Recht­lich Vorsorgen Special

Vorsorgeberatung bei einem Rechts­anwalt. Wen soll ich in einer Vorsorgevoll­macht bevoll­mächtigen? Wann brauche ich eine Patienten­verfügung? Viele Anwälte und Notare beraten rund um die recht­liche Vorsorge. Einige Rechts­schutz­versicherer erstatten bis zu 500 Euro Beratungs­kosten im Jahr.

Vorsorgedokumente helfen, bis zum Lebens­ende selbst­bestimmt zu bleiben. Wer Anwalts Rat braucht, bekommt von manchen Rechts­schutz­versicherern Beratungs­kosten erstattet.

Fragen wie diese hört Vorsorgeanwalt Dieter Trimborn von Landen­berg immer wieder: „Mein Enkel hat mir eine Vorsorgevoll­macht aus dem Internet herunter­geladen – kann ich das unter­schreiben?“ Zu dem Kölner Anwalt kommen Menschen, die recht­lich vorsorgen wollen. Wie soll es weitergehen, wenn sie nicht mehr selbst entscheiden können? Was kommt nach einem Unfall, bei einer unheil­baren Krankheit oder im Alter auf sie zu?

Eine Vorsorgevoll­macht hilft, sich recht­lich abzu­sichern. Bevoll­mächtigte über­nehmen darin die Aufgabe und Verantwortung, Entscheidungen für einen anderen zu treffen. Denn Ehepartner oder Angehörige sind nicht auto­matisch berechtigt, füreinander zu sprechen. Eine Patienten­verfügung schafft zusätzlich Klarheit für Ärzte und Angehörige. All diese Dinge sollten Menschen zu einer Zeit regeln und formulieren, in der es ihnen noch gutgeht. „Vorgefertigte Formulare passen nicht immer“, sagt der Kölner Anwalt. Manche fühlen sich damit über­fordert. Viele sind auch unsicher, wie sie künftige Lebens- oder Krank­heits­situationen am besten regeln. Ein Rechts­anwalt oder Notar hilft ihnen beim Erstellen der Dokumente.

Tipp: Alle wichtigen Infos rund um die Themen Patienten­verfügung, Testament, Betreuungs­verfügung, Vorsorgevoll­macht finden Sie in unserem Buch Das Vorsorge-Set. Es enthält Formulare zum Heraus­trennen und Abheften, Schritt-für-Schritt-Anleitungen für alle Formulare sowie Tipps für das Testament. Das Buch ist im test.de-Shop erhältlich und kostet 12,90 Euro (bzw. 9,99 Euro als PDF).

Hälfte der Versicherer bezahlt Beratung zu recht­licher Vorsorge

Die Kosten für eine Vorsorgeberatung über­nehmen immer mehr Rechts­schutz­versicherer. Von den 55 Rechtsschutzpaketen im jüngsten Test von Finanztest (Heft 12/2014) enthalten mehr als die Hälfte solche Leistungen. Die Versicherer bezahlen dann meist Beratungen zur Vorsorgevoll­macht, zur Patienten- und Betreuungs­verfügung.

Rechts­anwälte berechnen solche Leistungen häufig pauschal oder nach Stundenhonorar. Der Stunden­satz liegt in Deutsch­land oft zwischen 180 und 300 Euro netto.

Für Anwalt Trimborn von Landen­berg hat sich die pauschale Abrechnung bewährt: „Für Einzel­personen berechne ich 250 Euro, bei Paaren 400 Euro.“ Bei erhöhtem Aufwand, beispiels­weise mehreren Bevoll­mächtigten, kann es teurer werden.

Finanztest hat die besten Rechts­schutz­pakete aus dem Test im Vormonat diesmal speziell auf ihre Leistungen zur Vorsorgeberatung untersucht: Viele Versicherer erstatten einmal jähr­lich bis zu 250 oder 500 Euro für die Beratung zu einer Patienten­verfügung und Vorsorgevoll­macht bei einem Anwalt oder Notar der Wahl.

Die jähr­liche Leistung ist sinn­voll, denn Vorsorgedokumente sollten hin und wieder aktualisiert werden. Zum Beispiel, wenn sich die Familien­konstellation ändert, nach dem Tod des Ehe- oder Lebens­part­ners oder dem Umzug ins betreute Wohnen oder Pfle­geheim. Erkrankt ein Mensch schwer, will er manchmal auch seine Patienten­verfügung genauer formulieren oder er sieht manches anders als zuvor.

Doch nicht alle Versicherer zahlen mehr­mals. Nur einmal während der Vertrags­lauf­zeit können Rechts­schutz­versicherte im Premium-Tarif der DAS eine Beratung abrechnen. Der Versicherer erstattet dann bis zu 500 Euro.

HDI/Roland gewährt Beratungs­rechts­schutz für die Vorsorge nur bei Roland-Partner-Rechts­änwalten. Versicherte können sich online Musterdokumente über das Roland-Internetportal herunter­laden und sollten diese dem Anwalt vorlegen. Zwei Leistungs­fälle bis zu je 250 Euro erstattet der Versicherer pro Jahr.

Wer eine Rechts­schutz­versicherung hat, sollte prüfen, in welchem Umfang der Versicherer Vorsorgeberatung anbietet, oder gezielt nach­fragen. „Am besten bringen Ratsuchende ihre Rechts­schutz­police gleich zum Anwalts­termin mit“, rät der Vorsorgeanwalt aus Köln.

Ein Notar kann bei größeren Vermögen sinn­voll sein

Geht es in der Vorsorgevoll­macht um Immobilien, größere Vermögen oder komplizierte Familien­verhält­nisse, kann ein Notar sinn­voll sein. Im Gegen­satz zu einem Anwalt darf er die Dokumente notariell beur­kunden. Das Original bleibt beim Notar. Mehr zum Thema in unserem Special Vorsorgevollmacht: Wenn der Gang zum Notar sinnvoll ist, Finanztest 4/2014.

Die Kosten für die Beur­kundung einer Vorsorgevoll­macht richten sich nach dem Wert des Vermögens. Bei rund 250 000 Euro kosten Beratung, Vorsorgetext und Beur­kundung zwischen 260 und 360 Euro. Viele gute Versicherungen beteiligen sich mit mindestens 250 Euro an diesen Kosten.

Rechts­schutz für die Vertretung in Betreuungs­verfahren

Einige Versicherer über­nehmen auch Anwalts- und Gerichts­kosten, wenn sich der Versicherte in einem Betreuungs­verfahren wehren will. So ein Verfahren wird zum Beispiel in Gang gesetzt, wenn jemand nach einem Unfall nicht ansprech­bar in der Klinik liegt. Gibt es keine Vorsorgevoll­macht, beauftragt das Gericht einen Betreuer. Ist das kein Angehöriger, sondern ein Berufs­betreuer, muss der Betreute dafür zahlen.

Will er sich mit einem Anwalt wehren, über­nehmen manche gute Versicherer bis zu 1 000 Euro Kosten oder sogar alles.

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