Rechtsschutz-Versicherung: Acht bieten „gute“ Hilfe

Rechtsschutzversicherung Test

Acht mal „gut“, der Rest ­Mittelmaß. Rechtsschutzversicherungen können noch verbraucherfreundlicher werden.

Die Wirtschaftskrise ist in den Arbeitsgerichten angekommen. Die Zahl der Prozesse steigt deutlich. Meist geht es vor dem Richtertisch um die Frage, ob die Kündigung eines Mitarbeiters rechtmäßig ist.

Natürlich können sich Arbeitnehmer wehren, wenn der Chef ihnen gar nicht kündigen durfte. Doch ihr Recht bekommen sie nicht umsonst. Wenn sie um ihren Arbeitsplatz kämpfen wollen, müssen sie Anwaltsgebühren, Gerichtskosten und falls nötig auch Sachverständigen- und Zeugenentschädigungen bezahlen. Nur Menschen mit ganz wenig Geld bekommen Beratungs- und Prozesskostenhilfe vom Staat.

Mit einer Rechtsschutzversicherung ist der Kampf um den Job wesentlich leichter, sie kommt für die Kosten auf.

Rundumschutz ist eine Illusion

Rechtsschutzversicherung Test

Arbeitsrechtsschutz gibt es einzeln zu kaufen, doch viel häufiger verkaufen ihn die Versicherer zusammen mit Schutz für Privat-, Verkehrs- und Mietrecht. Offenbar schätzen die Kunden das gute Gefühl, vor den Kosten aller denkbaren Rechtsstreitigkeiten abgesichert zu sein.

Doch der Rundumschutz ist eine Illusion. Rechtsschutz gibt es selbst in den umfassendsten Policen seit eh und je nicht für ­jeden Ärger und in ihren Bedingungen machen alle Anbieter Einschränkungen.

Wir haben uns deshalb in diesen Krisenzeiten die Bedingungen der großen Rechtsschutzpakete vorgenommen und sie Punkt für Punkt auf ihre Verbraucherfreundlichkeit geprüft. Das Ergebnis war mäßig: „Sehr gute“ Bedingungen fanden wir in keiner der 45 untersuchten Versicherungen. Nur acht bekamen ein „gut“, die meisten sind „befriedigend“, drei nur „ausreichend“.

Erstaunlich: Von den Großen der Rechtsschutzbranche haben nur Roland und DAS Tarife im Angebot, die wir mit „gut“ bewertet haben. Alle anderen großen Anbieter wie Advocard, Allianz oder Arag bieten nur „befriedigende“ Bedingungen.

Enttäuscht hat uns das Ergebnis auch deshalb, weil sich Rechtsschutz seit unserer letzten großen Untersuchung im Jahr 2006 weiter verteuert hat. Die Preise haben etwa um ein Viertel angezogen, während sich der Umfang der Leistungen kaum verändert hat. Allenfalls bei werbewirksamen, aber unwichtigen Details haben viele Anbieter nachgezogen.

Am wenigsten Lücken hat der Tarif „T07 erweiterte Leistungen“ der Rechtsschutz Union. Sie verlangt für das Paket aus Privat-, Berufs- und Verkehrsrecht stolze 311 Euro im Jahr. Wer noch Mietrechtsschutz benötigt, zahlt weitere 55 Euro.

Die Preise gelten für Verträge mit einjähriger Laufzeit und einen Selbstbehalt des Kunden. Bei der Rechtsschutz Union sind das 100 Euro, bei allen anderen 150 Euro.

Teurer als der Testsieger ist nur der Tarif „Kompaktplus“ der Roland. Er kostet 426 Euro und hat ebenfalls „gute“ Bedingungen. Bei ihm ist der Mietrechtsschutz bereits im Preis enthalten.

Billigster Anbieter ist wieder die WGV Schwäbische Allgemeine. Sie verlangt 142 Euro für ihr Paket, das mit „befriedigend“ im Mittelfeld liegt. Wer weitere 37 Euro investiert, ­bekommt Mietrechtsschutz dazu.

Viel Schutz für Arbeitnehmer

Je nachdem, um was für ein Rechtsproblem es geht, zahlen manche Versicherer viel, andere eingeschränkt und manche gar nicht.

Erfreulicherweise gibt es wenigstens beim Arbeitsrechtsschutz kaum Lücken. Das liegt weniger an der Arbeitnehmerfreundlichkeit der Versicherer als am Bundesgerichtshof. Er hat kürzlich klargestellt, dass Versicherungsnehmer bereits dann Rechtsschutz bekommen, wenn ihr Chef über einen Aufhebungsvertrag reden will. Viele Versicherer wollten erst zahlen, wenn die Kündigung auf dem Tisch liegt. Nun springen sie früher ein (Az. IV ZR 305/07).

Wenig Schutz für Kapitalanleger

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Große Unterschiede zwischen den Versicherern gibt es im Privatrechtsschutz. ­In diesen Teil des Rechtsschutzpakets fällt zum Beispiel der Streit um Kapitalanlagen. Nur die DA Direkt und die Itzehoer helfen ohne Einschränkungen, wenn ein Kunde sich mit seiner Bank wegen einer verlustbringenden und falschen Beratung streitet. Leider sind die Versicherungsbedingungen dieser Anbieter an anderen Stellen so schwach, dass sie zu den schlechtesten im Test gehören.

Wenige andere Anbieter zahlen zwar für den Streit mit der Bank, aber nur bis zu bestimmten Anlage- oder Schadenshöhen. Gut dran sind die Kunden beim Testsieger Rechtsschutz Union. Sie trägt die Kosten für Anwalt und Gericht, wenn der Streit sich um eine Anlage von maximal 250 000 ­Euro dreht. Das dürfte meist reichen.

Bei vielen ist die Summe geringer. So springt die DAS in ihrem Tarif „Optimal“ nur ein, wenn es um eine Geldanlage von maximal 20 000 Euro geht. Die DMB hilft auch im Streit um höherwertige Anlagen, übernimmt aber maximal 20 000 Euro für die Kosten.

Die meisten anderen Anbieter haben den Schutz in Geldanlagestreitigkeiten in den vergangenen Jahren nach und nach gestrichen. Rechtsschutz für Opfer der Lehman-Pleite? Fehlanzeige.

Telefonischer Rechtsrat ist Standard

Bei Ärger mit der Bank können die Kunden lediglich die Anwaltshotline ihres Rechtsschutzversicherers anrufen und um eine erste Einschätzung ihres Falles bitten.

Fast alle Versicherer bieten mittlerweile telefonischen Rechtsrat. Häufig erlauben sie den Versicherten sogar so viele Anrufe, wie diese möchten – ganz gleich, wo ihr Problem angesiedelt ist.

Die Anrufer müssen dafür zumeist nichts extra zahlen, auch nicht die Selbstbeteiligung. Der Schadenfreiheitsrabatt, den manche Versicherer gewähren, wenn ihr Kunde längere Zeit keinen Rechtsschutz einfordert, bleibt erhalten.

Die Großzügigkeit hat Gründe. Am Telefon werden viele Anfragen schnell geklärt, ohne dass der Versicherer viel dafür zahlen müsste. Und ist trotzdem noch ein Termin beim Anwalt notwendig, sind die Versicherer durch den Telefonkontakt eng am Kunden und können ihm Vorschläge für die Wahl des Anwalts machen.

Auch das geschieht mit Blick aufs Geld. Mit vielen Anwälten haben die Versicherer vereinbart, dass diese günstig arbeiten müssen. Im Gegenzug bekommen die Anwälte über den Versicherer Kundschaft.

Kriterien für die Auswahl

Für die Auswahl einer Rechtsschutzversicherung sollte die Telefonberatung aber nicht entscheidend sein. Der Anruf beim Anwalt bietet zwar erste Orientierung. Fundierte Hilfe gibt es aber nur in einfachsten Fällen – also gewiss nicht nach einer Falschberatung in der Bank. Und reicht die Telefonhilfe nicht, kommt es eben doch darauf an, was genau versichert ist und was nicht:

  • Wichtig für Menschen, die viel reisen, ist die Reichweite des Rechtsschutzes. Er gilt bei allen Anbietern weltweit, mit Ausnahme des Standardtarifs der DEVK.

Fast alle Versicherer machen auch keinen Unterschied mehr, ob eine Reise einen privaten oder beruflichen Grund hat. Allerdings variiert die Dauer, die der Versicherungsnehmer auf Reisen sein kann, ohne den Schutz zu verlieren. Je nach Anbieter beträgt sie mal sechs Wochen, mal ist sie unbegrenzt. Wer viel beruflich unterwegs ist und auf Rechtsschutz im Ausland Wert legt, sollte vor Abschluss einer Police beim Versicherer nachfragen.

  • Eigentümer von mehreren Wohnungen sollten nach Anbietern schauen, die nicht – wie meist üblich – den Schutz auf nur eine selbstbewohnte Wohnung begrenzen. Manche sind hier großzügiger.
  • Die Deckungssummen, bis zu denen die Versicherer höchstens zahlen, haben sich in den vergangenen Jahren weiter erhöht. Eine gefährlich niedrige Grenze hat nun keiner mehr. Schlusslicht ist die DA Direkt, die maximal 200 000 Euro je Rechtsschutzfall zahlt. Damit wären Versicherte wohl aber auch dann abgesichert, wenn sie nach einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt wären und um ein hohes Schmerzensgeld streiten müssten.
  • Wichtig für jeden ist die Frage, ob sich der Rechtsschutzversicherer beim Streit mit dem Kunden dem Spruch des Ombudsmanns der Versicherungswirtschaft unterwirft. Die meisten tun das – zum Vorteil der Kunden: Das Verfahren ist für sie kostenlos. Entscheidet der Ombudsmann gegen den Versicherer, muss dieser das akzeptieren, sofern nicht um mehr als 5 000 Euro gestritten wird. Für den Kunden ist der Spruch dagegen unverbindlich. Er kann seinen Versicherer immer noch verklagen.

So lässt sich bei der Auswahl sparen

Die Pakete für Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Mietrechtschutz sind mit Jahresbeiträgen zwischen 179 Euro (WGV) und 426 Euro (Roland, „Kompaktplus“) teuer. Wer sparen will, sollte prüfen, ob er den Schutz vielleicht nur in ausgewählten Bereichen benötigt und auf ein Paket verzichten kann.

Vielfahrer sollten in jedem Fall über Verkehrsrechtsschutz nachdenken und wer in einer Krisenbranche arbeitet, der schläft besser mit Arbeitsrechtsschutz.

Bevorzugt werden Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. Sie bekommen Rechtsschutz im Schnitt um 15 Prozent billiger.

Für alle Interessenten klug ist die Wahl eines Tarifs mit Selbstbehalt. Viele Versicherer bieten nur noch solche Tarife an. Dann zahlt der Kunde in jedem Schadensfall 150 Euro selbst. Das senkt den Preis bei vielen Anbietern um fast 100 Euro im Jahr und zahlt sich aus, wenn man die Versicherung selten benötigt. Viele Anbieter verzichten sogar auf den Selbstbehalt, wenn sich ein Problem mit dem ersten Anwaltsbesuch erledigt.

Erfreulich: Bis auf die GVO Gegenseitigkeit und die DA Direkt kassieren nun alle Versicherer die Selbstbeteiligung nur einmal, wenn sich aus einem Lebenssachverhalt mehrere Streitigkeiten entwickeln.

Manche Versicherer reduzieren den Selbstbehalt, wenn der Kunde lange Zeit keinen Rechtsschutz in Anspruch nimmt. Nachfragen lohnt sich.

Einige senken den Jahresbeitrag bei dreijähriger Vertragsbindung um bis zu 10 Prozent. Günstiger wird es oft auch bei jährlicher Zahlungsweise.

Große Familie, großer Nutzen

Richtig viel vom Rechtsschutz haben Familien mit älteren Kindern. Inzwischen sind bei den meisten Anbietern auch volljährige Kinder so lange mitversichert, bis sie einen vollwertigen Job haben und selbst verdienen – egal wo sie wohnen. Nur einige Versicherer ziehen zusätzlich Altersgrenzen.

Immer versichert ist der Versicherungsnehmer mit den minderjährigen Kindern und dem Ehepartner oder eingetragenen Lebenspartner – oder mit dem Partner, der im Versicherungsschein genannt wird.

Eine schöne Entwicklung zeigt sich im Verkehrsrechtsschutz: Hier gilt bei den meisten Anbietern der Schutz nun auch für die Kinder, wenn sie im eigenen Fahrzeug unterwegs sind – und nicht nur am Steuer von Papas Wagen.

Ebenfalls positiv: Es wächst die Zahl der Versicherer, die auch die Eltern des Versicherungsnehmers und seines Partners kostenlos mitversichern. Voraussetzung ist meist, dass die Eltern mit dem Versicherungsnehmer zusammenleben und kein ­eigenes Erwerbseinkommen haben.

Extraschutz für Extrageld

Wer nicht aufs Geld gucken muss oder auf Leistungen Wert legt, die kein Versicherer von vornherein anbietet, kann sie manchmal dazukaufen. So bietet die Advocard für einen Aufpreis von jährlich 100 Euro einen Zusatzschutz. Dafür können sich Versicherte zweimal jährlich in jedem Rechtsgebiet vom Anwalt beraten lassen, ohne dass überhaupt irgendetwas streitig ist.

Selbst Baurecht, das sonst nie versichert wird, ist hier eingeschlossen. Über die reine Beratung hinaus zahlt die Zusatzversicherung jährlich bis zu 1 000 Euro.

Die Kosten von Scheidungs- oder Unterhaltsprozessen übernimmt so gut wie kein Anbieter. Hier bietet die Arag einen Zusatz zum Privatrechtsschutz gegen einen Aufpreis von jährlich rund 200 Euro.

Versicherer unter Beobachtung

Nicht ermitteln können wir, ob die Versicherer stets flott helfen. Selbstverständlich ist das nicht. So haben Finanztest-Umfragen in der Vergangenheit gezeigt, dass die Anwälte die Rechtsschutzversicherer sehr unterschiedlich bewerten.

Wer wissen will, ob sein künftiger Versicherer unter Anwälten als „sperrig“ gilt, kann sich auf der Seite www.rsv-blog.de einen Eindruck verschaffen. „Zögerliche Bearbeitung der Deckungsanfrage stellen wir zum Beispiel immer wieder bei der Arag fest. Auch Roland und Concordia zeichnen sich mitunter durch großen Widerstand aus“, berichtet Rechtsanwalt Carsten Hoenig, einer der Betreiber der Seite.

Wichtig: Die Beurteilungen durch Anwälte sind nur Momentaufnahmen. Das Verhalten der Versicherer kann sich ändern. „Zuletzt etwa fiel die Allianz durch Verzögerungen auf“, berichtet zum Beispiel Anwalt Hoenig. „Nun läuft es aber wieder glatt.“

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