Recht am Arbeits­platz Meldung

Haben Kollegen im Job miteinander Ärger, dann bleibt meist nur: Reden – und sich irgendwie einigen. Gelingt das nicht, hat der Chef das letzte Wort. test erklärt die recht­lichen Details rund um den Kollegen-Ärger.

Großes Konflikt­potenzial im Job

So mancher Arbeitnehmer verbringt mehr Zeit mit Kollegen als mit Familie oder Partner. Das Konflikt­potenzial ist gewaltig: die Pflanzen auf der Fens­terbank, die Plakate an der Wand, die Laut­stärke beim Telefonieren, das Essen am Arbeits­platz, die Arbeits­moral, Sauber­keit und Ordnung.

Von Rechts wegen erlaubt

Erlaubt ist, was gefällt und nicht gegen den Arbeits­vertrag oder Anweisungen vom Chef verstößt. Gegen­seitige Rück­sicht­nahme ist Pflicht. Klarer Fall: Hunde oder Pflanzen sind tabu, wenn der Büro­partner darauf allergisch reagiert. Ebenfalls klar: Wer anste­ckend erkrankt ist, bleibt gefäl­ligst zuhause. Anständiges Benehmen und Höflich­keit allerdings sind nicht einklag­bar.

Jenseits der klaren Fälle

Da hilft nur: Drüber sprechen und sich einigen. Möglicher­weise vermittelt der Betriebsrat. Wenn gar nichts mehr geht, bleibt nur, den Chef einzuschalten. Der hat das Direktions­recht, kann also verbindliche Ansagen machen. Eine Option: die Raum­verteilung neu regeln. Das Bundes­arbeits­gericht billigte sogar die Versetzung einer in mehrere Streitig­keiten verwickelten Kollegin in eine andere Abteilung (Az. 5 AZR 1031/94).

Leistungs­bewertung ist Chefsache

Die Bewertung des Arbeits­pensums und der Leistung von Kollegen ist in erster Linie Sache des Chefs. Da sollten sich Kollegen zurück­halten. Erlaubt ist der Hinweis: Was Du nicht machst, müssen die Kollegen und ich schaffen. Wer aber Kollegen schikaniert, läuft Gefahr raus­zufliegen. Chefs sind in diesem Punkt ziemlich empfindlich. Für Mobbing haftet nämlich nicht nur der Übel­täter, sondern oft auch der Arbeit­geber. Er hat die Fürsorgepflicht und muss potenzielle Opfer schützen. Sonst ist Schaden­ersatz fällig (Bundes­arbeits­gericht, Az. 8 AZR 546/09).

Im Notfall ein Macht­wort

Gute Chefs werden eher anregen als anordnen und bei Streit zu vermitteln versuchen. Ihnen geht es vor allem darum, ihre Mitarbeiter zu moti­vieren. Nur im Notfall setzt es ein Macht­wort.

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