Recht­lich vorsorgen Special

Mal erledigt sie Behördenkram oder Finanz­angelegenheiten, mal entscheidet sie über eine medizi­nische Behand­lung: Berufs­betreuerin Catharina Meier.

Ein Mensch verliert den Über­blick über sein Leben und hat keinen, der ihn unterstützt. Dann organisiert das Gericht für ihn eine recht­liche Betreuung. Erst wenn weder Familie noch Freunde eine ehren­amtliche Betreuung über­nehmen wollen, kommt ein Berufs­betreuer infrage. Berufs­betreuer erarbeiten mit ihren Klienten einen Plan mit Zielen, die der betreute Mensch erreichen möchte. Wird der betreute Mensch pflegebedürftig, kümmert sich der Betreuer um einen passenden Pflege­dienst.

Klienten können 18 Jahre alt sein – oder 104

Auf einen Fremden angewiesen zu sein, wenn man seine Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln kann – diese Vorstellung macht vielen Menschen Angst. „Ich treffe in meinem Berufs­alltag häufig auf solche Befürchtungen“, sagt Catharina Meier. Die 52-Jährige ist Berufs­betreuerin und unterstützt Menschen, die aufgrund einer geistigen, psychischen oder körperlichen Erkrankung den Über­blick verloren haben. Das können junge Leute ab 18 sein, denen die Struktur im Alltag fehlt, genauso wie ältere. Manche haben Demenz oder eine andere psychische Erkrankung. „Meine älteste Klientin war 104 Jahre alt. Sie war geistig fit, konnte jedoch nur schwer hören und sehen. In Absprache mit ihr habe ich ihre Post- und Vermögens­angelegenheiten geregelt.“

Tipp: Über die vielfältigen Vorsorge-Möglich­keiten informiert unser Special Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung.

Eine Betreuerin für 48 Menschen

Die Hamburgerin betreut zurzeit 48 Klienten. Sie füllt nicht nur Anträge für die Krankenkasse oder das Sozial­amt aus. Sie regelt die Finanzen und entscheidet über eine ärzt­liche Behand­lung, wenn ein Patient den Ablauf nicht mehr selbst über­blicken kann. Die konkreten Aufgaben­bereiche legt das Betreuungs­gericht fest. „Im Gespräch mit dem Klienten erfahre ich dann, welche Hilfe er tatsäch­lich braucht und was ich über­nehmen soll“, sagt Meier. Wie lange die Betreuerin einen Menschen unterstützt, ist abhängig vom Krank­heits­verlauf. Bei Klienten mit Demenz bleibt die Betreuung oft bis ans Lebens­ende, da sich ihr Zustand nicht mehr bessert. Das Betreuungs­gericht, eine Abteilung beim Amts­gericht, prüft regel­mäßig, ob die Hilfe noch nötig ist. „Stabilisiert sich ein Klient, kann die Betreuung in einer Anhörung mit dem Richter wieder aufgehoben werden“, sagt die Betreuerin. Auch über­prüft das Gericht regel­mäßig, ob eine Betreuung noch nötig ist.

Gericht bestimmt die Person

Vom Betreuungs­gericht erhält Catharina Meier auch ihre Aufträge. Zuvor hat der Betroffene selbst, ein Mensch aus seiner Umge­bung oder ein Kranken­haus dem Gericht einen Hinweis gegeben. Der Richter hat die örtliche Betreuungs­stelle mit der Vorermitt­lung beauftragt und die Behörde um einen Betreuer­vorschlag gebeten. An erster Stelle bei der Betreuer­suche steht die Familie und das nahe Umfeld. Erst wenn hier niemand eine ehren­amtliche Betreuung über­nimmt, kommt ein Berufs­betreuer infrage. Auch der Richter selbst hört sich den Betroffenen an, möglichst in seiner gewohnten Umge­bung. „Ich bekomme dann im Zuge der Vorermitt­lungen eine Anfrage von der Betreuungs­stelle, von der ich gefragt werde, ob ich bereit bin, die Betreuung aufzunehmen“, sagt Meier. „Wenn ich zustimme, geht das wieder zum Gericht. Es dauert dann etwa drei Monate, bis ich bestellt werde.“ In Eilfällen liegt oft nur ein Tag dazwischen.

Manchmal reicht Hilfe für ein Jahr

Hat das Gericht einen Berufs­betreuer bestimmt, nimmt er Kontakt mit seinem neuen Klienten auf. Bei der ersten Begegnung geht es auch darum, sich kennen­zulernen und Vertrauen zu fassen: „Das gelingt meist, indem ich meinen Klienten auf Augen­höhe begegne und auf ihre Ängste eingehe“, sagt Catharina Meier. Auch fragt sie gleich zu Anfang, welche Form der Unterstüt­zung der Betreute benötigt. „Manchmal ist nur die Hilfe bei Behörden­angelegenheiten nötig, beispiels­weise für ein Jahr.“ Das Vertrauen ist eine Sache, ganz ohne Kontrolle geht es aber nicht. Berufs­betreuer müssen einmal im Jahr einen Bericht für das Betreuungs­gericht schreiben und eine Rechnungs­legung vorlegen, wenn Verfügungen über das Vermögen des Klienten getroffen wurden.

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