Ratenkredit Meldung

Immer mehr Banken werben mit Ratenkrediten zu ­Niedrig­zinsen – und gewähren sie dann doch nur ganz selten. Das ergab eine Stichprobe bei einigen Kreditinstituten.

Das hört sich doch sehr solide an: ­Angestellte im öffentlichen Dienst, zwei Kinder, verheiratet, rund 3  000 Euro Haushaltsnettoeinkommen. Frau Meir will einen Kredit bei der CC-Bank aufnehmen. Die wirbt mit einem günstigen Zinssatz „ab 7,9 Prozent“. Damit die neuen Küchenmöbel kein Loch in die Haushaltskasse reißen, braucht Frau Meir rund 5 000 Euro. Das Darlehen will sie innerhalb von fünf Jahren zurückzahlen.

Doch als Frau Meir die Filiale der ­CC-Bank verlässt, ist sie enttäuscht. Das Angebot lautet 11,98 Prozent effektiver Jahreszins, außerdem soll sie eine Restschuldversicherung abschließen. Die verteuert den Kredit noch mehr. Sie fragt sich, was ein Kunde denn bieten muss, damit er den beworbenen Zinssatz bekommt.

Die CC-Bank ist nicht die einzige, die Ratenkredite je nach Kunde zu unterschiedlichen Zinsen vergibt. Immer mehr Banken werben mit Krediten „ab X Prozent“, zum Beispiel die GE Money Bank: „ab 5,9 Prozent effektiv, betrags- und bonitätsabhängig“. Allein elf Banken melden Finanztest jeden Monat Zinsspannen für Ratenkredite.

Es gibt keinen idealen Kunden

Ratenkredit Meldung

Stolperfallen. Wie hier in Berlin sollen Kunden mit Lockangeboten zu Ratenkrediten überredet werden. Der auf den ersten Blick günstige Zins verkehrt sich aber oft ins Gegenteil, wenn das konkrete Angebot auf den Tisch kommt.

Wie die Banken die Bonität des Kunden ermitteln, bleibt aber oft im Nebel. Das ergab eine Stichprobe von Finanztest. Sechs Testpersonen – Frau Meir war eine von ihnen – holten sich in verschiedenen Filialen bei sechs Banken Angebote ein: 5 000 Euro, 60 Monate Laufzeit, keine Restschuldversicherung.

Das Ergebnis: Fast alle bekamen einen Zins im oberen Drittel der möglichen Zinsspanne angeboten.

Bei über der Hälfte der Fälle war eine Restschuldversicherung für die Absicherung der Ratenzahlung erforderlich. Dabei sind ­alle unsere Tester in einem festen Arbeitsverhältnis, haben ein regelmäßiges Einkommen, von dem am Monatsende so viel ­übrig bleibt, dass sie die Raten von ­monatlich um 100 Euro gut verkraften könnten. Auch sonst haben sie keinen schwarzen Fleck auf der Weste, wie die ­zuvor eingeholte Schufa-Eigenauskunft (siehe „Verbraucher im Visier der Schufa“) belegt hat. Schufa bedeutet „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“. Sie sammelt Daten zur Kreditwürdigkeit von Verbrauchern.

Die Kreditvorschläge der Banken bekamen die Tester selten in einer akzeptablen Form und selten vollständig. Es gab kleine Notizzettel, auf denen nur die monatliche Rate stand, ausgedruckte Bildschirmkopien und unübersichtliche Ausdrucke, die für den Kunden unnötige Informationen enthielten. Nur die Commerzbank und die GE Money Bank gaben den Testern vorbildliche Kreditangebote in die Hand.

Schufa, Score und Einkommen

„Eine saubere Schufa, ein guter Score und das verfügbare Haushaltseinkommen sind natürlich Pluspunkte“, heißt es bei der CC-Bank auf unsere Frage, welche Kriterien in die Kreditentscheidung einfließen. Da kann unsere Testperson mithalten: Die Schufa bescheinigte ihr auf der Eigenauskunft einen Scorewert von 744 und damit das höchstmögliche Rating A. Negative Einträge in der Schufaauskunft gibt es nicht und die Haushaltsrechnung – eine Gegenüberstellung von monatlichen Einnahmen und Ausgaben – ergibt einen positiven Betrag.

„In die Entscheidung fließen aber auch Dinge, über die wir im Detail keine Auskunft geben“, hält sich die CC-Bank dann bedeckt. Diese „Dinge“ müssen sich nach der ersten Kreditanfrage verbessert haben. Denn in der dritten Filiale bekam die Testperson einen Effektivzins von 9,95 Prozent statt 11,98 Prozent angeboten, obwohl der Scorewert sich durch die vorherigen Kreditanfragen verschlechtert hatte.

Bei der Norisbank bekommt die Testperson – sie ist angestellt, ledig, hat keine Kinder und ein Nettoeinkommen von gut 2 000 Euro – nur 8,99 Prozent angeboten statt des beworbenen Superzinses von 5,6 Prozent. Die Schufa bescheinigte mit einem Scorewert von 631 immerhin ein B-Rating. „Der Scorewert ist ein Element von rund 30 Daten, wobei das Einkommen nicht das Entscheidende ist. Die ­Gewichtung der Daten ist unser Erfolgsrezept, das wir wie die Coca-Cola-Rezeptur hüten“, heißt es bei der Norisbank.

Die GE Money Bank schoss den Vogel ab. In zwei Filialen bekam der Tester ein Angebot, das über dem uns gemeldeten Maximalzins lag: 12,87 Prozent sollte er für den 5 000-Euro-Kredit bezahlen.

Restschuldversicherung gefordert

Eine Restschuldversicherung soll bei Tod und manchmal auch bei Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit des Kreditnehmers die restlichen Kreditraten abdecken. Das ist sinnvoll, wenn es sich um einen fünfstelligen Kredit für die eigenen vier Wände handelt und die Familie im Ernstfall das Dach über dem Kopf verliert.

Bei kleinen Krediten dient sie aber vor allem der Absicherung der Bank. Außerdem treiben die Versicherungsbeiträge die Kreditkosten und damit den tatsächlich zu zahlenden Zins extrem in die Höhe.

Die ABC Privatkunden-Bank forderte in allen drei Beratungsgesprächen eine ­Absicherung zumindest für den Todesfall. Statt des zunächst angebotenen Effektivzinses von 9,99 Prozent müsste der Kunde dann 12,14 Prozent Zinsen zahlen. Die Beiträge für die Restschuldversicherung ­lagen bei rund 230 Euro.

Die Testperson hätte damit eine monatliche Kreditrate von 110 Euro statt 105 Euro. Insgesamt müsste sie dann 6 600 ­Euro statt rund 6 300 Euro zurückzahlen.

In einer Filiale der Commerzbank hieß es, die Restschuldversicherung sei obligatorisch – sie sollte 690 Euro kosten – und nur in Ausnahmefällen mit dem Vorgesetzten der Beraterin verhandelbar.

Obligatorisch ist die Restschuldversicherung bei der GE Money Bank zwar nicht. Auf Finanztest-Anfrage hieß es in der Pressestelle: „Bei uns bekommen die Kunden den Ratenkredit auch ohne Restschuldversicherung. Der Verkauf aller Versicherungsprodukte ist bei uns freiwillig.“

Doch diese Freiwilligkeit hat einen Beigeschmack, denn ohne Restschuldversicherung kann der Zinssatz für den Kredit schon mal steigen. In der Filiale lautete das erste Angebot für den 5 000-Euro-Kredit 8,88 Prozent, inklusive einer Restschuldversicherung in Höhe von rund 440 Euro. Das führt zu einem tatsächlichen Zins von 12,73 Prozent.

Die Testperson machte die Beraterin dann auf ihr nahezu unkündbares Angestelltenverhältnis im öffentlichen Dienst aufmerksam und bekam ein zweites Angebot. Nun sollten der effektive Jahreszins 8,88 Prozent und die Restschuldversicherung noch rund 140 Euro betragen. Das ergibt eine Gesamtverzinsung von gut 10 Prozent.

Und schließlich erhielt die Kundin noch wie gewünscht ein Angebot ohne Restschuldversicherung: mit einem Effektivzins von 10,79 Prozent!

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