Recht im Restaurant Meldung

Mieser Service, verdorbenes Essen, Schne­cken im Salat, zerstörte Zähne durch einen Biss auf eine Schrotkugel: Im Restaurant kann einiges schief gehen. Nicht immer urteilen Richter zugunsten der Gäste. test sagt, wann Sie Ihr Essen nicht bezahlen müssen und in welchen Fällen es Schmerzens­geld gab.

Die Schnecke im Salat

Mancher­orts mögen Weichtiere als Delikatesse gelten. Doch als Maria Bauer in ihrem „Beilagensalat zum Tages­gericht“ eine Schnecke fand, dachte sie nicht daran, das Tier zu verzehren. Sie ließ den Salat zurück­gehen und weigerte sich zu zahlen. Eine verständliche Reaktion – doch ist sie juristisch korrekt? Ärger im Restaurant beschäftigt die Gerichte immer wieder: Mal werden Kakerlaken oder Haare serviert, mal finden sich Steine oder Schrotkugeln im Essen. Auch verkeimte oder verdorbene Lebens­mittel landen immer wieder auf dem Teller. Gesund ist anders. Und doch gibt es keinen Auto­matismus, nach dem traumatisierte Restaurant­besucher entschädigt werden.

Gästeärger vor Gericht

  • Problem Nummer eins: Nur weil es nicht schmeckt, wird noch kein Schaden­ersatz fällig. Gerichte, die versalzen, angebrannt oder objektiv ungenieß­bar sind, müssen aber nicht bezahlt werden, wenn der Gast den Fehler reklamiert und dem Wirt die Chance zur Nachbesserung gibt. Ist das, wie im Fall von Maria Bauer, nicht zumut­bar, ist ein zweiter Versuch entbehr­lich. Nur bereits verzehrte Speisen müssen dann bezahlt werden (AG Burgwedel, Az. 22 C 669/85).
  • Problem Nummer zwei: Wer Geld will, braucht Beweise – oder hat Pech gehabt. Das belegt der Fall von Gerhard S. Der hatte sich in einem Spandauer Lokal Cevapcici bestellt. Beim Kauen biss er auf etwas Hartes und büßte einen Backenzahn ein. Seine Klage auf Schaden­ersatz und Schmerzens­geld blieb dennoch erfolg­los. Zwar räumten alle Instanzen ein, ein Gast müsse entschädigt werden, wenn Steine und Ähnliches im Essen steckten. Nur konnte Gerhard S. nicht beweisen, dass sein Zahn wegen eines Fremdkörpers zerbrochen war. Der Bundes­gerichts­hof(BGH) entschied: Das „Abbrechen eines Zahns“ sei nach allgemeiner Lebens­erfahrung „nicht typischer­weise auf das Vorhandensein eines in der Hack­fleisch­masse verborgenen (Fremd-)Körpers zurück­zuführen“. Der Zahn könne auch durch den Biss auf ein Knorpel­teilchen zerstört worden sein. Mit denen sei im Hack­fleisch aber zu rechnen. Gerhard S. ging leer aus (Az. VIII ZR 283/05).

Biss auf Granit

Das volle Zahn­arzt­honorar seines Gastes nebst Schmerzens­geld musste hingegen der Inhaber eines Kölner Schnell­imbisses zahlen. Nach Vernehmung von Zeugen stand für den Richter fest: Im Salat befand sich ein scharfkantiger Gegen­stand, der dort nichts zu suchen hatte (AG Köln, Az. 122 C 208/05). Auch ein Restaurant­besucher aus dem Schwarz­wald hatte Glück im Unglück. Er hatte beim Genuss eines Wildhasenfilets eindeutig auf ein Schrot­korn gebissen und einen Zahn verloren. Der Wirt musste drei Viertel der Behand­lungs­kosten tragen. Auf dem Rest blieb der Kunde sitzen. Die Richter stellten klar: Wer vom Jäger erlegtes Wild isst, muss vorsichtig kauen (AG Wald­kirch, Az. 1 C 397/99). Vorsicht beim Verzehr verhindert gesundheitliche Schäden nicht immer. Diese Erfahrung machten die Gäste einer Hochzeits­feier: Das Eis zum Dessert war mit Salmonellen verseucht. Das Braut­paar und viele der Geladenen mussten behandelt werden. Nach jahre­langen Prozessen entschied der BGH: Bei Produkt­fehlern (wie etwa verseuchtem Eis) haften auch kleine Unternehmen, ohne dass ihnen Geschädigte ein Verschulden nach­weisen müssen (Az. VI ZR 171/91). Die Brautleute bekamen 2 000 Euro Schmerzens­geld.

Zeit ist Geld

Und wenn nicht das Essen, sondern der Service miserabel ist? Auch das haben Gerichte schon entschieden. Das Amts­gericht Hamburg urteilte: Gäste, die im Edel­restaurant trotz Reser­vierung zwei Stunden aufs Essen warten, zahlen 20 Prozent weniger (Az. 20a C 275/73). Das Land­gericht Karls­ruhe billigte sogar eine Kürzung um 30 Prozent, weil die Besucher eines badischen Lokals erst nach andert­halb Stunden verköstigt wurden (Az.1 S 196/92). Ein Zeit­limit gibt es zudem, wenn die bestellte Rechnung nicht kommt: 15 Minuten gelten als Ober­grenze. Wer dann geht, sollte Namen und Adresse hinterlassen. Sonst droht Ärger mit dem Staats­anwalt – wegen Zech­prel­lerei. Wer mit Freunden unterwegs ist und als Letzter geht, muss übrigens nicht einspringen. Ist nichts anderes vereinbart, zahlt jeder für sich selbst. Es ist Sache des Wirts, richtig abzu­rechnen.

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