Ratgeber Fisch­kauf Special

Bei vielen Deutschen kommt regel­mäßig Fisch auf den Tisch. Aber welche Fisch­arten kann man denn noch guten Gewissens kaufen? Welt­weit sind viele Fisch­bestände über­fischt. Auch die Zucht ist nicht immer umwelt­verträglich. Eine Rolle spielt zudem, wo eine bestimmte Fisch­art gefangen wird. test.de sagt, welche Fische aus welchen Fang­gebieten Sie ohne Bedenken kaufen können und gibt Tipps für den Fisch­kauf.*

Welt­weiter Verbrauch erschöpft die Meere

Gesunde Omega-3-Fett­säuren, viel Eiweiß, guter Geschmack: Fisch gilt als hoch­wertig und gesund. Besonders beliebt bei den Deutschen sind Alaska-Seelachs, Hering, Lachs und Thun­fisch. Insgesamt verspeiste ein Deutscher 2014 rund 14 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte, welt­weit lag der Pro-Kopf-Verbrauch sogar bei durch­schnitt­lich 19 Kilogramm. Die starke Nach­frage hat Schatten­seiten: Die Meeresbestände erschöpfen sich. Laut der Ernährungs- und Land­wirt­schaft­organisation der Vereinten Nationen (FAO) sind mitt­lerweile 29 Prozent der Fisch­bestände in den Welt­meeren über­fischt, in europäischen Gewässern sollen es laut EU-Kommis­sion sogar bis zu drei Viertel sein. Das heißt: Es wird deutlich mehr Fisch gefangen, als nach­wachsen kann. Umwelt­verbände wie der World Wide Fund for Nature (WWF) appellieren: „Unsere Meere brauchen dringend Erholung, um nicht vor unseren Augen zu kollabieren.“

Übrigens: Die Stiftung Warentest hat 20 Thun­fisch­produkte einem Schad­stoff-Check unterzogen, darunter Dosenthun­fisch in Öl sowie tief­gefrorene Steaks. Die Ergeb­nisse lesen Sie im Testbe­richt Schadstoffe im Thunfisch.

Hering und Scholle geht es gut, Dorsch muss sich weiter erholen

Im Zuge der Reformierung der Gemein­samen Fischerei­politik hat sich die EU deshalb ein hehres Ziel gesetzt: Bis 2020 sollen sich die Fisch­bestände erholen können, sodass sie nach­haltig befischt werden können. Um das zu erreichen, werden jedes Jahr für Fang­gebiete wie Atlantik oder Ostsee Fang­quoten für verschiedene Bestände fest­gesetzt. Grund­lage sind Vorschläge der EU-Kommis­sion, die sich auf die wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung stützen. 2016 dürfen deutsche Fischer mehr Schell­fisch, Hering, Kabeljau und Scholle aus der Nordsee fangen, dafür weniger Makrele als bisher. Aus der Ostsee dürfen sie deutlich mehr Hering und Scholle holen, da sich die Bestände dort gut entwickelt haben. Die Fang­mengen für Dorsch wurden hingegen abge­senkt.

Zerstörerische Fang­methoden

Viele Fang­methoden schädigen nicht nur die Fisch­bestände, sondern auch den Meeresboden und damit den Lebens­raum von Fischen und anderen Meerestieren. Dazu zählen etwa so genannte Baum­kurren, eine Art Grund­schlepp­netz, das beim Fang von Garnelen oder Platt­fischen wie Schollen zum Einsatz kommt. Das Netz wird auf Kufen über den Meeresboden gezogen. Scheuchketten sorgen dafür, dass einge­grabene Fische aufgeschreckt werden. Dadurch sind die Auswirkungen auf den Meeresboden und seine Bewohner besonders hoch.

Rück­wurf von Beifang inzwischen verboten

Ein weiteres Problem ist unerwünschter Beifang: Das sind Fische, aber auch Seevögel, Haie oder Schild­kröten, die unbe­absichtigt mit im Netz landen. Bisher wurden diese zurück ins Meer geworfen. Seit Anfang 2015 ist das in der EU verboten; das Rück­wurf­verbot soll schritt­weise bis 2019 in Kraft treten. Es gilt nur für den Fang von Fisch­arten, für die es eine Quote gibt. Jetzt muss der Beifang an Land gebracht werden und wird auf die Fang­quote mit ange­rechnet. Das Ziel dieser Regelung: Die Fischer sollen aus Eigen­interesse auf spezialisierte Fang­methoden setzen, damit nur bestimmte Fische im Netz landen.

Mehr als jeder zweite Fisch aus Aquakultur

Allein mit dem Fang von Wild­fischen lässt sich der welt­weite Appetit nicht decken. Eine immer größere Bedeutung kommt daher der Aquakultur – sprich Fisch­zucht – zu. Seit drei Jahr­zehnten wächst sie jähr­lich um rund 9 Prozent. Mitt­lerweile stammt mehr als die Hälfte des welt­weit verzehrten Fischs aus Zucht­betrieben. Nicht über­all sind Farmen so hoch entwickelt wie etwa Lachs­betriebe in Norwegen (siehe Produktionsbedingungen Lachs). Zwar besteht nicht das Problem der Über­fischung. Doch kann auch die Zucht negative Auswirkungen für die Umwelt haben. So benötigen Zucht­fische wie Lachs und Forelle tierisches Futter – meist Fisch­mehl und -öl aus Wild­beständen. Um ein Kilogramm Lachs zu erzeugen, sind schät­zungs­weise 1,2 Kilogramm Futter nötig. Zudem können Chemikalien oder Antibiotika umliegende Flüsse und Meere belasten. Für den Aufbau von Zucht­farmen werden mancher­orts zudem wert­volle Lebens­räume zerstört – etwa Mangrovenwälder für die Shrimp­zucht in tropischen Gebieten.

Bewusst einkaufen – gar nicht so einfach

Wer beim Fisch­kauf auf Nach­haltig­keit achten möchte, hat es jedoch nicht leicht, sich im Handel zu orientieren. So ist bei Wild­fischen nicht immer eine komplette Fisch­art von Über­fischung betroffen, sondern einzelne Bestände in unterschiedlichen Fang­gebieten. Beispiel Kabeljau/Dorsch: Allein im Nord­ost-Atlantik gibt es etwa 15 Bestände, die sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich entwickelt haben. Kritisch steht es derzeit etwa um den Dorsch aus der west­lichen Ostsee.

Ratgeber und Siegel

Detaillierte Informationen über einzelne Fisch­arten und -bestände liefert das Portal Fischerei. Die Daten stammen vom Johann-Heinrich-­von-Thünen-­Institut. Das Portal gibt aber keine Bewertungen ab. Es versteht sich daher auch nicht als Fisch­einkaufs­ratgeber, sondern vielmehr als Basis für deren Bewertungen. Denn: In die Bewertungen für Fisch­führer, wie sie der WWF oder Greenpeace für Verbraucher anbieten, fließen neben dem Zustand einzelner Fisch­bestände auch die verwendeten Fang­methoden, deren Auswirkungen auf die Ökosysteme sowie das Management der entsprechenden Fischereien ein. Ebenso gibt es Kriterien für die Bewertung von Zucht­fischen. Eine weitere, relativ einfache Orientierung für nach­haltigen Fisch­kauf sind Siegel, die sich auf zahlreichen Fisch­produkten finden, darunter das MSC-Siegel für nach­haltig gefangenen Wild­fisch oder das Siegel des Anbau­verbands Natur­land für Öko-Zucht­fische. Auf den folgenden Seiten dieses Specials stellen wir die Orientierungs­hilfen vor.

* Dieses Special erschien erst­mals am 20. Dezember 2008 auf test.de. Es wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 25. August 2016.

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