Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat bei einer Razzia wegen Betrugsverdacht bundesweit 70 Büros und Wohnungen durchsucht und mehrere Verdächtige, darunter auch einen Notar, festgenommen. Inzwischen liegen richterliche Haftbefehle vor. Hintergrund ist ein groß angelegter Betrug mit so genannten „Schrottimmobilien“.

Auf der Suche nach Kredit

Die Opfer der Betrügerbande brauchten dringend Geld. Die Immobilienbetrüger stellten Ihnen trotz schlechter Bonität Kredite in Aussicht, wenn sie als Sicherheit dafür den Kaufvertrag über eine vermietete Wohnung abschließen und die Mietzahlungen zur Tilgung des Kredits einsetzen. Um die Finanzierung kümmerten sich die als Immobilien- oder Kreditvermittler firmierenden mutmaßlichen Betrüger. Sie frisierten die Unterlagen ihrer „Kunden“ und reichten sie bei Banken ein. Die Immobilien beschaffte die Bande selbst. Sie kauften minderwertige Wohnungen billig ein. Diese Wohnungen überschrieben sie für weit überhöhte Preise an ihre Opfer. Die Banken, die die betrügerischen Geschäfte finanzierten, waren nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen ahnungslos und zahlten die Kredite in gutem Glauben aus.

Mindestens zehn Millionen Euro Schaden

Insgesamt entstand nach einer ersten, vorsichtigen Schätzung der Staatsanwaltschaft Darmstadt ein Schaden von mindestens zehn Millionen Euro. Die Opfer der Betrüger gerieten noch tiefer in die roten Zahlen und die Banken erzielten bei der Zwangsversteigerung der Wohnungen in der Regel nur einen Bruchteil der Kreditbeträge. Gut für die Opfer der Betrüger: Die Ermittlungen und erst recht etwaige Verurteilungen erleichtern es Ihnen, zivilrechtliche Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Sie können Rechtsanwälte beauftragen, die Ermittlungsakten einzusehen und Erkenntnisse der Ermittler so auch für Zivilverfahren nutzbar machen.

Amtsenthebung wegen Haft

Details zur Zahl der Haftbefehle und den Verdächtigen insgesamt nannte die Staatsanwaltschaft noch nicht. Sie will erst die Auswertung der bei der Razzia sichergestellten Unterlagen abwarten. Sprecher Klaus Reinhardt bestätigte allerdings: Unter den verhafteten Tatverdächtigen ist auch ein Notar. Zahlreiche Anlegeranwälte wissen Bescheid: Es handelt sich um Notar Hans-Peter Schäfer aus Rüsselsheim. Er stand bereits früher wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit unter Anklage. Das Landgericht Darmstadt stellte die Ermittlungen letztlich gegen Zahlung einer Geldbuße ein und Schäfer blieb zunächst im Amt. Jetzt ist er für die Dauer der Untersuchungshaft seines Amtes enthoben. Nicht zu klären war bisher, ob die Justizbehörden einen Vertreter bestellt haben oder ob das zuständige Amtsgericht die Akten und Bücher des Notars sowie Siegel, Stempel und Amtsschild sichergestellt hat. Die Kanzlei Schäfer, Lange und Partner gab dazu keine Auskunft.

[Update 18.05.2009] Inzwischen ist bekannt: Das Landgericht Darmstadt hat bereits am Donnerstag Rechtsanwalt und Notar Thomas Müller aus Rüsselsheim als Vertreter von Rechtsanwalt und Notar Hans-Peter Schäfer bestellt.

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