Marina C. aus Berlin: Mein Sohn Andreas (15) ist beim Schwarzfahren erwischt worden. Die Verkehrsgesellschaft verlangt jetzt ein erhöhtes Beförderungsentgelt. Darf sie das?

Finanztest: Nach einem Urteil des Amtsgerichts Jena darf sie das nicht. Eine Verkehrsgesellschaft kann danach nur Fahrgeld und bei Schwarzfahrten erhöhte Tarife verlangen, wenn mit dem Fahrgast ein wirksamer Beförderungsvertrag geschlossen wurde. Zwar kann man davon immer schon dann ausgehen, wenn der Fahrgast in den Bus oder die Bahn einsteigt. Bei Ihrem Sohn liegt der Fall aber anders: Da er erst 15 Jahre alt ist, sind seine Rechtsgeschäfte nur gültig, wenn sie ihm lediglich Vorteile bringen. Bei einem Beförderungsvertrag ist das nicht der Fall. Ihr Sohn würde sich zum Bezahlen des Tickets und zum Strafentgelt bei Schwarzfahrten verpflichten. Das wären klare Nachteile.

Das Amtsgericht Jena (Az. 22 C 21/01) meint daher: Der Vertrag ist unwirksam, außer die Erziehungsberechtigten willigen ins Geschäft ein. Sie können also selber entscheiden, ob Ihr Sohn zahlen muss.

Aber Achtung. Unabhängig von Verträgen ist Schwarzfahren nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts (Az. 2 BvR 1907/97) strafbar. Auch ein Jugendlicher kann bestraft werden. War er alt genug um zu verstehen, was er da ohne Ticket gemacht hat, muss er zwar die Fahrt auch nachträglich nicht bezahlen. Er kann aber etwa zu einigen Stunden sozialer Arbeit verdonnert werden. Da Ihr Sohn schon 15 ist, wäre bei klarer Beweislage ein entsprechendes Urteil möglich.

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