Recht auf Vergessen Meldung

Der Such­maschinen­betreiber löscht seit Mai 2014 Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten. Doch die Kriterien, nach denen Google vorgeht, sind nach wie vor unklar – eine Bilanz.

Laut Trans­parenzbe­richt über 250 000 Lösch­anträge

Bürger der EU dürfen Such­maschinen-Betreiber auffordern, Links auf Seiten mit persönlichen Inhalten zu streichen. Google wägt nach eigener Aussage bei jedem Antrag die Daten­schutz­rechte des Antrag­stel­lers gegen das öffent­liche Interesse an Information ab. Im Mai 2015 veröffent­lichte Google einen Trans­parenzbe­richt. Der beziffert 255 143 seit einem Jahr gestellte Lösch­anträge und führt 22 Einzel­fälle auf. Unklar bleibt, ob sie repräsentativ sind oder nur anekdotisch und welche Kriterien Google anlegt. Diese und weitere Fragen warfen 80 Wissenschaftler Mitte Mai in einem offenen Brief auf, den die britische Tages­zeitung The Guardian veröffent­lichte.

Google gibt fast jedem zweiten Lösch­antrag statt

Im Mai 2014* entschied der Europäische Gerichts­hof, dass Google Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten aus seiner Ergeb­nisliste streichen muss. Damit erhielt ein Spanier recht. Er fand noch 15 Jahre nach der Zwangs­versteigerung seines Hauses Hinweise darauf in den Sucher­gebnissen von Google und klagte das „Recht auf Vergessen“ ein. Google richtete nach dem Urteil eine Internetseite für Löschanträge ein. 41,3 Prozent der monierten Internet­seiten seien inzwischen aus dem Index entfernt. Über­durch­schnitt­lich viele Lösch­anträge gab es unter anderem für Inhalte der sozialen Netz­werke Facebook, Google Plus und Twitter sowie zum Video­portal Youtube.

Bing bietet inzwischen ebenfalls ein Lösch-Formular an

Mit Bing zog ein weiterer US-amerikanischer Such­anbieter nach. Auch das Unternehmen von Microsoft bereinigt auf Antrag seine Treffer­liste. Das Formular steht online bereit.

Tipp: Miss­liebige Fotos und Einträge müssen Sie direkt bei dem Betreiber der jeweiligen Internetseite monieren. Name und Anschrift stehen im Impressum. Bing und Google korrigieren nur ihre Sucher­gebnisse, entfernen die Inhalte aber nicht aus dem Internet. Mehr zum Thema bietet unser Test Daten löschen im Internet. Zum Thema Daten­sammeln empfehlen wir unser ausführ­liches Special „Mein Konto“ bei Google: Was weiß der Internetriese über mich?

* Korrigiert am 10. Juli 2015.

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