Rechtsberatung Meldung

Im Kaufhaus gibt es Unterwäsche, ­Haushaltswaren – und neuerdings auch Beratung durch einen Anwalt.

„Anwaltsbüros im Kaufhaus sind ein dramatischer Niedergang der Rechtskultur“, findet Jann Fiedler, Vizepräsident der Rechtsanwaltskammer Berlin. Der Hamburger Müller-Dieckert-Rechtsanwalts GmbH ist das egal. Sie bietet seit kurzem Rechtsrat direkt bei Karstadt und Galeria Kaufhof und hat mehrere Anwaltsshops eröffnet. In Magdeburg, Chemnitz und zweimal in Berlin gibt es Rechtsrat zwischen Socken und Feinripp.

Passend zum Kaufhausambiente können Kunden dort neben dem klassischen Mandantengespräch zum regulären Preis auch „unverbindliche“ Rechtsauskünfte erhalten. „Die kosten einen Euro im Minutentakt bei einem Mindestpreis von zehn Euro“, erklärt Anbieterin Carolin Müller-Dieckert. Diese Discountberatung sei ohne Gewähr, die Kaufhausanwälte würden für Falschauskünfte nicht haften.

Finanztest findet das bedenklich. Wo wenn nicht beim Anwalt darf man Verbindlichkeit erwarten? Die Rechtsanwaltskammer Berlin findet das Angebot sogar irreführend. „Jeder Anwalt ist gesetzlich verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Die kommt für Schäden auf, die Anwälte bei Ausübung des Berufs verursachen. So kann es gar keinen unverbindlichen anwaltlichen Rechtsrat geben“, meint Kammergeschäftsführerin Marion Pietrusky. „Wir haben zudem Zweifel, ob im Kaufhaus die anwaltliche Verschwiegenheitspflicht eingehalten werden kann.“ Marion Müller-Dieckert sieht da kein Problem. „Wir haben Trennwände und auf Wunsch gibt es Beratung in einem separaten Raum.“

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