Interview: Vom Gericht kontrolliert

Holger Kersten ist Fach­amts­leiter bei der Betreuungs­stelle Hamburg. Seine Behörde schlägt bei Gericht recht­liche Betreuer für Menschen vor, die Unterstüt­zung brauchen.

Wann wird ein recht­licher Betreuer bestellt?

Kersten: Die Betreuung wird nur dann einge­richtet, wenn es keine Vorsorgevoll­macht gibt, in der jemand bevoll­mächtigt wird. Wenn jemand den Über­blick über sein Leben verliert, kann jeder einen Antrag an das Betreuungs­gericht beim Amts­gericht stellen, also der Betroffene selbst, seine Angehörigen oder Dritte. Ein Hinweis kann auch aus dem Kranken­haus kommen.

Werden Betreuer kontrolliert?

Kersten: Ja, ein recht­licher Betreuer muss im Gegen­satz zu einem mit einer Vorsorgevoll­macht Bevoll­mächtigten dem Betreuungs­gericht einmal im Jahr einen Tätig­keits­bericht und eine Einnahme-Ausgaben-Rechnung vorlegen. Nur wenn Betreuer aus der Familie einge­setzt werden – wie Sohn oder Tochter – müssen sie das nicht tun.

Kann eine Betreuung wieder aufgehoben werden?

Kersten: Das ist abhängig von der Erkrankung oder Behin­derung des Betreuten. Bessert sich zum Beispiel eine starke Depression bei einer psychisch kranken Person, ist die Aufhebung möglich. Bei einer Demenz geht das kaum, da sie sich meist verschlimmert. Den Antrag auf Prüfung kann der Betroffene auch selbst stellen.

Wo können sich Beteiligte beschweren, wenn etwas nicht läuft?

Kersten: Ist der Betreute oder ein Angehöriger mit der Arbeit eines Betreuers nicht einverstanden, können sie sich an das Betreuungs­gericht beim Amts­gericht wenden. Dasselbe gilt auch für den Betreuer, wenn der Betreute kein Einsehen zeigt. Das Gericht wird dann aktiv und bestellt gegebenenfalls einen neuen Betreuer.

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