Rechtsanwälte Meldung

Mit selbst ernannten Spezialisten ist auf dem Anwaltsmarkt verstärkt zu rechnen. Mandanten sollten kritisch nachfragen.

Anwälte dürfen jetzt auf dem Briefpapier den Begriff „Spezialist“ verwenden, um auf besondere Fähigkeiten hinzuweisen. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden (Az. 1 BvR 159/04). Eine Prüfung müssen die Anwälte in ihrem Spezialgebiet nicht ablegen, bevor sie damit werben.

Der Hildesheimer Anwalt Georg Greißinger war vor das Gericht gezogen. Er ist unbestritten seit vielen Jahren Fachmann für Verkehrsrecht, doch „Verkehrsrechtsspezialist“ durfte er sich auf dem Briefpapier bislang nicht nennen. Und einen Fachanwaltstitel, wie ihn Spezialisten im Straf- oder Erbrecht nach Prüfungen führen dürfen, gibt es für das Verkehrsrecht nicht.

Mit der Entscheidung zugunsten von Greißinger setzt das Verfassungsgericht die Anwaltschaft unter Druck. Sie hat es bislang nicht geschafft, ein Spezialisierungssystem zu entwickeln, das Rechtsuchende verstehen.

Geprüfte Fachleute gibt es bisher nur für die Gebiete Arbeits-, Familien-, Insolvenz-, Sozial-, Steuer-, Straf- und Verwaltungsrecht. Daneben können Anwälte ungeprüft mit „Tätigkeits- und Interessenschwerpunkten“ werben. Mandanten verstehen die Einteilung aber häufig nicht und fragen nach „Spezialisten“ oder „Experten“. Die wird es nun – auch ohne besondere Prüfungen – häufiger geben.

Tipp: Fragen Sie „Spezialisten“, wie viele Fälle sie schon in ihrem Spezialgebiet bearbeitet haben. Zur Orientierung: Für den Fachanwaltstitel müssen Anwälte zwischen 50 und 120 Fälle aus dem Spezialgebiet vorweisen. Die Bundesrechtsanwaltskammer rät Mandanten zur „kritischen Distanz“ beim Gespräch mit „Spezialisten“. Sie geht davon aus, dass Anwälte deutlich mehr als die Hälfte ihrer gesamten Arbeit im Spezialgebiet absolvieren müssen, um sich Spezialist nennen zu können.

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