Häufig gestellte Fragen: Rechtzeitig versichern

Geld vom Versicherer gibt es nur, wenn die Police älter ist als der Streit. Wir klären Missverständnisse rund um den Rechtsschutz.

Lohnt es sich, noch schnell eine Versicherung abzuschließen, wenn sich rechtlicher Ärger abzeichnet?

Nein, das lohnt sich in aller Regel nicht, denn für viele Leistungen gilt eine Wartezeit von drei Monaten ab Vertragsschluss. Nur bei der NRV sind es lediglich zwei Monate. Für Ärger im Arbeitsrecht müssen bei der Debeka, der Direct Line, der Medien und der Jurpartner sogar sechs Monate vergehen, bevor die Police greift.

Genau hinsehen müssen Versicherte, wenn ihnen Rechtsschutz im Streit um Verträge wichtig ist. Viele Versicherer gewähren den Schutz vom ersten Tag an, bei anderen müssen erst drei Monate vergehen. Die Kunden haben dann erst Rechtsschutz für Verträge, die sie nach dieser Frist schließen.

Nur wenn es um Kauf oder Leasing eines Neuwagens geht, greift der Schutz stets sofort. Bei Gebrauchtwagen scheiden sich die Geister: Manche Versicherer bestehen auf der Wartezeit, andere nicht. Wer einen Gebrauchtwagen mit Rechtsschutz im Rücken kaufen will, sollte diese Frage vorher klären.

Kunden, die den Versicherer wechseln, müssen keine neue Wartezeit überstehen. Der Schutz geht fast immer nahtlos weiter. Nur die DFV ist hart und lässt die Dreimonatsfrist erneut beginnen.

Immer wieder lese ich von der Folgeereignistheorie. Worum geht es da?

Dabei geht es um die Frage, wann ein Rechtsschutzfall seinen Anfang nahm. Diese Frage ist wichtig, wenn Versicherungsnehmer Hilfe beim Durchsetzen von Schadenersatzansprüchen benötigen. Wer zum entscheidenden Zeitpunkt nicht versichert war, zahlt für seinen Rechtsstreit selbst.

Die meisten Versicherer gehen nach der kundenfreundlichen Folgeereignistheorie vor. Was das heißt, zeigt ein Beispiel: Ein ­Patient bekommt 2007 vom Arzt Medikamente verschrieben. 2008 schließt er eine Rechtsschutzversicherung ab und 2009 ­erkrankt er, weil der Arzt bei der Verschreibung des Arzneimittels Fehler gemacht hat.

Ist der Patient versichert? Ja, denn nach der Folgeereignistheorie kommt es auf den Beginn der Erkrankung an. Da zum Zeitpunkt dieses Folgeereignisses eine Versicherung bestand, gibt es Rechtsschutz.

Die Allianz und einige weitere Versicherer sind nicht so kundenfreundlich. Sie schauen auf den Zeitpunkt, zu dem die Ursache des Ärgers gelegt wurde. Im Ärztefall würden sie nicht zahlen, da der Patient noch nicht versichert war, als er das Medikament verschrieben bekam.

Versicherer zahlen nach den Rechtsschutzbedingungen nur, wenn eine Sache Aussicht auf Erfolg hat und Kosten und Nutzen der Rechtsverfolgung nicht in völligem Missverhältnis zueinander stehen. Wer stellt das im Streitfall fest?

Fast alle Versicherer überlassen diese Frage dem Anwalt, der verbindlich entscheidet. Nur die Unternehmen Allianz, Allrecht, Continentale, Württembergische und die Mecklenburgische wollen, dass in diesem Fall ein Gutachter entscheidet.

Bei der Württembergischen und der Mecklenburgischen kann das den Kunden teuer kommen. Er muss den Gutachter bezahlen, wenn dieser zu seinen Ungunsten entscheidet.

Ist der Versicherte mit der Entscheidung des Anwalts oder des Gutachters unzufrieden, kann er den Versicherer nur noch auf Deckung der Kosten seines Rechtsstreits verklagen. Dafür zahlt allerdings keine Rechtsschutzversicherung.

Ich bin vorsichtig und lasse mich nur auf Streit ein, wenn ich sicher bin, zu gewinnen. Benötige ich da Rechtsschutz?

Eine Rechtsschutzversicherung ist kein Muss. Der Schutz vor den Folgen von Berufsunfähigkeit, die Altersvorsorge und eine private Haftpflichtversicherung gehen immer vor.

Aber auch besonnene Menschen geraten in Situationen, in denen Rechtsschutz hilfreich ist. Vor Gericht gibt es keineswegs immer einen klaren Verlierer, der dem anderen seine Kosten ersetzt. Oft kommt es zum Vergleich und in Schadenersatzfragen nach einem Unfall kann es gut sein, dass beide Parteien Schuld haben und einen Teil des Rechtsstreits bezahlen müssen.

Ein besonderes Risiko gibt es im Arbeitsgerichtsprozess. Hier zahlt in der ersten Instanz jeder seine Kosten stets selbst.

Mein Anwalt ist gut, verlangt aber ein besonders hohes Honorar. Zahlt auch das die Rechtsschutzversicherung?

Nein, sie zahlt nur, was die anwaltliche Beratung oder Vertretung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz kosten würde. Dieses Gesetz sieht für einzelne Tätigkeiten des Anwalts Gebühren vor, die zum Beispiel vom Aufwand abhängig sein können. Wenn Sie mit dem Anwalt einen hohen Festbetrag oder ein üppiges Stundenhonorar vereinbaren, müssen Sie einen Teil selbst tragen.

Haben Sie Sorge, dass Ihnen trotz Rechtsschutzversicherung Kosten entstehen, sollten Sie den Anwalt Ihrer Wahl zunächst befragen, bevor Sie ihm das Mandat erteilen. Wenn Ihr Anwalt dazu partout nichts sagen will, sollten Sie einen anderen wählen.

Wenn es um Familien-, Partnerschafts- und Erbrecht geht, bekomme ich als Versicherter zumindest eine anwaltliche Erstberatung bezahlt. Kann ich die Beratung jederzeit einfordern?

Nein, das können Sie nur, wenn sich an ­Ihrer Situation etwas ändert. Zwar gilt für den Beratungsrechtschutz keine Wartezeit. Erforderlich ist aber immer ein Ereignis, das die Beratung nötig macht.

Eine erbrechtliche Beratung erhalten Versicherte also zumeist, wenn jemand gestorben ist. Wer mit anwaltlicher Hilfe den Nachlass regeln will, bekommt dagegen keinen Rechtsschutz.

Ähnlich ist es im Familienrecht. Wer nur überlegt, sich vom Partner zu trennen, bezahlt die Beratung durch den Anwalt selbst. Wer es tatsächlich tut, bekommt Rechtsschutz.

Verlangen Anwälte Geld dafür, wenn sie für mich die Deckungszusage beim Versicherer einholen?

Rund 90 Prozent der Anwälte erledigen ­diese Anfrage kostenlos, auch wenn das eigentlich ein Verstoß gegen die anwaltliche Berufsordnung ist. Sie als Mandant sollten Ihren Rechtsanwalt bitten, die Deckungszusagen für Sie einzuholen. Wenn der Anwalt anfragt, prüft der Versicherer den Fall möglicherweise gründlicher und lehnt die Kostenübernahme nicht vorschnell ab.

Mein Versicherer betont, dass seine Police Opferrechtsschutz enthalte. Ist das ein Grund, sie zu kaufen?

Nein, es geht dabei nur darum, dass Sie ­ohne eigene Kosten im Strafverfahren als Nebenkläger auftreten können, wenn Sie Opfer einer Straftat geworden sind.

Das kann vernünftig sein. Meist wird es aber völlig ausreichen, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den Straftäter führt.

Mittlerweile bietet fast jeder Versicherer diesen Opferrechtsschutz. Häufig in Anspruch genommen wird er nicht.

Stimmt es, dass mich der Versicherer aus dem Vertrag werfen kann, nur weil ich ein einziges Mal seine Leistungen in Anspruch genommen habe?

Bei Debeka und Örag kann das tatsächlich passieren. Branchenüblich ist aber das außerordentliche Kündigungsrecht des Versicherers nach zwei Fällen innerhalb von zwölf Monaten.

Mit wirklich gutem Beispiel voran geht nur die DFV. Sie verzichtet völlig auf ein außerordentliches Kündigungsrecht.

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