Immer öfter werden Rauchverbote am Arbeitsplatz verhängt. Widerspenstigen droht gar die Kündigung.

Berlin ist nicht nur die Hauptstadt der Bundesrepublik, sondern auch der Raucher. 36 Prozent der Berliner ­ mehr als jeder Dritte ­ blasen regelmäßig Tabakrauch in die Hauptstadtluft. In keinem Bundesland wird mehr geraucht, ergab eine Umfrage des Statistischen Bundesamts. Damit steht aber auch fest, dass fast zwei Drittel der Metropolenbewohner fremden Zigarettenqualm inhalieren müssen. Und vielen Nichtrauchern passt das überhaupt nicht.

Abends lässt sich dieser Konflikt leicht lösen, indem man sich aus dem Weg geht. Raucher paffen ihre Havannas gemütlich in Raucher-Lounges, Nikotinallergiker können in Nichtrauchercafés ausweichen.

Die meiste Zeit des Tages werden beide Gruppen jedoch am Arbeitsplatz zusammengesperrt. Allzu oft ergibt sich daraus ein handfester Streit zwischen Rauchern und Nichtrauchern, in dem keiner freiwillig auf sein vermeintliches Recht verzichten will.

Rauchfreie Zone

Können sich die Kollegen in den Büros nicht untereinander einigen, ist der Arbeitgeber gefragt. Die radikalste Lösung für das Problem ist dann ein Rauchverbot. Auch da ist Berlin Vorreiter, denn das dort ansässige Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) erklärte als erstes deutsches Krankenhaus zum 1. Februar 2000 das gesamte Gebäude zur "Nichtraucherzone DHZB 2000". "Patienten durften hier schon vorher nicht rauchen", erklärt DHZB-Sprecherin Barbara Nickolaus, "doch nun müssen auch die 1.200 Mitarbeiter auf Zigaretten verzichten". Ein scharfer Einschnitt in den Alltag der Krankenhaus-Raucher: Selbst neben den Operationssälen gab es bis dahin Raucherecken. Jetzt gilt dagegen: Wer rauchen will, muss das Haus verlassen. Die Raucher treffen sich seitdem draußen, unter der überdachten Einfahrt der Herzklinik.

Zwei Mitarbeiter des Herzzentrums hatten die Nichtraucherzone angeregt. Festgeschrieben wurde das Ziel in einer Betriebsvereinbarung, also einem Vertrag zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat. Darin wurden das betriebliche Rauchverbot und die genauen Regeln fixiert. Eine wenig später erlassene Dienstanweisung bekräftigte das vereinbarte Verbot. Alternativ hätte das betriebliche Rauchverbot ebenso in einem Tarifvertrag oder individuell in den Arbeitsverträgen verankert werden können.

Auch Behörden können in ihren Amtsstuben das Qualmen verbieten. In diesem Fall müssen Personalrat und Dienstherr eine entsprechende Dienstvereinbarung abschließen. So hat etwa die hessische Stadt Vellmar 1998 ihren Mitarbeitern das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden untersagt. Herbert Lauterbach, Leiter der kommunalen Hauptverwaltung, ist mit dem Ergebnis zufrieden: "Es gibt seitdem keine größeren Probleme, obwohl einige militante Raucher zuvor Widerstand angedroht hatten." Das Rauchverbot werde generell befolgt, obwohl rechtliche Konsequenzen von Übertretungen in der Vereinbarung sogar ausgeschlossen wurden.

Draußen rauchen erlaubt

Eine Betriebsvereinbarung zum Nichtrauchen wie die des Berliner Herzzentrums hat im Januar 1999 auch das Bundesarbeitsgericht abgesegnet (Az. 1 AZR 499/98). Betriebe können demnach den Rauch per Betriebsvereinbarung aus den Häusern verbannen. Dabei seien aber nicht nur die Rechte der Nichtraucher auf Schutz ihrer Gesundheit zu bedenken, sondern auch die Raucherinteressen. Beide Wünsche müsse man gegeneinander abwägen. Ob das Rauchen komplett oder nur teilweise untersagt wird, hänge auch von den Gegebenheiten im Betrieb ab. Was zu tun ist, kann zum Beispiel davon abhängen, wie viele Raucher den Nichtrauchern gegenüberstehen.

Ein generelles Rauchverbot innerhalb von Gebäuden ist den Bundesrichtern zufolge durchaus möglich. Zumindest, wenn ­ wie im konkreten Fall ­ draußen ein überdachter Unterstand das Rauchen erträglich macht. Unzulässig ist dagegen ein völliges Rauchverbot im Freien. Denn dort besteht kaum die Gefahr, dass die Nichtraucher durch Passivrauchen belästigt würden, so die Richter. Sollte durch das Rauchverbot außer Haus versucht werden, die Tabakfreunde von ihrem Laster abzubringen, sei das unzulässig. Denn Rauchen gehöre zur Privatsphäre der Betroffenen und sei deshalb tabu für Regelungen durch Arbeitgeber und Betriebsrat.

Kündigung möglich

Die DHZB-Initiative unterstützt gerade kettenrauchende Mitarbeiter aktiv beim Ausstieg aus ihrem Laster, um so das Rauchverbot erträglicher zu machen. Oberstes Prinzip ist hier allerdings die Freiwilligkeit. So gibt es kostenlose Angebote zur Entwöhnung etwa mittels Akupunktur, Nikotinpflaster und -kaugummi oder unter Mithilfe von Psychologen. Wer trotzdem weiter rauchen will, darf das ­ aber draußen.

Zwar läuft noch bis Ende Januar 2001 eine Übergangsphase, in der für ertappte Raucher Gnade vor Recht ergehen soll. Trotzdem wird das Rauchverbot schon jetzt eingehalten. DHZB-Sprecherin Nickolaus: "Ich bin erstaunt, dass sich das in so unkomplizierter Weise durchsetzen ließ." Ab Februar des kommenden Jahres gilt jedoch "null Toleranz": Wer dann beim Paffen auf der Toilette erwischt wird, riskiert eine Abmahnung. Unbelehrbaren Mehrfachtätern droht gar die Kündigung.

Der Erfolg der Nichtraucherzone DHZB scheint im wahrsten Sinne des Wortes Schule zu machen. Denn nicht nur mehrere Krankenhäuser, auch einige Schulen haben sich inzwischen der Initiative angeschlossen und wollen das beim Herzzentrum bewährte Konzept übernehmen.

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