Fisch­ratgeber von WWF und Greenpeace

Eine Orientierungs­hilfe für den nach­haltigen Fisch­kauf sind Fisch­ratgeber von Organisationen wie dem WWF und Greenpeace. Sie geben Informationen, welchen Fisch Verbraucher guten Gewissens verzehren können und auf welche Arten sie besser verzichten sollten. Die Empfehlungen gelten für einzelne Fisch­bestände in unterschiedlichen Fang­gebieten.

Empfehlungen des WWF

Ratgeber Fisch­kauf Special

Der WWF empfiehlt Verbrauchern beim Kauf von Wild­fischen generell Produkte mit dem blauen Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) zu bevor­zugen. Bei Zucht­fischen sollten Verbraucher auf das türkis­farbene Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC) achten und auf die Siegel der Bio-Anbau­verbände Bioland und Natur­land. Nicht jeder Fisch ohne Siegel ist bedenk­lich – Verbraucher müssen dann allerdings darauf achten, aus welchen Beständen die Fische stammen. Die Online-Version des Einkaufsratgebers bietet eine Orientierung.

Gute Wahl

Es gibt kaum noch Wild­fische, die Verbraucher aus Sicht des WWF ruhigen Gewissens verzehren können. Hering gilt nur noch als gute Wahl, wenn er aus der zentralen oder nördlichen Ostsee kommt. Die Scholle – jahre­lang ein Tabu für umwelt­bewusste Fisch­esser – kann zumindest wieder auf den Teller, wenn sie in der Nordsee mit Snurrewaden und Stell­netzen gefangen wurde, Wildlachs, wenn er aus Alaska und teils aus Kanada kommt. Nichts falsch machen Fisch­esser zudem mit Karpfen. Auch Forelle, Dorade, Lachs, Pangasius und Garnelen aus Bio-Zucht sind eine gute Wahl. Der meiste Thun­fisch aus Dosen stammt übrigens von der Thun­fisch­art Echter Bonito und kann gegessen werden, wenn er im West-Pazifik gefangen wurde. Zum aktuellen Test von Thunfisch

Zweite Wahl

Viele Fang­gebiete verschiedener Fisch­arten stuft der WWF-Fisch­ratgeber nur als „zweite Wahl“ ein – dort müssen sich die Bestände weiter erholen. So gibt es kaum noch unbe­denk­liche Fang­gebiete für Seelachs und Dorsch. Alaska-Seelachs aus Teilen des Nord­west-Pazifiks gilt nur noch als zweite Wahl, ebenso Dorsch aus Teilen des Nord­ost-Atlantiks. Für alle diese Fisch­arten empfiehlt der WWF: Lieber Produkte mit dem Siegel des MSC kaufen. Etwas verbessert hat sich die Situation für Pangasius und Dorade, die aus Aquakulturen kommen. Wirk­lich empfehlens­wert ist laut WWF nur die Biozucht. Als akzeptabel stuft die Umwelt­schutz­organisation Fische ein, die aus Zucht­stationen kommen, die GlobalGAP-Kriterien beachten und damit einen Stan­dard für gute Agrarpraxis anwenden. Hintergrund: Lange Zeit galt Pangasius aus konventioneller Zucht als tabu. Aquakulturen in Asien hatten in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachs­tum erfahren. Pangasius aus thailän­discher Zucht sollte immer noch gemieden werden.

Lieber nicht

Wenn einer der nach­folgenden Fische aus dem Nord­ost-Atlantik stammt, gehört er nicht auf den Teller: Rotbarsch, Scholle und Kabeljau. Sogar welt­weit für alle Fang­gebiete tabu sind: Roter Thun, Europäischer Aal, Granat­barsch und Schnapper. Alle diese Arten sind stark gefährdet.

Hinweis: Den voll­ständigen Einkaufs­ratgeber sowie weiterführende Informationen zu den einzelnen Fisch­beständen finden Sie auf der Website des WWF.

Empfehlungen von Greenpeace

Ratgeber Fisch­kauf Special

Auch Greenpeace gibt Empfehlungen zum Kauf von Speise­fischen. Verbraucher sollten bewusster und seltener Fisch essen und beim Kauf Fisch aus gesunden Beständen wählen, die mit schonenden Methoden gefangen wurden. Als Orientierung bietet die Umwelt­organisation ebenfalls einen Fischratgeber an.

Wenn Fisch, dann dieser

Karpfen wird in Deutsch­land zwar meist nur an Fest­tagen gegessen. Er ist aber der einzige Fisch, den Greenpeace ohne jede Ausnahme als empfehlens­wert einstuft.

Noch vertret­bare Ausnahmen

So ist etwa die Scholle aus dem Nord­ost-Pazifik noch vertret­bar. Und auch der Kabeljau aus dem Nord­ost-Atlantik und der Kabeljau aus dem Nord­ost-Pazifik, sofern er mit Grund-Lang­leinen, Fallen oder Haken gefangen wurde. Das gilt auch für Seelachs aus dem Nord­ost-Atlantik, wenn er mit Leinen und Haken, Snurre­waden oder Anker­waden gefangen wurde. Vertret­bar ist zudem noch der Kauf von Zucht­fischen wie Regenbogen- und Bachforellen – allerdings nur, wenn sie aus Natur­land zertifizierter Aquakultur stammen. Zucht-Pangasius ist ebenfalls nur vertret­bar, wenn er aus einer von Natur­land zertifizierten Zucht­farm in Vietnam stammt, ebenso Tilapia. Bei Wildlachs sollten Fisch­esser darauf achten, dass er im Nord­ost- oder Nord­west-Pazifik gefischt wurde. Weitere Informationen und Test­ergeb­nisse zu Räucherlachs finden Sie im Test Räucherlachs.

Finger weg, nicht nach­haltig

Die Liste der Fische, von denen man laut Greenpeace ganz die Finger lassen sollte, ist erschre­ckend lang. Nicht in den Einkaufs­wagen gehören demnach unter anderem Alaska-Seelachs, Dornhai, Granat­barsch, Hoki, Rotbarsch, Schnapper, Sardinelle, Seewolf, Schwarzer Seehecht, Seeteufel, Seezunge, Makrele, Marlin und Witt­ling. Das gilt auch für die gefähr­deten Arten Roter Thun und Europäischer Aal.

Teil­weise unterschiedliche Bewertungen

Aufgrund von unterschiedlichen Bewertungs­methoden unterscheiden sich die Ratgeber von Greenpeace und dem WWF bei Empfehlungen zu einigen Fisch­beständen. So rät Greenpeace komplett vom Verzehr von Alaska-Seelachs ab, dem zweitbeliebtesten Speise­fisch der Deutschen. Grund dafür: Trotz leichter Erholung seien die Bestände noch in schlechtem Zustand und die Fang­mengen teil­weise zu hoch. Zudem würden Alaska-Seelachse mit zerstörerischen Grund­schlepp­netzen gefangen. Laut WWF-Ratgeber ist Alaska-Seelachs dagegen zu vertreten, wenn er das MSC-Siegel trägt oder aus dem Nord­west-Pazifik stammt.

Hintergrundinfos vom Thünen-Institut

Wer noch detailliertere Informationen zu Fisch­beständen lesen möchte, wird beim Thünen-Institut fündig. Das Bundes­forschungs­institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei gibt auf der Webseite Fischbestände Online die Bestände samt ausführ­licher Hintergrund­informationen nach Fisch­arten an. Der Europäische Aal wird beispiels­weise auch hier wie bei Greenpeace und WWF als eine vom Aussterben bedrohte Art gekenn­zeichnet.

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