Das ist versichert: Wofür zahlt die Rechtsschutz – wofür nicht?

Das Prinzip der Rechtsschutzversicherung ist einfach: Die Versicherungsbedingungen enthalten klar definierte Leistungen wie etwa den Steuerrechtsschutz. Den gibt es aber jeweils nur in dem Lebensbereich, in dem sich der Kunde versichert hat.
Beim Streit um die Kfz-Steuer hilft der Versicherer nur, wenn der Kunde Verkehrsrechtsschutz hat. Kosten für einen Prozess um die Einkommensteuer übernimmt der Versicherer dagegen nur im Privatrechtsschutz.
Die Versicherungspakete in unserem Test schließen all das ein. Wir stellen wichtige Leistungen vor:

Schadenersatz. Der Versicherer zahlt, wenn sein Kunde Schadenersatz erstreiten will. Wichtig wird dieser Punkt etwa im Verkehrsrechtsschutz nach Unfällen. Bei der Abwehr von Ansprüchen von Unfallgegnern hilft er nicht.

Vertrags- und Sachenrecht. Versichert sind die Kosten von Streitigkeiten um Verträge, also zum Beispiel ein Konflikt mit der Bank um ein Darlehen, ein Streit mit dem Verkäufer fehlerhafter Ware oder mit einem schlampigen Handwerker.
Stets ausgeschlossen ist Streit um den Bau. Das Risiko, dass es Ärger gibt, ist den Anbietern zu groß. Eine kleine Ausnahme machen die Rechtsschutz Union, Roland (Tarif „Kompaktplus“), VGH und die BGV (Tarif „proComfort“): Sie zahlen für Streit rund um eine Küche auch dann, wenn sie in eine neuerrichtete Wohnung gebaut wird. Ebenfalls nicht versichert ist Streit um den Versicherungsvertrag. Wer den ­eigenen Rechtsschutzversicherer verklagen will, tut das auf eigene Kosten.

Familien-, Partnerschafts-, Erbrecht. Bald jede zweite Ehe wird geschieden und ums Erbe streiten viele. Deshalb begrenzen fast alle Versicherer hier den Rechtsschutz auf eine Erstberatung beim Anwalt. Die Beratung muss wirklich nötig sein, etwa weil ein Erb- oder Trennungsfall eingetreten ist. Einfach mal so auf Kosten des Versicherers beim Anwalt nachfragen, geht nicht.
Nur einige Versicherer zahlen auch, wenn der Anwalt mehr als eine Erstberatung leisten muss. Diesen Schutz begrenzen sie massiv, indem sie Ärger um Unterhalt oder Scheidung gleich ausklammern oder maximale Erstattungssummen festlegen. Die R+V beispielsweise zieht bei 500 Euro pro Rechtsschutzfall die Grenze.

Steuerrecht. Rechtsschutz bei Steuerärger beschränken die meisten Versicherer auf die Kostenrisiken vor Gericht. Für die Hilfe eines Anwalts beim außergerichtlichen Streit mit dem Finanzamt zahlen nur wenige.

Arbeitsrecht. Rechtsschutz im Arbeitsrecht hilft, wenn es um eine drohende Kündigung, ein schlechtes Zeugnis oder eine fehlerhafte Gehaltseinstufung geht. Nicht versichert ist Streit aus dem kollektiven Arbeitsrecht, also etwa der Konflikt mit dem Arbeitgeber über betriebliche Regelungen.

Betreuung und Patientenverfügung. Mittlerweile bezahlen einige Versicherer auch die Anwaltsberatung, wenn ­eine gesetzliche Betreuung angeordnet wird oder Hilfe beim Abfassen einer ­Patientenverfügung nötig ist. Doch sie begrenzen ihre Leistungen. Die Württembergische etwas übernimmt jährlich höchstens 250 Euro.

Sozialrecht. Gibt es Streit um die Leistung der gesetzlichen Kranken-, Unfall-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung oder über den Grad einer Schwerbeschädigung, greift der Sozialrechtsschutz. Viele Versicherer zahlen aber erst, wenn es zum Gerichtsverfahren kommt. Anwaltskosten im vorgerichtlichen Streit übernehmen nur wenige.

Verwaltungsrecht. Bei Streit mit anderen Behörden sind die Versicherer nicht so großzügig. Viele zahlen hier gar nicht und manche erst, wenn der Streit vor Gericht geht. Versicherer, die zahlen, machen Einschränkungen: Einige klammern den Streit um die Studienplatzvergabe aus, andere winken ab, wenn es um Asyl-, Ausländer- und Staatsangehörigkeitsrecht geht oder wenn um Sozialhilfe gestritten wird. Streit im Vergabe- oder Umweltschutzrecht jedoch ist meist versichert.

Streit mit der Verkehrsbehörde. Bei Ärger im Verkehrsrecht zum Beispiel um den Entzug des Führerscheins springen alle Versicherer ein, egal ob der Streit vor Gericht ist oder nicht. Nur Kleinkram wie Knöllchen fürs Falschparken übernehmen die meisten nicht.

Kapitalanlagerecht. Rund ein Drittel ­aller Versicherer bezahlen einen Anwalt, der beim Streit um eine Geldanlage hilft. Aber nur die DA Direkt und die ­Itzehoer leisten hier ohne Einschränkung, die Rechtsschutz Union zumindest bei Anlagesummen bis 250 000 Euro. Einige weitere schränken den Schutz stark ein. Die meisten Anbieter schließen Streit um Geldanlagen inzwischen sogar völlig aus.

Wohnungs- und Grundstücksrecht. Mieter mit Mietrechtsschutz bekommen Unterstützung beim Streit um Kaution oder Schönheitsreparaturen, Vermieter dagegen nicht. Wohnungseigentümern hilft der Schutz in ihrer selbstgenutzten Wohnung im Streit mit dem Nachbarn wegen der Grundstücksgrenze. Nie versichert ist Streit im Baurecht, etwa wenn es um Kauf oder Finanzierung von Bauland geht oder der Architekt Fehler macht.

Disziplinar- und Standesrecht. Dieser Schutz greift bei Streit um Dienstvergehen, etwa wenn ein Beamter seine Verschwiegenheitspflicht verletzt hat.

Strafrecht und Ordnungswidrigkeit. Hier gilt der Rechtsschutz für die Verteidigung, wenn dem Kunden ein Vergehen vorgeworfen wird oder ein Bußgeldverfahren läuft. Beim Vorwurf einer vorsätzlichen Tat zahlt der Versicherer, wenn sich zeigt, dass der Vorwurf falsch war.
Wird dem Kunden ein Verbrechen oder ein nur vorsätzlich begehbares Vergehen wie Beleidigung oder Betrug vorgeworfen, zahlen die Versicherer nicht.

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