Ratgeber Fisch­kauf Special

Lachs, Alaska-Seelachs, Hering, Thun­fisch, Forelle – diese Fisch­arten kommen in Deutsch­land am häufigsten auf den Tisch. Aber welche kann man noch guten Gewissens kaufen? Noch immer sind welt­weit viele Fisch­bestände über­fischt. Auch die Zucht ist nicht immer umwelt­verträglich. Eine Rolle spielt zudem, wo eine bestimmte Fisch­art gefangen wird. test.de sagt, welche Fische aus welchen Fang­gebieten Sie ohne Bedenken kaufen können und gibt Tipps für den Fisch­kauf.

Welt­weiter Verbrauch ...

Gesunde Omega-3-Fett­säuren, viel Eiweiß, guter Geschmack: Fisch gilt als hoch­wertig und gesund. Der Deutschen liebster Fisch ist der Lachs, gefolgt von Alaska-Seelachs, Hering, Thun­fisch und Forelle. Nach Angaben des Informationszentrums der deutschen Fischwirtschaft lag der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch und Meeresfrüchten in Deutsch­land 2017 bei 13,5 Kilogramm – leicht geringer als im Vorjahr. Welt­weit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei durch­schnitt­lich rund 20 Kilogramm. Die Stiftung Warentest untersucht jähr­lich Fisch und Meeresfrüchte auf Frische, Qualität und Schad­stoffe, zuletzt Lachsfilets, Thunfisch und Garnelen.

... erschöpft die Meere

Die konstante Nach­frage hat Schatten­seiten: Die Meeresbestände erschöpfen sich. Laut der Ernährungs- und Land­wirt­schaft­organisation der Vereinten Nationen (FAO) sind mitt­lerweile etwa 33 Prozent der Fisch­bestände in den Welt­meeren bedroht, im Mittel­meer sollen es laut EU-Kommis­sion sogar über 90 Prozent sein. Das heißt: Es wird deutlich mehr Fisch gefangen, als nach­wachsen kann.

Bis 2020 sollen sich die Fisch­bestände erholen

Im Zuge der Reformierung der Gemein­samen Fischerei­politik hat sich die EU ein hehres Ziel gesetzt: Bis 2020 sollen sich die Fisch­bestände erholen können, sodass sie nach­haltig befischt werden können. Um das zu erreichen, werden jedes Jahr für Fang­gebiete wie Atlantik, Nordsee und Ostsee Fang­quoten für verschiedene Bestände fest­gesetzt. Grund­lage sind Vorschläge der EU-Kommis­sion, die sich auf die wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) stützen. Umwelt­verbände zweifeln daran, dass das Ziel erreicht wird. „In den letzten fünf Jahren haben die Fischerei­minister die Über­fisch­ungs­wende verpasst“, heißt es beim World Wide Fund for Nature (WWF). Die aktuell verabschiedeten Fang­quoten seien viel zu hoch.

Uneinigkeit bei Quoten für Hering und Dorsch

2019 müssen vor allem deutsche Herings­fischer Einschnitte in Kauf nehmen. Den Beständen in der west­lichen Ostsee geht es sehr schlecht. Für diesen Teil der Ostsee hatte der ICES empfohlen, die Herings­fischerei sogar auszusetzen. Die EU-Fischerei­minister kürzten die Fang­quote um 48 Prozent – aus Sicht der Umwelt­verbände ist das nicht streng genug. Da die Bestände am Limit sind, darf Hering aus der west­lichen Ostsee derzeit nicht das Logo des Marine Steward­ship Council (MSC) tragen (Deutsche Ostsee-Heringsfischer verlieren MSC-Umweltsiegel). Besser geht es den Dorsch­fischern: Sie können 2019 in der west­lichen Ostsee 70 Prozent mehr Dorsch fangen als 2018. Auch das kritisieren die Umwelt­verbände. Der nachgewachsene Bestand erzeuge noch nicht genügend Nach­kommen, um so stark befischt werden zu können. 2019 können auch fast doppelt so viele Schollen in der gesamten Ostsee gefangen werden wie bisher.

Deutliche Quoten­erhöhung für Nordsee geplant

Mitte Dezember entscheiden die EU-Fischerei­minister über neue Fang­quoten für Nordsee und Atlantik. Die EU-Kommis­sion empfiehlt vorab eine teil­weise Ausweitung des Fangs, etwa für Seehecht und Scholle. Insgesamt könnten für 62 Bestände die Fang­quoten erhöht werden oder unver­ändert bleiben, für 22 Bestände dagegen verringert werden (Kommission schlägt Fangquoten im Atlantik und in der Nordsee für 2019 vor). Bereits 2018 durften deutsche Fischer aus der Nordsee mehr Fisch holen als zuvor, insbesondere Schell­fisch, Hering, Kabeljau und Seelachs.

Zerstörerische Fang­methoden

Viele Fang­methoden schädigen nicht nur die Fisch­bestände, sondern auch den Meeresboden und damit den Lebens­raum von Fischen und anderen Meerestieren. Dazu zählen etwa so genannte Baum­kurren, eine Art Grund­schlepp­netz, das beim Fang von Garnelen oder Platt­fischen wie Schollen zum Einsatz kommt. Das Netz wird auf Kufen über den Meeresboden gezogen. Scheuchketten sorgen dafür, dass einge­grabene Fische aufgeschreckt werden. Dadurch sind die Auswirkungen auf den Meeresboden und seine Bewohner besonders hoch.

Rück­wurf­verbot ab 2019 für alle gültig

Ein weiteres Problem ist unerwünschter Beifang. Das sind Fische, aber auch Seevögel, Haie oder Schild­kröten, die unbe­absichtigt mit im Netz landen. Bisher wurden diese zurück ins Meer geworfen. Seit Anfang 2015 wurde das in der EU schritt­weise verboten, zum 1. Januar 2019 tritt das Rück­wurf­verbot nun endgültig für alle EU-Fischereiflotten in Kraft. Es gilt für den Fang von Fisch­arten, für die es eine Quote gibt. Jetzt muss der Beifang an Land gebracht werden und wird auf die Fang­quote mit ange­rechnet. Das Ziel dieser Regelung: Die Fischer sollen aus Eigen­interesse auf spezialisierte Fang­methoden setzen, damit nur bestimmte Fische im Netz landen.

Mehr als jeder zweite Fisch aus Aquakultur

Allein mit dem Fang von Wild­fischen lässt sich der welt­weite Appetit nicht decken. Eine immer größere Bedeutung kommt daher der Aquakultur – sprich Fisch­zucht – zu. Zwischen 2001 und 2016 ist sie im Schnitt jedes Jahr um rund sechs Prozent gewachsen. Mitt­lerweile stammt mehr als die Hälfte des welt­weit verzehrten Fischs aus Zucht­betrieben. Selbst Kaviar gibt es jetzt aus Zuch­betrieben (Kaviar: Zucht schont Geldbeutel und wilden Stör). Nicht über­all sind Farmen so hoch entwickelt wie etwa Lachs­betriebe in Norwegen (siehe Produktionsbedingungen Lachs). Zwar besteht nicht das Problem der Über­fischung. Doch kann auch die Zucht negative Auswirkungen für die Umwelt haben. So benötigen Zucht­fische wie Lachs und Forelle tierisches Futter – meist Fisch­mehl und -öl aus Wild­beständen. Um ein Kilogramm Lachs zu erzeugen, sind heute weniger als 1 Kilogramm Wild­fisch nötig. Zudem können Chemikalien oder Antibiotika umliegende Flüsse und Meere belasten. Für den Aufbau von Zucht­farmen werden mancher­orts zudem wert­volle Lebens­räume zerstört – etwa Mangrovenwälder für die Shrimp­zucht in tropischen Gebieten.

Bewusst einkaufen – gar nicht so einfach

Wer beim Fisch­kauf auf Nach­haltig­keit achten möchte, hat es jedoch nicht leicht, sich im Handel zu orientieren. So ist bei Wild­fischen nicht immer eine komplette Fisch­art von Über­fischung betroffen, sondern einzelne Bestände in unterschiedlichen Fang­gebieten. Beispiel Kabeljau/Dorsch: Allein im Nord­ost-Atlantik gibt es etwa 15 Bestände, die sich in den vergangenen Jahren unterschiedlich entwickelt haben.

Ratgeber und Siegel

Detaillierte Informationen über einzelne Fisch­arten und -bestände liefert das Portal Fischerei. Die Daten stammen vom Johann-Heinrich-­von-Thünen-­Institut. Das Portal gibt aber keine Bewertungen ab. Es versteht sich daher auch nicht als Fisch­einkaufs­ratgeber, sondern vielmehr als Basis für deren Bewertungen. Denn: In die Bewertungen für Fisch­führer, wie sie der WWF oder Greenpeace für Verbraucher anbieten, fließen neben dem Zustand einzelner Fisch­bestände auch die verwendeten Fang­methoden, deren Auswirkungen auf die Ökosysteme sowie das Management der entsprechenden Fischereien ein. Ebenso gibt es Kriterien für die Bewertung von Zucht­fischen. Eine weitere, relativ einfache Orientierung für nach­haltigen Fisch­kauf sind Siegel, die sich auf zahlreichen Fisch­produkten finden, darunter das MSC-Siegel für nach­haltig gefangenen Wild­fisch oder das Siegel des Anbau­verbands Natur­land für Öko-Zucht­fische. Auf den folgenden Seiten dieses Specials stellen wir die Orientierungs­hilfen vor.

Dieses Special erschien erst­mals am 20. Dezember 2008 auf test.de. Es wurde seitdem regel­mäßig aktualisiert, zuletzt am 19. November 2018.

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