Rechts­schutz­versicherung im Vergleich

So haben wir getestet

Hier erklären wir im Detail, wie wir beim Test der Rechts­schutz­pakete „Privat, Beruf, Verkehr“ und beim Leistungs­vergleich der Verkehrs­rechts­schutz-Policen vorgegangen sind.

Rechts­schutz­versicherung im Vergleich Alle Testergebnisse für Rechts­schutz­ver­sicherung

Inhalt

Unter­suchung PBV-Rechts­schutz­pakete (2022)

Die Stiftung Warentest hat 60 Rechts­schutz­pakete von 29 Rechts­schutz­versicherern untersucht (Stand der Daten: Januar 2022). Die Pakete umfassen Schutz für Nicht­selbst­ständige in den Lebens­bereichen Privat, Beruf und Verkehr (PBV). Getestet wurden Versicherungen für eine Familie mit zwei Kindern. Der Versicherungs­nehmer ist 40 Jahre alt und arbeitet als Angestellter. Er hatte zuvor keine Rechts­fälle und war auch nicht rechts­schutz­versichert.

Mindest­schutz

Die Tarife enthalten alle mindestens diese Leistungs­arten:

  • Welt­weite Deckung für Schaden­ersatz­rechts­schutz,
  • Arbeits­rechts­schutz,
  • Rechts­schutz im Vertrags- und Sachenrecht (auch außerge­richt­lich),
  • Steuer­rechts­schutz vor Gerichten,
  • Sozial­gerichts­rechts­schutz,
  • Verwaltungs­rechts­schutz in Verkehrs­sachen,
  • Disziplinar- und Standes­rechts­schutz,
  • Straf­rechts­schutz,
  • Ordnungs­widrigkeiten­rechts­schutz,
  • Beratungs­rechts­schutz im Familien- und Erbrecht.

Angebote ohne diesen Mindest­schutz sind nicht aufgeführt. Die Verträge sind nicht an den Abschluss weiterer Policen beim Versicherer gebunden.

150 Euro Selbst­beteiligung im Schadens­fall

Das Test­ergebnis zeigt Tarife mit 150 Euro Selbst­beteiligung (SB). Bietet ein Versicherer keinen Tarif mit 150 Euro Selbst­beteiligung an, aber etwa einen mit 250 Euro SB, ist dieser genannt.

Eine höhere Selbst­beteiligung macht den Jahres­beitrag güns­tiger, eine nied­rigere macht ihn teurer.

Versicherungs­bedingungen (90 Prozent der Gesamt­note)

Die Teilnote für die Versicherungs­bedingungen ergibt sich aus einer Fülle von Bewertungs­kriterien. Stark gewichtet haben wir den Umfang des Rechts­schutzes in wichtigen Lebens­bereichen. Eine Auswahl wichtiger Prüfkriterien finden Sie in der interaktiven Testtabelle beziehungs­weise im PDF zum Test (Erläuterungen zu den ausgewählten Prüf­punkten lesen Sie weiter unten, ab „Steuer-, Sozial- und Verwaltungs­rechts­schutz“).

Verständlich­keit der Versicherungs­bedingungen (10 Prozent der Gesamt­note)

Bewertet haben wir die Versicherungs­bedingungen außerdem nach den Kriterien Lesbarkeit, Verständlich­keit und Über­sicht­lich­keit. Maßstab war unter anderem der Verständlichkeitsindex der Universität Hohenheim.

Steuer-, Sozial- und Verwaltungs­rechts­schutz

ja = Kosten­schutz für Streit mit Behörde. eingeschränkt = Kosten­über­nahme erst ab ­Klage oder im vorgericht­lichen Einspruchs-/Wider­spruchs­verfahren summen­mäßig begrenzt.

Studien­platz­klage

eingeschränkt = Kosten­schutz für wenigs­tens einen Streit um Studien­platz­vergabe.

Kapital­anlagen

Risikoarme Anlagen:ja = Versichert sind etwa Fest­geld, vermögens­wirk­same Leistungen, staatlich geförderte Alters­vorsorge.
eingeschränkt = Nur staatlich geförderte Anlageformen versichert.

Riskantere Kapital­anlagen: (ja) =Kosten­über­nahme bis 10 000 Euro bei Streit etwa um Aktien, Fonds. Oder wenn Streit um Anla­gebetrag bis 50 000 Euro versichert ist.
eingeschränkt = Kosten­über­nahme bis 5 000 Euro. Oder wenn Streit um Anla­gebetrag bis 15 000 Euro versichert ist.

Erweiterter Beratungs­rechts­schutz im Familien- und Erbrecht

ja = Über­nahme anwalt­licher Beratungs­kosten von 1 000 Euro oder mehr.

Betreuungs­verfahren

ja = Kosten­schutz zur Abwehr gericht­lich ange­ordneter Betreuung. eingeschränkt = Einge­schränkte Kosten­über­nahme, etwa: je nach Police bis maximal 3 000 Euro. Oder: Kosten­über­nahme erst ab Klage.

Urheberrecht

ja = Über­nahme Anwalts­kosten (etwa bei Vorwurf illegaler Downloads) in ­Höhe von 1 000 Euro oder mehr.
eingeschränkt =Kosten­schutz bis 999 Euro.

Widerruf von Krediten und Lebens­versicherungen

Streit um Widerruf von Verträgen, die vor der Rechts­schutz­police abge­schlossen wurden: eingeschränkt = Einge­schränkte Kosten­über­nahme unter Bedingungen wie: Schutz erst nach einem Jahr Warte­zeit nach Abschluss. Oder: versichert nur Kredite bis 15 000 Euro.

Streit um Widerruf von Verträgen, die nach Rechts­schutz­police abge­schlossen wurden: ja = Kosten­schutz.
eingeschränkt = Einge­schränkte Kosten­über­nahme unter Bedingungen (etwa: Kredit­abschluss darf bei Widerruf nicht­ ­länger als ein Jahr zurück­liegen).

Schutz, wenn Streit von Kunde vor Rechts­schutz­abschluss ausgelöst

ja = Versicherer verzichtet auf Spezialklauseln, die Kosten­schutz für Streit ausschließen, der zwar in die Zeit nach dem Rechts­schutz­abschluss fällt, dessen Auslöser zuvor aber der Kunde gesetzt hatte. Beispiel: Kunde beantragt Rente aus Berufs­unfähigkeits­versicherung (Auslöser) und schließt danach eine Rechts­schutz­police ab. Später kommt es zum Prozess, weil Versicherer Zahlung verweigert (Streit).

Mitversicherung Kinder

Fremde Fahr­zeuge: ja =Voll­jährige Kinder als Fahrer fremder Fahr­zeuge sind mitversichert. Eigentümer/Halter eines eigenen Fahr­zeugs: ja = Voll­jährige Kinder sind mitversichert.
Personen außer­halb Kernfamilie: ja =Mitversichert, wenn sie im Haushalt des Versicherungs­kunden leben und dort ihren Wohn­sitz haben.

Jahres­beitrag für Paket Privat, Beruf und Verkehr (PBV)

Wir haben die Beiträge für Rechts­schutz­versicherungs­verträge mit einem Jahr Lauf­zeit dargestellt. Bei einigen Anbietern hängt der Preis vom Wohn­ort (Post­leitzahl) des Versicherungs­nehmers ab. In diesen Fällen haben wir in unseren Tabellen den nied­rigsten und den höchsten Beitrag angegeben. Inklusive = Zusatz­baustein Wohnen ist im PBV-Paket mitversichert.

Jahres­beitrag für Zusatz­baustein Wohnen

Wer Mieter beziehungs­weise Vermieter/Eigentümer ist und dafür Rechts­schutz möchte, muss den entsprechenden Baustein in der Regel gegen Aufpreis dazu­buchen. Die genannten Jahres­beiträge zeigen, was Mieter für den Zusatz­baustein Wohnen pro Jahr ausgeben müssen. Bei Wohnungs­eigentümern, die ihre Wohnung vermieten, bemisst sich die Höhe des Jahres­beitrags in der Regel nach der Miethöhe.

Schadenfrei­heits­bonus

ja = Bonus für schadenfreie Jahre (etwa sinkende Selbst­beteiligung).

Abwertung

Ist ein Anbieter nicht Mitglied bei der Schlichtungs­stelle Versicherungsombudsmann e.V., haben wir das Qualitäts­urteil um 0,1 Noten­punkte abge­wertet.

Unter­suchung Verkehrs­rechts­schutz (2020)

Im Test: Wir haben aus unserem Test von Rechtsschutzpaketen alle Angebote ausgewählt, die mindestens die Note Gut haben, und deren Verkehrs­rechts­schutz (Einzel­police) untersucht. Die Tarife bieten Rechts­schutz für mehrere privat genutzte Kraft­fahr­zeuge. Stand der Daten: November 2020.

Mitversichert

Ehe-, Lebens­partner, Kinder sind mitversichert, auch als Fußgänger, Radfahrer oder Fahr­gast im ÖPNV. Partner und voll­jährige mitversicherte Kinder haben auch als Fahrer fremder Fahr­zeuge Schutz. Voraus­setzung ist meist ein gemein­samer Haushalt mit dem Versicherungs­nehmer. Voll­jährige Kinder dürfen weder verheiratet noch verpart­nert sein und kein eigenes Einkommen haben.

Jahres­beitrag

Die Beiträge gelten für Jahres­verträge mit jähr­licher Zahl­weise für Tarife ohne Selbst­behalt beziehungs­weise mit 150 Euro Selbst­behalt.

Sozial­gerichts-Rechts­schutz

Bei Wegeunfällen, also Unfällen auf dem Arbeitsweg, kann es zu Streitig­keiten mit dem Sozial­versicherungs­träger kommen, die bei vielen Anbietern abge­sichert sind. Einige Versicherer bezahlen Anwalts- und Prozess­kosten für solche Streitig­keiten allerdings erst, wenn der Streit vor Gericht gelandet ist. Bei solchen Versicherern müssen Kunden also das jedem Prozess vorgeschaltete Wider­spruchs­verfahren allein bestreiten oder die anwalt­liche Hilfe beim Wider­spruch selbst bezahlen.

Opfer-Rechts­schutz

Wer Opfer einer Gewalt­straftat und schwer verletzt wurde, erhält Rechts­schutz. Das Opfer kann dann als Neben­kläger im Straf­verfahren auftreten.

Ordnungs­widrigkeiten-Rechts­schutz

Rechts­schutz beim Vorwurf einer Ordnungs­widrigkeit (etwa Tempo­verstoß). Allerdings greift dieser Rechts­schutz bei manchen Anbietern erst, wenn das Bußgeld eine gewisse Höhe erreicht hat. Oder wenn zusätzlich zum Bußgeld Punkte in Flens­burg drohen.

Halte- und Park­verstöße

Sind in der Regel nicht versichert. Einige Versicherer bieten jedoch Versicherungs­schutz, wenn Halte- und Park­verstoß zum Eintrag in das Fahr­eignungs­register (Punkte in Flens­burger Verkehrs­sünderkartei) führen würde.

Verzicht auf Warte­zeit

In vielen Leistungs­arten gilt nach Abschluss der Versicherung eine mehr­monatige Phase ohne Rechts­schutz („Warte­zeit“). Teils verzichten die Anbieter auf eine solche Warte­zeit.

Selbst­behalt entfällt, wenn nur Erst­beratung

Ist der Versicherungs­fall nach einer anwalt­lichen Erst­beratung erledigt und der Versicherer verzichtet auf die Zahlung des Selbst­behalts, werten wir das positiv.

Versicherungs­summe

Ober­grenze für die Über­nahme von Rechts­anwalts-, Gutachter- und Gerichts­kosten bei Rechts­ärger in Europa beziehungs­weise welt­weit.

Sons­tige Leistungen der Verkehrs­rechts­schutz­versicherung

Außerdem gehören zum Leistungs­katalog jeder Verkehrs­rechts­schutz­versicherung folgende Leistungs­arten:

  • Schadens­ersatz-Rechts­schutz
  • Vertrags-Rechts­rechts­schutz (rund um Kraft­fahr­zeuge)
  • Straf­rechts-Rechts­schutz
  • Verwaltungs-Rechts­schutz

Welche Streitig­keiten über diese Leistungs­arten abge­sichert sind, zeigt der Kasten „Was ist versichert?“ im PDF.

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 10.05.2022 um 08:50 Uhr
Wechsel, Anpassung an neuen Tarif oder Altvertrag

@gagarin48: Bitten entschuldigen Sie die späte Antwort.
Haben Sie noch die Versicherungsbedingungen WGV-ARB 2004? Im Jahr 2004 hatten wir noch keine Qualitätsurteile für Rechtsschutztarife vergeben. Wir haben daher einmal überblicksartig den damaligen WGV-Tarif (ARB 2004) mit dem heutigen Huk-Coburg Tarif PBV Plus verglichen.
Danach gelten Steuer- und Sozialrechtsschutz erst ab dem Gerichtsverfahren (nicht wie beim Huk-Tarif bereits ab dem einem Gerichtsverfahren vorhergehenden Widerspruchs- bzw. Einspruchsverfahren).
Außerdem hat der WGV-Tarif keinen allgemeinen Verwaltungsrechtsschutz (sondern Verwaltungsrechtsschutz nur in Verkehrssachen – wenn Ihnen etwa wegen eines Fehlverhaltens im Straßenverkehr der Führerscheinentzug droht).
Besser als der Huk-Tarif ist der alte WGV-Tarif beim Kapitalanlage-Rechtsschutz. Die Huk zahlt für einen Rechtsstreit zum Beispiel rund um einen Aktienkauf im PBV-Plus-Tarif maximal 10.000 Euro. Das ist zwar nicht schlecht, aber der WGV-Tarif übernimmt Anwalts- und Gerichtskosten bis zur vollen Versicherungssumme in Höhe von 300.000 Euro (eine übrigens absolut ausreichende Versicherungssumme). Zwar hat die WGV damals mit der sogenannten Effekten-Klausel versucht, den Rechtsschutz für Kapitalanlagen auszuschließen. Aber der Bundesgerichtshof hat diese Klausel für unwirksam erklärt (Aktenzeichen: IV ZR 84/12; die Folge: der Ausschluss gilt nicht!).
Besser schneidet die Huk beim Punkt Beratungsrechtsschutz im Familien- und Erbrecht ab. Hier bezahlt sie 1000 Euro Anwaltskosten, wohingegen die WGV nur eine Erstberatung bezahlt (im Wert von in der Regel maximal 250 Euro).
Beim Thema Streit rund um einen Kreditwiderruf hat die WGV die Nase vorn: Widerrufsstreitigkeiten sind in dem alten Vertrag nicht ausgeschlossen. Bei der Huk ist der Rechtsstreit rund um Widerrufe, die vor Abschluss der Rechtsschutzversicherung erfolgten (und die dann zu einem Rechtsstreit nach Abschluss der Rechtsschutzversicherung führen), ausgeschlossen.
Ergebnis: In Ihrem Fall stimmt die von uns im Artikel genannte Faustregel also nicht ganz. Einiges spricht für einen Wechsel, einiges dagegen. Es kommt also darauf an, was Ihnen persönlich wichtig ist. Wenn Ihnen ein möglichst umfassender Kapitalanlage-Rechtsschutz wichtig ist, sollten sie nicht wechseln. Ist Ihnen hingegen der Rechtsschutz für Streit rund um Scheidung und Erbe wichtig, spricht das eher für die Huk. Natürlich ist auch die Versicherungsprämie im Blick zu behalten. Der Huk-Tarif kann (je nach Postleitzahl des Versicherungsnehmers) immerhin das Doppelte der WGV-Prämie kosten.

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.05.2022 um 18:48 Uhr
Mietervereine / siehe Artikel Finanztest 11/2021

@testomate: Mit den Leistungen der Mietervereine haben wir uns in Finanztest 11/2021 befasst. Sie finden den Artikel nach Freischaltung unter Punkt 10 "Heftartikel als PDF". Mieter-Rechtsschutz ist bei vielen Mietervereinen Bestandteil der Mitgliedschaft. Es gibt aber auch Mietervereins-Mitgliedschaften, die keine Rechtsschutzversicherung beinhalten. Wer auf den Mieter-Rechtsschutz Wert legt, sollte sich daher vor dem Erwerb der Mitgliedschaft über die Leistungen des Mietervereins erkundigen.

testomate am 04.05.2022 um 16:28 Uhr
Mieterbund

Sie weisen in Bezug auf den Arbeitsrechtsschutz zwar auf die Rechtsschutzleistungen der Gewerkschaften hin (die ich aus nicht so guter persönlicher Erfahrung nicht empfehlen kann), vergessen aber, dass bei einer Mitgliedschaft im Mieterbund neben der nichtanwaltlichen Hilfe auch eine Mietrechtsschutzversicherung im Beitrag enthalten ist. Hier habe ich schon oft Hilfe erhalten. Es wäre schön, wenn Sie die Leistungen sowohl der Gewerkschaften als auch des Mieterbundes intensiver Beleuchten.

Profilbild Stiftung_Warentest am 29.04.2022 um 14:32 Uhr
Versicherungssumme 300 000 €

@oezcanc: Eine Versicherungssumme von zum Beispiel 300 000 Euro ist aus unserer Sicht absolut ausreichend.
Regelmäßig treffen wir uns auch mit Vertretern der Rechtsschutzversicherer und diskutieren mit ihnen unsere Testkriterien. Dass es mal einen Fall gibt, bei dem Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten jenseits von 300 000 Euro anfallen, ist extrem selten.
Bitte bedenken Sie: Der Streitwert einer Rechtsstreitigkeit vor Gericht ist nicht mit der Versicherungssumme gleichzusetzen, die man für den Deckungsschutz benötigt. Der Streitwert ist nur die Grundlage für die Berechnung der Anwalts- und Gerichtskosten. Der Streitwert ist immer viel höher als die entstehenden Anwalts- und Gerichtsgebühren. Für den Deckungsschutz benötigten Sie eine Versicherungssumme, die "nur" die Gerichts- und Anwaltskosten abdeckt.
Beispiel: Ein Autokäufer klagt vor Gericht den Kaufpreis seines Ferrari SF90 ein (Kaufpreis rund 400.00 Euro), wegen eines nicht beseitigten Mangels. Für diesen Rechtsstreit benötigt der Autokäufer nicht etwa eine Rechtsschutzversicherung mit einer Versicherungssumme von 400.000 Euro („Streitwert“). Denn die Rechtsschutzversicherung sichert die Gerichts- und Anwaltskosten ab und diese liegen bei einem Streitwert von 400 000 Euro in der ersten Instanz bei etwa 24.000 Euro. Landet der Rechtsstreit tatsächlich vor dem Bundesgerichtshof, fallen zwar rund 100.000 Euro Gerichts- und Anwaltskosten an. Aber diese Summe wäre über eine Rechtsschutzversicherung mit „nur“ 300 000 Euro Versicherungssumme ebenfalls abgedeckt.

gagarin48 am 04.04.2022 um 09:32 Uhr
Wechsel, Anpassung an neuen Tarif oder Altvertrag

Sehr geehrtes Finanztest-Team, ich habe im Jahr 2004 bei der WGV eine Rechtsschutzversicherung mit dem Baustein "Wohnen" abgeschlossen. Es gelten die ARB 11/04. Ich habe auch noch einen vergleichsweise moderaten Beitrag von insgesamt 155,00 €. Sie schreiben als Faustregel gilt: "neue Angebote sind selten besser ..." Ich habe nach Ihrem neuen Test über einen Wechsel zur HUK bzw. um Anpassung an den aktuellen Tarif der WGV (Optimal) nachgedacht. Ja, die Versicherungssumme ist in aktuellen Tarifen deutlich höher; in meinem Alttarif 300.000,00 € (sollte aber dennoch reichen).
Zur WGV: Ich hatte in dieser Zeit zwei Rechtsschutzfälle im Bereich "Wohnen" (einen Prozess gewonnen, einen außergerichtlich verloren); lobenswert: ich habe keine Kündigung erhalten, stets sehr schnell eine Deckungszusage bekommen, auch haben sich die Anwälte mir gegenüber nicht beschwert.)
Ist ein Wechsel zur HUK oder eine Anpassung bei der WGV mit höherem Beitrag sinnvoll? Schon mal Danke für eine Antwort.