Recht am eigenen Bild Special

Selfies dürfen in sozialen Netz­werken stehen, wenn alle Abge­bildeten einverstanden sind.

Einen schönen Moment für die Ewig­keit fest­halten? Dank Smartphones, die wir immer bei uns tragen, kein Problem mehr. Oft genug zieren Fremde die eigenen Bilder. Aber ist es auch erlaubt, andere Personen mit abzu­lichten? Vorm Knipsen und Hoch­laden der Bilder ins Internet sollte jeder die Spiel­regeln kennen. test.de erklärt sie.

Jeder darf selbst bestimmen

Es gilt das Recht am eigenen Bild: Jeder darf selbst bestimmen, ob er fotografiert oder gefilmt werden will und vor allem, ob die Aufnahmen veröffent­licht werden dürfen. Fürs bloße Knipsen sind die Regeln weniger streng als fürs Veröffent­lichen: Fotografieren für das private Foto­album ist meist auch ohne Erlaubnis erlaubt. Wer aber ganz gezielt Fremde ablichtet, sollte vorsichtig sein. Das Kunst­urhebergesetz – es gilt auch für Privat­aufnahmen – schreibt zwar nur vor, dass Fotos anderer Personen ohne deren Erlaubnis nicht veröffent­licht werden dürfen. Dennoch ist schon das Ablichten eines anderen an dessen Persönlich­keits­recht zu messen und unter Umständen rechts­widrig.

Heimliche Aufnahmen sind verboten

Tobias Röttger, auf Medien- und Persönlich­keits­recht spezialisierter Rechts­anwalt aus Mainz, sagt: „Gezielte heimliche Nackt­fotos am FKK-Strand greifen in das Persönlich­keits­recht ein und sind verboten.“ Das gilt auch für heimliches Filmen, etwa mit einer versteckten Kamera, die dem Abge­lichteten verborgen bleiben soll.

Zustimmung zur Veröffent­lichung

Hat jemand die Erlaubnis zum Fotografiert- oder Gefilmt­werden gegeben, gilt das nicht gleich­zeitig als Zustimmung zur Veröffent­lichung. Dafür brauchen der Fotograf oder die Person, die hoch­lädt, eine weitere Erlaubnis. Das gilt sowohl für das Internet als auch für klassische Medien.

Was für Facebook und Co gilt

Wer Fotos auf Facebook hoch­lädt oder über Whatsapp oder sons­tige Messenger-Dienste verschickt, sollte die abge­bildeten Personen um Erlaubnis bitten. Rechts­anwalt Röttger: „Die herr­schende Meinung unter den Juristen tendiert dazu, das Versenden oder Hoch­laden als ,Verbreiten‘ im Sinne des Kunst­urheberge­setzes zu sehen. Auch dieses Verbreiten ist – ebenso wie das Veröffent­lichen – nur erlaubt, wenn der Abge­lichtete einge­willigt hat.“

Personen als „Beiwerk“: Ausnahms­weise ohne Erlaubnis

Der Fotograf braucht keine Erlaubnis, wenn fremde Personen zufäl­lig als „Beiwerk“ in einer schönen Land­schaft oder neben einer Sehens­würdig­keit erscheinen. Dann darf er sie mit ablichten und die Bilder sogar ohne deren Einverständnis verbreiten. Das steht in Paragraf 23 des Kunst­urheberge­setzes.

Auch erlaubt: Personen der Zeit­geschichte ablichten

Ebenfalls erlaubt ist es danach, Fotos von Personen und Ereig­nissen der Zeit­geschichte zu machen und zu veröffent­lichen, etwa von Sängern bei einem Auftritt, sofern kein Fotografier- und Veröffent­lichungs­verbot seitens des Veranstalters besteht. Das Veröffent­lichen ist auch in Ordnung, wenn der Abge­bildete Teil einer Menschen­menge ist, etwa beim Konzert. Wenn der Fotograf aber extra die hübsche Brünette in der ersten Reihe heran­zoomt und das Bild veröffent­licht, kann das eine Rechts­verletzung sein. Es besteht der Verdacht, dass nicht das Konzert das Motiv ist, sondern die abge­bildete Person.

Unser Rat

Erlaubnis. Möchten Sie gezielt andere Personen fotografieren, sollten Sie um Erlaubnis bitten. Bei Erwachsenen reicht es, wenn sie in die Kamera lächeln oder posieren und so ihr Einverständnis zeigen.

Veröffent­lichung. Das Einverständnis fürs Foto ist keine Zustimmung fürs Veröffent­lichen. Laden Sie zum Beispiel ein Foto einer Person ohne Einverständnis hoch, kann sie Sie auffordern, das zu unterlassen.

Kinder. Wollen Sie Kinder fotografieren, müssen die Sorgeberechtigten einverstanden sein. Kinder ab 14 müssen zudem selbst zustimmen.

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