Außergewöhnliche Belastungen Eigen­anteil ermitteln (mit Rechner)

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Außergewöhnliche Belastungen - Eigen­anteil ermitteln (mit Rechner)
Gesund­heits­kosten. Mit privaten Zuzah­lungen für Therapien und Pflege lassen sich Steuern sparen. © Getty Images / iStockphoto, Getty Images / laflor

Außergewöhnliche Belastungen sind zum Teil selbst zu tragen. Deshalb lohnt es, sie auf ein Jahr zu bündeln. Mit unserem Rechner ermitteln Sie schnell Ihren Eigen­anteil.

Inhalt
  1. Zumutbare Belastung errechnen
  2. Das zählt als außergewöhnliche Belastung

Welche außergewöhnlichen Belastungen können Sie bündeln?

Alle Details zu den außergewöhnlichen Belastungen lesen Sie im Unter­artikel Das zählt als außergewöhnliche Belastung. Zu den allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen gehören:

Krank­heits­kosten. Alle Ausgaben, die Sie für medizi­nisch notwendige Behand­lungen bezahlt haben und mittels ärzt­licher Verordnung oder Attest im Zweifels­fall nach­weisen können. Das gilt auch für selbst verschuldete Verkehrs- oder Sport­unfälle. Versicherungs­leistungen müssen Sie aber vorrangig in Anspruch nehmen.

Pflege­kosten. Haben Sie einen Pfle­gegrad, können Sie Kosten Ihrer häuslichen Pflege oder Heim­unterbringung als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Steht Ihnen der Behindertenpausch­betrag zu, wählen Sie, was für Sie güns­tiger ist: Pauschale oder die Abrechnung der einzelnen Kosten.

Natur­katastrophen. Sie mussten Schäden wegen Unwettern beseitigen, deshalb Hausrat und Kleidung neu kaufen? Alles, was die Versicherung nicht ersetzt, zählt steuerlich.

Beerdigungs­kosten. Bis 7 500 Euro für Begräbnis, Grabstätte oder Grab­stein zählen, wenn diese angemessen sind und den Wert des Erbes über­steigen. Kosten für Trauerkleidung und -feier zählen nicht. Als Nach­weise dienen Kostenbelege und Erbschein.

Darlehens­zinsen. Müssen Sie einen Kredit aufnehmen, um etwa Flutschäden beseitigen zu können, können Sie die Zinsen steuer­mindernd anrechnen.

Gesund­heits­gefähr­dung. Ist Ihr Haus durch nachgewiesene gesund­heits­gefähr­dende ­Stoffe belastet, können Sie die Beseitigung geltend machen. Ein Gutachten ist nicht zwingend (BFH, Az. VI R 21/11).

Prozess­kosten. Prozess­kosten anzu­geben lohnt nur, wenn Sie nach­weisen können, dass diese Ihre Existenz gefährden. Nicht anerkannt sind Adoptions­kosten (Bundes­verfassungs­gericht, Az. 2 BvR 1208).

Unser Rechner ermittelt Ihren Eigen­anteil

Einen gewissen Eigen­anteil müssen Sie von all diesen allgemeinen außergewöhnlichen Belastungen selber tragen. Erst Ausgaben über Ihrer zumut­baren Belastung wirken sich steuerlich aus. Wie viel Sie absetzen können, hängt in erster Linie von Ihrem Einkommen, Familien­stand und Kinder­zahl ab.

Beispiel: Familie Huber mit zwei Kindern sortiert ihre Rechnungen und stellt fest, dass sie in diesem Jahr bereits 1 700 Euro für Behand­lungen selbst bezahlen musste. Ihre zumut­bare ­Belastung beträgt 1 346 Euro bei 50 000 Euro Einkünften. Lässt sich Frau Huber im Dezember ein Zahnimplantat einsetzen, zu dem sie 700 Euro zuzahlen muss, kommt die Familie insgesamt auf 2 400 Euro Ausgaben. Davon kann sie 1 054 Euro als außergewöhnliche ­Belastung abziehen.

Wie hoch Ihr Eigen­anteil ist, können Sie mit unserem Online­rechner ermitteln:

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Dieses Special wird laufend aktualisiert. Jüngstes Update: 19. April 2021.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 16.02.2022 um 14:24 Uhr
Berechnung zumutbarer Eigenanteil 2021

@1952eja: Sie können den Betrag aus ihrem letzten Steuerbescheid nehmen, wenn sich ihre Einkommensverhältnisse 2021 nicht wesentlich geändert haben.
Fall das nicht der Fall ist, können Sie mit einem Steuerprogramm oder kostenlos mit dem Elsterprogramm ihre Steuererklärung 2021 erstellen und dann den Gesamtbetrag der Einkünfte ablesen.

1952eja am 15.02.2022 um 15:30 Uhr
Berechnung zumutbarer Eigenanteil 2021

Für die Berechnung des Eigenanteils ist die Angabe der Gesamteinkünfte laut Steuerbescheid nötig. Diesen Bescheid bekomme ich aber erst nach Abgabe der Steuererklärung für das Jahr 2021, in der ich die außergewöhnliche Belastungen geltend machen will. Muss ich die Gesamteinkünfte selbst berechnen oder die Angaben aus dem Bescheid für 2020 entnehmen?

Profilbild Stiftung_Warentest am 10.05.2021 um 13:10 Uhr
Vorläufigkeitsvermerk / zumutbare Belastung

@suchender1: Mindestens seit 2019 finden Steuerzahlende einen Vorläufigkeitsvermerk zur Abzugsfähigkeit einer zumutbaren Belastung (§ 33 Abs. 3 EStG) bei der Berücksichtigung von Aufwendungen für Krankheit und Pflege als außergewöhnliche Belastung. Das FA erspart sich durch solche Vorläufigkeitsvermerke die Masseneinsprüche. Der Steuerbescheid bleibt in der Sache automatisch offen. Der Vorläufigkeitsvermerk betrifft zum einen die Fälle zu, in denen die Steuerzahlenden unter der zumutbaren Eigenbelastung bleiben und auch die derjenigen, die darüber kommen und sich die Ausgaben bis zur zumutbaren Eigenbelastung steuerlich nicht auswirken.
Wer im Steuerbescheid den Vorläufigkeitsvermerk findet, braucht keinen Einspruch einzulegen, um den Steuerbescheid in dieser Angelegenheit offen zu halten. (maa)

suchender1 am 07.05.2021 um 11:07 Uhr
Einspruch bei Ablehnung ? Aussergewöhliche Belastu

In meinem Steuerbescheid (Rheinland- Pfalz) von 2019 und 2020 steht, dass die nicht Anerkennung der Krankheitskosten nur vorläufig ( Vorläufigkeitserklärung) ist, bis zur entsprechender Entscheidung
und ein Einspruch nicht erforderlich ist.
Muss ich nach Ihrer Meinung nach, doch Einspruch einlegen ?
Vielen Dank

Profilbild Stiftung_Warentest am 04.02.2021 um 10:19 Uhr
Berechnung für Alleinerziehende mit Kind

@kwes: Wenn Sie das Popup-Menü öffnen, finden Sie unter dem "Single ohne Kind" auch die Auswahl der Kinderzahl. Bei Ihnen wäre das dann "1 oder 2 Kinder". Die Prozentsätze für Singles oder Ehepaare mit Kindern sind die selben. (PH)