Raucherentwöhnung Meldung

Seit März dieses Jahres gibt es ein neues nikotinfreies Arzneimittel, das Rauchern beim Rauch-Stopp helfen soll. Die Raucherpille „Champix“ wirkt gegen die körperliche Abhängigkeit von Nikotin und reduziert dadurch auch die Entzugssymptome. Außerdem vermindert es den Rauchgenuss. test.de sagt, ob das Mittel wirklich hilft, um von Zigaretten loszukommen.

[Update 27.11.2007]

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA untersucht derzeit Berichte, nach denen Patienten über Suizidgedanken, depressive Verstimmungen, aggressives Verhalten und Stimmungsveränderungen berichteten. Diese Verhaltensauffälligkeiten traten während ihres Nikotinentzugs mit der Raucherpille Champix auf. Zudem litten manche Patienten unter Benommenheit. Dies kann das Autofahren und Bedienen von Maschinen deutlich beeinträchtigen. Inwieweit der in Champix enthaltene Wirkstoff Vareniclin an diesen Nebenwirkungen beteiligt ist, ist nach Angabe der FDA derzeit noch unklar. Während der Raucherentwöhnung kann es - mit oder ohne Arzneimitteltherapie - zu einer Verschlechterung psychiatrischer Grunderkrankungen und depressiver Verstimmungen kommen. Doch in diesem Fall berichteten auch Personen ohne Vorerkrankungen von den Symptomen und nicht alle Betroffenen hatten aufgehört zu rauchen. Die FDA hat die Berichte bislang noch nicht abschließend ausgewertet. Sie rät dennoch Ärzten, bei Patienten, die Champix einnehmen, auf Stimmungs- und Verhaltensauffälligkeiten zu achten. Ebenso sollen Aufhörwillige ihren Arzt aufsuchen, wenn sie ein auffälliges Verhalten unter Champix bei sich beobachten. Weiter sollten sie nicht Autofahren und keine Maschinen bedienen - zumindest bis sie sicher wissen, wie die Raucherpille bei ihnen wirkt.
test.de informiert an dieser Stelle, sobald die FDA ihren abschließenden Bericht vorlegt oder es weitere Neuigkeiten gibt.

Weniger Entzugssymptome

Das neue Präparat Champix (Wirkstoff Vareniclin), seit März erhältlich, wirkt gegen die körperliche Abhängigkeit von Nikotin, indem es an den Rezeptoren des Nervensystems andockt, über die Nikotin das Gehirn stimuliert. Das verringert das Verlangen nach der Zigarette, reduziert Entzugssymptome. Der Wirkstoff blockiert zudem die Bindung von Nikotin an diese Rezeptoren, wenn gleichzeitig geraucht wird, und vermindert dadurch den Rauchgenuss.

Klinische Tests

Champix wurde klinisch getestet. Etwa 44 Prozent der Probanden blieben bei zwölfwöchiger Einnahme und gleichzeitiger psychologischer Betreuung rauchfrei. Von denen, die ein anderes „Rauch-Stopp“-Medikament ohne Nikotin nahmen (Zyban, Wirkstoff Bupropion), blieb ein Drittel abstinent. In der Placebogruppe waren es nur 18 Prozent. Nach einem Jahr waren nur noch etwa 22 Prozent unter Champix, 16 Prozent unter Zypan und 8 Prozent unter Placebo rauchfrei.

Nur Ersatzmittel

Je nach Dosis kam es zu Übelkeit und Schlafstörungen (ein Drittel der Anwender) sowie zentralnervösen Beschwerden, Depressionen, Schwindel oder Rückenschmerz bis zu eingeschränkter Verkehrstüchtigkeit. Symptome bei Therapieabbruch lassen vermuten, dass Champix physische Abhängigkeit verursachen kann. Bluthochdruck, Durchblutungs- und Herzrhythmusstörungen als mögliche Folgen gebieten größte Vorsicht bei am Herzen vorgeschädigten Patienten. Es fehlen noch Daten zur Langzeitverträglichkeit. Champix ist somit ein Reservemittel, wenn eine Nikotinersatztherapie nicht durchgeführt werden kann oder fehlgeschlagen ist.

Keine Erstattung von den Krankenkassen

Für eine vierwöchige Therapie müssen aufhörwillige Raucher 101 Eurozahlen - und das vollständig aus der eigenen Tasche. Denn das verschreibungspflichtige Mittel ist als Lifestyle-Medikament nicht erstattungsfähig.

Special Nichtraucher

Wer mit dem Rauchen aufhören will, braucht vor allem einen starken Willen - aber auch Hilfe. Manch einer schwört auf Nikotinpflaster, andere auf Akupunktur oder eine psychologische Begleitung während der Entwöhnung. test.de unterstützt Raucher, die von Zigaretten loskommen wollen, mit einem umfangreichen Nichtraucher-Special. Raucher erfahren, was ihnen beim Nikotin-Stopp hilft, wann der beste Zeitpunkt zum Aufhören ist und welche Maßnahmen besonders erfolgversprechend sind - damit sie dauerhaft rauchfrei bleiben.

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