Die Suche nach spezialisierten Rechtsvertretern bleibt schwierig, da es bis auf weiteres keine neuen Fachanwaltstitel geben soll. Das hat die Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer beschlossen ­ das berufsrechtliche Parlament aller Anwälte. Bislang können Anwälte nur in sieben Spezialgebieten wie etwa dem Straf-, Sozial- oder Verwaltungsrecht durch umfassende Fortbildungen den begehrten Titel Fachanwalt erwerben.

Die Entscheidung gegen neue Titel ist für alle bedauerlich, die verzweifelt nach besonders qualifiziertem Rechtsrat suchen. Denn bei rund 110.000 zugelassenen Anwälten in Deutschland könnten weitere Spezialisierungen, etwa im Verkehrs-, Medizin- oder Baurecht hilfreich sein. Ohne Fachanwaltstitel mit entsprechender Prüfung sind Rechtssuchende weiter auf die Selbsteinschätzung der Anwälte angewiesen. Diese dürfen mit Tätigkeits- und Interessenschwerpunkten werben. Dabei sagt zumindest der Interessenschwerpunkt nichts über Spezialkenntnisse aus.

"Ein Desaster" nennt auch Dierk Mattik, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins, den Entschluss gegen neue Fachanwälte. Er hat dabei jedoch vor allem die Marktchancen der Anwälte im Blick, die so auf ein wichtiges Marketingmittel verzichten müssen.

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