritter Sport Voll-Nuss“ beendet Stiftung Warentest erkennt Urteil des OLG München an

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Rechts­streit um „Ritter Sport Voll-Nuss“ beendet - Stiftung Warentest erkennt Urteil des OLG München an
© Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest wird die juristische Auseinander­setzung mit der Alfred Ritter GmbH & Co KG um die Kenn­zeichnung des Aroma­stoffs Piperonal in der „Ritter Sport Voll-Nuss“-Schokolade nicht weiter fortsetzen. Sie hat heute eine Abschluss­erklärung abge­geben, mit der sie das Urteil des Ober­landes­gerichts München vom 9. September 2014 anerkennt.

Art der Herstellung von Piperonal spielte für Entscheidung keine Rolle

In dem Verfahren hatte das OLG München die Berufung der Stiftung Warentest gegen die vom Land­gericht München I mit Urteil vom Januar erlassene einst­weilige Verfügung zurück­gewiesen. Zur Begründung hieß es, dass die Stiftung Warentest in ihrem Testbericht (test 12/2013) nicht, wie geschrieben, „nachgewiesen“, sondern „geschluss­folgert“ habe, um welche Art von Piperonal es sich in der „Ritter Sport Voll-Nuss“-Schokolade handele. Ob es sich bei dem verwendeten Piperonal um einen natürlichen oder chemisch hergestellten Aroma­stoff gehandelt hat, spielte für das Gericht bei seiner Entscheidung keine Rolle. Nach wie vor ist deshalb nicht geklärt, wie der Aroma­stoff tatsäch­lich gewonnen wird.

„Nicht präzise und ausführ­lich genug“

„Die Stiftung Warentest hat im Testbe­richt nicht präzise und ausführ­lich genug dargelegt, wie sie zur Beur­teilung der Deklaration gekommen ist“, sagt Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Ob sich das zuständige Land­gericht vor diesem Hintergrund in einem anschließendem Haupt­sache­prozess mit der tatsäch­lichen Herstellung des Piperonals befassen würde, sei ungewiss. Zudem würde ein Prozess mit Beweis­aufnahme über vermutlich mehrere Instanzen hinweg einen unver­hält­nismäßig hohen Zeit-, Personal- und Kosten­aufwand verursachen.

Kenn­zeichnung von Lebens­mitteln bleibt für Stiftung Warentest Thema

Die Stiftung Warentest beendet daher die juristische Auseinander­setzung. Sie wird sich aber weiterhin mit dem Thema der Kenn­zeichnung von Lebens­mitteln beschäftigen und sich bei ihren Tests intensiv mit den Inhalts­stoffen und deren Deklaration auseinander­setzen. Das ist auch der Wunsch vieler Verbraucher, die wissen wollen, welche Stoffe ihre Lebens­mittel enthalten.

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MHeise am 09.10.2014 um 21:55 Uhr
Was ist die Erkenntnis?

1) Die SW ist bei der Begründung der Abwertung sachlich nicht präzise gewesen. Das hat ausgereicht gerichtlich zu unterliegen.
Einfach schlampig !
2) Leider hat Ritter-Sport nicht den (freiwilligen) Nachweis geführt, dass das Piperonal natürlichen Ursprungs ist. Über die Gründe darf man rätseln. Für ein innovativen Mittelständler mit einem solch exzellenten Ruf:
Sehr enttäuschend !
3) Bei den meisten Leuten wird alleine im Kopf bleiben. SW hat Verloren --> Ritter Sport hat Recht (bzgl. der Prozesskriterien ist das aus richtig, bzgl. des natürlichen Ursprungs des Piperonals ist nichts entschieden).
Ich persönlich finde das "Ausruhen" eines Unternehmens auf reine Versicherung des Lieferanten nicht sinnvoll. Viele erinnern sich vielleicht noch an die gefälschten USB-Sticks. Davon war auch mindestens ein renommierter Hersteller betroffen, der nicht wusste, woher seine Sticks kommen ... Globalisierung ohne Herkunftsnachweis.

Ex-Kd am 09.10.2014 um 14:45 Uhr
Aroma

@Stiftung_Warentest
Ich erwarte von einer Organisation, wie der Stiftung Warentest, die sich zur Aufgabe gemacht Verbraucher aufklären zu wollen, etwas mehr Genauigkeit bei der Darstellung von solchen Sachverhalten.
Ich erwarte auf jeden Fall nicht, dass Vermutungen und persönliche Meinungen von Mitarbeitern der Stiftung Warentest zu feststehenden Tatsachen erklärt werden, wie z.B. "Wer natürliches Aroma verwendet, wird dies auch so deklarieren", woher nehmen Sie dieses absolute "Wissen"?

Profilbild Stiftung_Warentest am 09.10.2014 um 13:56 Uhr
Aroma

@Ex-Kd: was soll die Spitzfindigkeit? Wer natürliches Aroma verwendet, wird dies auch so deklarieren. (BP)

Blume_13 am 09.10.2014 um 13:35 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

Ex-Kd am 08.10.2014 um 16:57 Uhr
Aromenverordnung

@Stiftung_Warentest
"Die Aromenverordnung ist uns durchaus geläufig".
Sicher?
Wird nur "Aroma" deklariert kann dieses Aroma synthetisch durch ein chemisches Verfahren hergestellt sein, es kann aber entgegen Ihrer Darstellung u.a. auch ein natürliches Aroma sein.
Es steht jedem Hersteller, aus welchen Gründen auch immer, frei z.B. sein natürliches Vanille-Aroma nur "Aroma" zu nennen.